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31.07.2010
 

Fehler bei der Love Parade

Überwachungsvideos zeigen fatale Kettenreaktion

Aufnahme einer Überwachungskamera: Ordner schritten nicht einZur Großansicht
SPIEGEL TV

Aufnahme einer Überwachungskamera: Ordner schritten nicht ein

Wer trägt die Schuld an der Love-Parade-Katastrophe? Nach SPIEGEL-Informationen gab es schwere Fehler bei Polizei, Verwaltung und Veranstalter. Beschlagnahmte Überwachungsvideos zeigen, wie die Kettenreaktion durch Unachtsamkeit mit ausgelöst wurde.

Hamburg - Wer hat Schuld an der Katastrophe von Duisburg? Fehler haben nach Informationen des SPIEGEL offenbar sowohl Polizei und Stadt als auch der Veranstalter gemacht. Darauf weisen interne Unterlagen und andere Beweismaterialien hin:

  • Beschlagnahmte Überwachungsvideos weisen darauf hin, dass der Ansturm auf die Treppe, an der viele Opfer starben, auch durch die Unachtsamkeit von Security-Mitarbeitern ausgelöst wurde. Wie die Aufnahmen belegen, schritt ein Ordner zunächst nicht ein, als um 16.16 Uhr ein Mann einen Schutzzaun überstieg und über die Treppe nach oben lief. Diese Aktion löste eine Kettenreaktion aus, die dazu führte, dass Hunderte Eingeschlossene zu der Treppe drängten.
  • So hatte der vom Veranstalter eingesetzte Crowd-Manager, der aus dem Container an der Hauptrampe den Publikumszugang steuern sollte, nach eigenen Angaben bereits vor 15 Uhr Hilfe bei der Polizei angefordert. Entgegen seines Wunsches sei der Verbindungsbeamte neben ihm im Container aber nicht weisungsbefugt gewesen. Außerdem habe der Polizist kein Funkgerät gehabt. Dies habe dazu geführt, dass erst mit 30-minütiger Verzögerung ein leitender Beamter eingetroffen sei. Aus Polizeikreisen hieß es, möglicherweise habe es eine solche Verspätung gegeben. Sie sei aber nicht ins Gewicht gefallen.
  • Auch der Veranstalter, die Lopavent GmbH, gerät weiter in die Kritik. Aus einem Firmenpapier, das dem SPIEGEL vorliegt, geht hervor, dass Lopavent schon für den Nachmittag mit Zehntausenden abströmenden Besuchern gerechnet hatte. "Im Zeitfenster zwischen 15 und 16 Uhr werden sich Zu- und Abstrom die Waage halten", heißt es in dem Dokument. Gleichwohl hatten Stadt und Veranstalter auf getrennte Zu- und Abwege verzichtet, so dass sich beide Ströme blockierten. "Es gab Phasen zwischen 15 und 17 Uhr, wo es keinen richtigen Ausgang gab", bestätigte der Crowd-Manager.

Weiter Hintergründe zu dem Thema sendet das SPIEGEL TV Magazin am Sonntag um 22:15 Uhr auf RTL.

Bei der Love Parade am 24. Juli war auf dem Gelände in Duisburg eine Massenpanik ausgebrochen. 21 Menschen starben, mehrere hundert weitere wurden verletzt. Bisher hat niemand offiziell die Verantwortung für die Katastrophe übernommen. Vorwürfe vor allem an den Veranstalter, die Massenveranstaltung nicht sorgfältig genug vorbereitet zu haben, werden derzeit untersucht.

Auch gegen den Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland gibt es massive Vorwürfe. Viele Duisburger werfen der Stadt vor, die Love Parade trotz massiver Sicherheitsbedenken genehmigt zu haben. Sauerland hat einen schnellen Rücktritt bisher abgelehnt. Offenbar aber setzt der CDU-Politiker auf ein geordnetes Abwahlverfahren. So melden es übereinstimmend die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" und die "Süddeutsche Zeitung". Demnach ist Sauerland Parteikreisen zufolge mit seiner Abwahl einverstanden.

Trauerfeier in Duisburg

In einer bewegenden Trauerfeier haben am Samstag Tausende in Duisburg der Opfer der Love Parade gedacht. Bundespräsident Christian Wulff und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sprachen den Angehörigen ihr Mitgefühl aus. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) versprach Aufklärung, wer für die Massenpanik die Verantwortung trägt. Sauerland blieb dem ökumenischen Gottesdienst in der Salvatorkirche fern. Familien und Freunde konnten nach dem Gottesdienst - abgeschirmt von der Öffentlichkeit - an der Unglücksstelle um ihre Toten trauern.

Bundeskanzlerin Merkel hat sich nach Gesprächen mit den Angehörigen der Opfer des Love-Parade-Unglücks von Duisburg am Rande der Trauerfeier tief berührt gezeigt. Die Kanzlerin sagte der "Bild am Sonntag": "Diese Gespräche mit den Angehörigen sind mir sehr zu Herzen gegangen. Aus dem schrecklichen Ereignis von Duisburg müssen jetzt die richtigen Konsequenzen gezogen werden."

Tausende verfolgten die einstündige Übertragung des Gottesdienstes in zwölf Kirchen und im Fußballstadion des MSV Duisburg. Dort fanden sich statt der erwarteten Zehntausenden nur rund 1500 Besucher zusammen. Auf dem Rasen lag ein schwarzes Holzkreuz, auf dem Kerzen brannten. "Wir kamen in Freude, Liebe und Vertrauen. Jetzt sind wir tot, verletzt und traumatisiert. Musste das sein?", hieß es auf einem Transparent.

ffr/dpa

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insgesamt 5984 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
13.09.2010 von turo:

Ich stimme Ihnen zu. Bei einer gut geplanten Veranstaltung haben die Verantwortlichen dem besonderen Verhalten dieses Klientel Rechnung zu tragen. Sie haben leider versagt. Aber das wollen die "Polizeihasser" in [...] mehr...

13.09.2010 von Skepticmind:

Sie haben leider immer noch nicht begriffen (oder wollen es nicht) wie und wodurch GENAU es zu den 21 Toten und über 500 Verletzten kam. mehr...

13.09.2010 von olfma: ...

Die jetzige Politiker-Generation ist da völlig schmerzfrei. Es gilt, heute die Interessen der eigenen Klientel auf Kosten der Allgemeinheit durchzusetzen. Sollte man dann doch mal unerwartet vom Wähler abgestraft werden oder [...] mehr...

13.09.2010 von Indigo76: Mir ziehts die Schuhe aus

Wenn ich ehrlich schreiben würde, was ich von diesem Schwachsinn halte, würde der Kommentar bestimmt nicht zugelassen werden. Merkst du noch, was du schreibst? Da ist es nur noch ein winziger Schritt hin zu: Warum ziehen Frauen [...] mehr...

13.09.2010 von achmed1: Man darf nur hoffern...

dass solchen Politiker, ähnlich wie Rüttgers im Mai diueses Jahres, eine deutliche Abfuhr erteilt wird. Wie seit Jahren schon interessiert die politische Clique, besonders die der CDU, nur noch das mitzunehmende Geld. Über [...] mehr...

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Die Love Parade

Die Love Parade findet seit 1989 statt, zunächst über viele Jahre in Berlin. 2007 zog die Veranstaltung dann ins Ruhrgebiet um, mit der Premiere in Essen. Vor zwei Jahren gastierte sie in Dortmund. 2009 sagte Bochum die Techno-Party ab, weil die Stadt keine Chance sah, den Besucherandrang zu bewältigen und einen geeigneten Veranstaltungsort zu finden. 2010 endete die Love Parade in einer Tragödie: 21 Menschen starben, mehr als 500 wurden verletzt.

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