Islamabad - Nach heftigen Regenfällen und Überschwemmungen im Norden Pakistans steigt die Opferzahl weiter. Am Samstag zählten die Einsatzkräfte bereits mehr als 830 Tote. Rettungstrupps und Militäreinheiten waren unterwegs in die Unglücksregion, um Zehntausenden gestrandeten Menschen zu helfen, teilten die Behörden am Samstag mit. Die Bundesregierung sagte dem Land finanzielle Hilfe zu.
Nach heftigem Monsunregen waren Flüsse über die Ufer getreten und hatten ganze Landstriche überflutet. Angaben der Provinzregierung zufolge verloren bislang etwa 400.000 Menschen ihre Häuser. Pakistanische Medien sprachen von den schlimmsten Überschwemmungen in der Region seit mehr als 80 Jahren.
Zudem wächst in der Region die Angst vor Seuchen. Einige der Opfer hätten Durchfall, andere einen juckenden Ausschlag, berichtete ein Arzt am Samstag aus einem Notlager, in dem obdachlos gewordene Menschen untergebracht sind. Nach Angaben der Vereinten Nationen sind eine Million Menschen von der Flut betroffen, mindestens 45 Brücken sollen zerstört worden sein. In Pakistan wie auch im benachbarten Afghanistan suchten Einsatzkräfte nach Tausenden von den Wassermassen eingeschlossenen Menschen.
Der Informationsminister der besonders getroffenen Nordwest-Grenzprovinz Khyber-Pakhtunkhwa, Mian Iftikhar Hussain, bat die internationale Gemeinschaft um rasche Hilfe. Sollte es keine Unterstützung für die örtlichen Rettungskräfte geben, "könnte die Situation zu einem großen humanitären Desaster" werden, sagte er. Die meisten Opfer habe es in den Distrikten Shangla und Swat gegeben, wo zahlreiche Bergdörfer von der Außenwelt abgeschnitten seien, berichteten Hilfsorganisationen. Viele Straßen sowie riesige Ackerflächen sind überflutet worden. Auch der Karakoram Highway, der Pakistan mit China verbindet, musste nach Behördenangaben gesperrt werden.
Dutzende Tote in Afghanistan
Aus dem Nachbarland Afghanistan wurden mehr als 65 Tote bei Überschwemmungen gemeldet. Schätzungen zufolge seien mehr als 1000 Familien von dem Hochwasser im Nordosten des Landes betroffen, sagte der Leiter der afghanischen Katastrophenschutzbehörde, Abdul Matin Edrok, am Samstag. Die Zahl drohe allerdings zu steigen. Rettungskräfte suchten nach von der Außenwelt abgeschnittenen Flutopfern.
Besonders betroffen war laut Edrok die Provinz Kapisa mit 31 Todesopfern, Tote wurden aber auch aus den Provinzen Nangarhar, Laghman, Kunar, Logar, Parwan und Ghasni gemeldet. Afghanische und Nato-Soldaten verteilten Lebensmittel und Medikamente und retteten nach eigenen Angaben binnen zwei Tagen mehr als 2000 Menschen aus den Überschwemmungsgebieten in Nangarhar und Kunar.
Das Auswärtige Amt in Berlin will bis zu 500.000 Euro humanitäre Soforthilfe für Pakistan zur Verfügung stellen. Das kündigte Außenminister Guido Westerwelle (FDP) an. Mit dem Geld sollen unter anderem Notunterkünfte, Decken und Trinkwasser finanziert werden.
Der Monsun beginnt in Südasien in der Regel Anfang Juni und dauert bis September. In diesem Zeitraum wandert das Regengebiet vom Süden des indischen Subkontinents in Richtung Norden. Den Nordwesten Pakistans hatte der Monsun Mitte Juli erreicht. Bei den Unwettern sterben jährlich zahlreiche Opfer, schwere Schäden werden verursacht.
sto/dpa/apn/AFP
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