Von Hasnain Kazim, Islamabad
Pakistan trauert um die 152 Menschen, die am Mittwochmorgen beim Flug Air Blue 202 von der südpakistanischen Metropole Karatschi nach Islamabad ums Leben gekommen sind. Die Maschine war beim Landeanflug auf die pakistanische Hauptstadt in die Margalla Hills gestürzt, Ausläufer des Himalaja, an dessen Fuße Islamabad liegt. Die Insassen, 146 Passagiere und sechs Crewmitglieder, waren sofort tot.
Die Maschine war bei schwerem Monsunregen und extrem schlechter Sicht unterwegs, weshalb die pakistanischen Behörden davon ausgehen, dass dies die Ursache für die Katastrophe ist. Doch inzwischen machen im ganzen Land eine Menge Spekulationen die Runde, wonach der Crash in den Bergen auch andere Ursachen haben könnte.
Erst am Samstag wurde der Flugschreiber der Maschine, auch Black Box genannt, an der wegen der steilen und zudem bewaldeten Abhänge sehr schwer zugänglichen Absturzstelle gefunden. Dieser soll nun nach Angaben eines Sprechers der zivilen Luftfahrtbehörde von Pakistan "nach Frankreich oder Deutschland" geschickt werden, um die Aufzeichnungen auszuwerten und die Ursache der Katastrophe aufzuklären. "Das Gerät wird nach Frankreich oder nach Deutschland geschickt, da wir hier in Pakistan keine Möglichkeit haben, die Daten zu decodieren", erklärte er Journalisten. Bis man zu einem Ergebnis komme, könnten "bis zu drei Monate" vergehen.
Warum steuerte der Pilot genau auf die Berge zu?
Genügend Zeit, die Gerüchteküche weiter anzuheizen. Denn tatsächlich bleiben bei der bislang am häufigsten angenommenen Absturzursache Fragen offen: Der Pilot der Unglücksmaschine, Pervez Iqbal Chaudhury, war Mitte 60 und hatte eine Menge Flugerfahrung. Trotz schlechter Sicht - die etwa tausend Meter hohen Margalla Hills waren zum Zeitpunkt des Absturzes, gegen 9.30 Uhr, nahezu vollständig in Wolken gehüllt - hätte er wissen müssen, dass sich nördlich von Islamabad eine Hügelkette befindet. Weshalb steuerte er trotzdem auf die Berge zu - und dann auch noch auf so niedriger Flughöhe?
Als gesichert gilt, dass die Maschine beim Landeanflug auf den Flughafen aufgefordert worden war, wegen Verkehrs auf dem Rollfeld noch eine weitere Runde zu drehen. Doch wieso drehte der Pilot ausgerechnet nach Nordosten, in Richtung Stadtzentrum, wo sich auch Präsidentenpalast und Parlament befinden und wo deshalb ein absolutes Flugverbot gilt?
Unbestätigten Berichten zufolge wies die Flugsicherheit den Piloten auf seinen Fehler hin. Er fliege in der "No-Fly-Zone" und außerdem direkt auf die Berge zu. Der Pilot solle daraufhin geantwortet haben: "Ich weiß."
Der Kolumnist Saeed Minhas schreibt in der "Daily Times", Pilot Chaudhury soll in der Nacht vor dem Flug gefastet haben und habe schon allein deswegen nicht fliegen dürfen. Anderen Berichten zufolge habe Chaudhury unter Diabetes gelitten. "Vielleicht hat er einen Zuckerschock erlitten und konnte deshalb nicht mehr reagieren?", munkelt ein Beamter im pakistanischen Innenministerium. Zudem kursiert, Chaudhury sei ein Boeing-, kein Airbus-Pilot - er sei nur wegen Pilotenmangels aus dem Ruhestand heraus eingesetzt worden und mit der Maschine, einem Airbus A321, nicht ausreichend vertraut gewesen. Aber hätte dann nicht Co-Pilot Muntajib Chughtai eingreifen können, als es Probleme gab?
Hilfe aus dem Internet bei Flugschreibersuche
Wegen dieser unbeantworteten Fragen vermuten selbst manche Beamte in den Ministerien, dass womöglich ein Bewaffneter ins Cockpit eingedrungen sei und die Piloten gezwungen habe, in Richtung Berge zu fliegen. Nur: Welches Interesse soll ein Terrorist gehabt haben, die Maschine gegen einen Hügel krachen zu lassen? Warum dann nicht gleich mitten in die Stadt?
Bani Amin, Vize-Chef der Polizei von Islamabad, erklärte, man werde hoffentlich rasch Klarheit über die Absturzursache bekommen, da man die Black Box im Heck des Flugzeugs gefunden habe. Da die Polizei keinerlei Erfahrung damit gehabt habe, habe man bei der Suche Hilfe im Internet genutzt, sagte er der Tageszeitung "Dawn". Außerdem habe man die Kräfte zunächst auf die Suche nach Verletzten und später nach Leichnamen und Körperteilen konzentriert. Erst zum Schluss habe man nach dem Flugschreiber gesucht.
Dieser besteht aus zwei Komponenten: einem Aufnahmegerät im Cockpit, das die Kommunikation im Cockpit aufzeichnet, sowie einem digitalen Flugdatenrekorder, der sich im Heck des Flugzeugs befindet. Die Auswertung in Europa soll unter anderem zeigen, in welcher Höhe und mit welcher Geschwindigkeit die Maschine kurz vor dem Aufprall flog. Man hoffe, sagte der Sprecher der Luftfahrtbehörde, dass man dann Nachricht aus Europa darüber erhalte, ob es sich um technisches Versagen, einen Fehler des Piloten oder um eine andere Absturzursache handele.
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Ich gebe Ihnen recht, auch ich vertraue bodenlos auf sachliche Aufklärung. Bin leider nur über etwas gestolpert, was mit der Sache nun wirklich nicht zu tun hat (Nationalität). Es geht um den Crash eines A 321. Der Erstfall. [...] mehr...
Es ist der erste Crash eines A 321. Dass da mit Sicherheit auch Mitarbeiter vom Airbus Industries sich an der Untersuchung beteiligen, dürfte klar sein und entspricht üblichen, internationalen Gepflogenheiten. Im Übrigen ist für [...] mehr...
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