Hamburg/Islamabad - Für die Helfer in Pakistan gilt es jetzt, die richtigen Worte zu finden. Worte und Bilder, mittels derer sich die Verwüstung, die Not der Menschen im Land nachdrücklich der Welt übermitteln lassen, damit endlich Hilfe kommt - Hilfe, die Regierung und Armee nicht mehr leisten können.
13,8 Millionen Menschen sind laut Uno in Pakistan direkt von der Flutkatastrophe betroffen - und damit mehr Menschen als beim Tsunami 2004, beim Erdbeben in Kaschmir 2005 und beim Erdbeben in Haiti 2010 zusammengenommen.
"Das Ausmaß der Zerstörung ist viel größer als wir erwartet hatten", sagte der Uno-Sondergesandte Jean-Maurice Ripert. "In der Erinnerung findet sich kein vergleichbares Drama. Es sind die schlimmsten Überflutungen aller Zeiten in Pakistan". Auch Maurizio Giuliano, Sprecher des Uno-Büros für die Koordination Humanitärer Angelegenheiten (OCHA), spricht von einem "Desaster".
Zwei Wochen nach Beginn der Katastrophe waren weiterhin Hunderttausende in Pakistan auf der Flucht vor den Wassermassen. Am schwersten betroffen ist der Nordwesten des Landes, aber auch flussabwärts des Indus in den Provinzen Sindh und Punjab stehen ganze Landstriche unter Wasser.
SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim ist im Bezirk Charsadda in der nördlichen Grenzprovinz Khyber Pakhtunkhwa unterwegs. "Alle Armee-Verbände, die man trifft, sagen dasselbe", berichtet er. "Wir sind überfordert, wir brauchen Hilfe aus dem Ausland." Die Armee organisiere jetzt mit Hochdruck Helikopter-Flüge für ausländische Journalisten - die sollen die Bilder der verzweifelten Lage in die Welt transportieren, damit von dort Unterstützung kommt.
Das einzige, was funktioniert: privat organisierte Hilfe
Für Flutopfer ein Schock - wann immer Meldungen über entsprechende Aussagen von Regierungsvertretern im Radio liefen, breche sich die Verzweiflung der Einwohner in den Flutgebieten Bahn, berichtet der Reporter. "Wir warten seit Tagen auf Hilfe und dachten, sie kommen schon noch zu uns", heiße es bei Betroffenen. "Und jetzt kommt niemand".
Das einzige, was noch funktioniere, sei privat organisierte Hilfe, berichtet Kazim. "Pakistaner, die im Ausland leben, in Europa, Amerika oder den Golfstaaten, weisen Geld an, Beträge von 50 oder 100 Dollar. Damit organisieren Verwandte in Islamabad, Lahore oder Karachi Lebensmittel und den Transport von Hilfslieferungen in die Flutgebiete."
Wenn die Hilfsgüter dort ankommen, spielten sich verzweifelte Szenen ab: "In Windeseile spricht sich herum, dass Essen da ist", beschreibt der SPIEGEL-ONLINE-Reporter die Situation. "Dann drängen sich Hunderte Menschen um die kleinen Transporter, die ein paar Töpfe mit gekochtem Reis oder Linsen geladen haben, es kommt zu Tumulten."
Vielerorts erschweren außerdem Erdrutsche die ohnehin schwierigen Rettungsarbeiten. Hilfsgüter könnten auch wegen der Zerstörung vieler Straßen nicht zu den verzweifelten Flutopfern gebracht werden.
Hilfsorganisationen wichen deshalb auf Esel aus oder waren bemüht, Güter für den nötigsten Bedarf zu Fuß zu den Menschen zu bringen. "In die meisten Orte im Swat-Tal kommen wir nicht", sagte Uno-Sprecher Giuliano.
"Wir sind vollkommen hilflos"
Der Uno-Koordinator für humanitäre Hilfe in Pakistan, Martin Mogwanja, rief am Montag zu einer massiven Aufstockung der Hilfe auf. "Zelte, Plastikplanen und Haushaltgeräte fehlen am meisten, es müssen dringend Vorräte in die betroffenen Gebiete geflogen werden", sagte Mogwanja.
Die Region um das nordwestliche Swat-Tal, wo die pakistanische Armee im vergangenen Jahr eine Großoffensive gegen die radikalislamischen Taliban unternahm, war seit dem Wochenende völlig von der Außenwelt abgeschnitten. US-Militärhubschrauber, die bei den Hilfsanstrengungen einsetzt wurden, können seit Samstag wegen der starken Regenfälle nicht mehr fliegen.
In Muzaffargarh in der Provinz Punjab ordneten die Behörden die Räumung des Ortes an, da das Wasser bereits in den Straßen stand. "Die Lage ist sehr ernst. Wir sind vollkommen hilflos, deswegen haben wir den Menschen gesagt, sie sollen sich in Sicherheit bringen", sagte Farasat Iqbal, ein Behördensprecher des Bezirks Muzaffargarh. Laut Uno-Schätzungen waren in der Provinz Punjab bis zu 500.000 Menschen obdachlos, 560.000 Hektar landwirtschaftlicher Flächen wurden zerstört.
Seit Beginn der Katastrophe vor zwei Wochen starben mindestens 1600 Menschen in den Fluten.
"Wir befinden uns erst am Anfang der Monsunsaison"
Allein in der Provinz Khyber Pakhtunkhwa kamen den Behörden zufolge 1400 Menschen ums Leben. Am Montag wurde Präsident Asif Ali Zardari zurückerwartet, der eine Reise nach Europa trotz der Lage in seiner Heimat fortgesetzt hatte. Viele Menschen sind über dieses Verhalten äußerst wütend, bei einer Veranstaltung mit Pakistanern in Birmingham am Wochenende wurde Zardari heftig kritisiert.
"Was die Menschen hier besonders hart trifft, sind Pauschalurteile aus dem Ausland nach dem Motto 'Pakistan hat Geld für eine Atombombe, aber nicht für seine Flutopfer'", sagt SPIEGEL-ONLINE-Korrespondent Hasnain Kazim. "Das ist für die Leute wirklich bitter. 'Wir haben mit der Politik der Regierung nichts zu tun, nichts mit der Atombombe oder mit Terrorismus', heißt es dann. "Wir brauchen einfach nur Hilfe.'"
Der Bedarf an humanitärer Hilfe in Pakistan in den kommenden Monaten wird auf mehrere Hundert Millionen Dollar beziffert. Die langfristigen Kosten für den Wiederaufbau der Infrastruktur gehen in die Milliarden. Pakistan wandte sich bereits an den Internationalen Währungsfonds (IWF), weil es Probleme mit der Rückzahlung eines mehr als zehn Milliarden Dollar schweren Kredits hat.
Die Lage in den Flutgebieten kann sich nach den Worten des Uno-Sondergesandten Jean-Maurice Ripert in den kommenden Wochen sogar noch verschlimmern. "Wir befinden uns erst am Anfang der Monsunsaison", warnte er. "Jeder hat große Angst vor mehr heftigen Regenfällen bis Ende des Monats."
pad/REUTERS/AP/AFP
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...und der pakistanische Geheimdienst unterstützt zeitgleich die Taliban in Afghanistan. Ach, das wussten Sie nicht? Das Attribut "massiv" können Sie getrost stecken lassen! mehr...
Immerhin bin ich im Gegensatz zu Ihnen in der Lage mir auszumalen, dass doch sehr wahrscheinlich NICHT die Terroristen so blöd wären, dann ein Unwetter biblischen oder koranischen Ausmaßes zu schicken, damit sie dann mit ihren [...] mehr...
Und sicher sind Sie auf Grund Ihrer unermesslich beschränkten Fantasie nicht in der Lage, zu realisieren, dass ein massiver Terror-Export von Pakistan nach Afghanistan an der Tagesordnung ist! mehr...
Genau. Und die werden erst dann alle lammfromm und verständig und demokratisch, wenn der Westen nur lange genug den Hilflosen den Rücken zukehrt und sie alleine weiterwurschteln lässt - den Taliban in die Arme treibend, die dann [...] mehr...
Sicher können Sie in Ihrer schier unermesslichen Fantasie nun auch den Grund dafür finden, warum Sie die Überschwemmung in Pakistan mit ermordeten Ärzten im Nachbarland Afghanistan in Beziehung setzen? Oder anders gefragt: [...] mehr...
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