Mainz - Nach der Versorgung mit einer bakterienverseuchten Infusion sind am Samstag zwei Säuglinge in der Mainzer Uniklinik gestorben. Neun weitere Kinder haben nach offiziellen Angaben ebenfalls die mit Enterobacter-Darmbakterien verschmutzte Lösung bekommen. Fünf von ihnen befinden sich noch in kritischem Zustand, zwei "sogar sehr kritisch", sagte Oberarzt Ralf-Gunter Huth. "Dort befürchten wir Schlimmes."
Die Staatsanwaltschaft Mainz ermittelt wegen fahrlässiger Tötung und Körperverletzung - zentral wird "zu klären sein, an welcher Stelle die Kontamination der Nährlösung erfolgt ist", teilte die Behörde mit. Die Polizei hat eine Sonderkommission gegründet, die die Todesfälle untersuchen soll. Den Ermittlern zufolge werden die beiden verstorbenen Kinder in der Gerichtsmedizin Frankfurt untersucht; von einer Einbindung der Gerichtsmedizin in Mainz sei abgesehen worden, um die nötige Neutralität zu unterstreichen. Die Klinik stellte die Krankenunterlagen, Untersuchungsergebnisse und auch die benutzten Präparate sowie Gerätschaften zur Verfügung.
Die beiden Säuglinge hatten Herzfehler und befanden sich wegen dieser schweren Erkrankung auf der Intensivstation, als sie die Infusionen erhielten. Ihr Tod stehe "möglicherweise" im Zusammenhang mit der verunreinigen Lösung, teilte die Klinik offiziell mit - die Äußerungen der Verantwortlichen machen aber klar, dass auch sie die Infusionen als wahrscheinlichen Auslöser sehen. "Wir sind schockiert über die aktuellen Ereignisse", sagte der Vorstandsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz, Norbert Pfeiffer. "Unser tiefes Mitgefühl gilt den Eltern und Angehörigen der verstorbenen Kinder." Die Suche nach der genauen Ursache "innerhalb der gesamten Herstellungskette wird mit Hochdruck vorangetrieben".
Es sei wahrscheinlich, dass die Infusionslösungen bei der Herstellung in der Uniklinik mit Enterobacter-Bakterien verunreinigt wurden, teilte die Klinikleitung mit. Eine von 14 Untergruppen sei in zwei Blutproben nachgewiesen worden. Außerdem sei eine zweite Untergruppe entdeckt worden, die aber noch nicht identifiziert wurde, sagte Pfeiffer. Es werde 24 bis 48 Stunden dauern, bis die Untergruppe genauer eingegrenzt werden könne. Alle zuständigen Behörden seien unverzüglich informiert und eingebunden worden.
Die Infusionslösungen würden aus verschiedenen Komponenten externer Hersteller in der hauseigenen Apotheke täglich für die Patienten hergestellt, teilte die Uniklinik Mainz mit. Die Qualität der Lösungen werde täglich durch das Institut für Mikrobiologie und Hygiene überwacht. Dabei sei dann auch die Verkeimung der verabreichten Infusionen festgestellt worden - allerdings nicht mehr rechtzeitig. Die Direktorin der Apotheke der Universitätsmedizin, Irene Krämer, teilte mit, jede Infusion werde individuell für jeden Säugling produziert. Mit diesem Verfahren seien in den vergangenen zehn Jahren mehr als 90.000 Lösungen einwandfrei produziert worden. Sie bestünden aus neun verschiedenen Mitteln wie Glukose, Magnesium und Wasser. Bei der Produktion der verunreinigten Arznei hätten die beteiligten Mitarbeiter nach weniger als 30 Minuten die verwendeten Handschuhe gewechselt. Dennoch könne menschliches Versagen nicht ausgeschlossen werden.
Alle potentiell betroffenen Patienten werden vorsorglich behandelt
Alle womöglich betroffenen Patienten seien nach Aufkommen des Verdachts medizinisch behandelt worden, teilte die Klinik mit. Lösungen des betroffenen Typs würden nicht mehr verwendet. Bis die Fälle geklärt sind, würden Präparate anderer Hersteller benutzt und in einem alternativen Verfahren hergestellt.
Die rheinland-pfälzische Wissenschaftsministerin Doris Ahnen (SPD) äußerte sich bestürzt über den Unglücksfall. Die genauen Umstände "dieser tragischen Ereignisse" müssten lückenlos aufgeklärt werden, sagte Ahnen, die Aufsichtsratsvorsitzende der Universitätsmedizin Mainz ist.
Die Universitätsmedizin der Johannes-Gutenberg-Universität umfasst mehr als 60 Kliniken, Institute und Abteilungen sowie zwei Einrichtungen der medizinischen Zentralversorgung, die Apotheke und die Transfusionszentrale. Rund 3500 Studierende der Medizin und Zahnmedizin werden in Mainz kontinuierlich ausgebildet.
ffr/dpa/apn/ddp
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Stimmt. Der Standard ist einfach höher, in D zu teuer. Hier bestimmen Kienbaum und Konsorten die Strukturen und Abläufe und "Notwendigkeiten" - nicht die Mediziner. mehr...
Da geht es um spezielle Infusionen, die für Patienten aufgrund von Laborwerten individuell zusammengestellt werden müssen, das ist international so üblich. Es geht in diesem Fall auch nicht um den typischen Bereich von [...] mehr...
Wie man sich täuschen kann... D mehr...
.....ist ein korrupter Haufen, ich sage nur "Vioxx". "Die Infusionslösungen würden aus verschiedenen Komponenten externer Hersteller in der hauseigenen Apotheke täglich für die Patienten hergestellt, teilte die [...] mehr...
Leider sind Fertiglösungen wie Ringer, NaqCl etc in der Pädiatrie nur selten zu gebrauchen. FG und schwerkranke Kinder brauchen meist speziell und individuelle zubereitete Lösungen in einem bestimmten Mischverhältnis. Und genau [...] mehr...
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