Copiapo - Dunkel ist es, offensichtlich eng und heiß. Die Bilder machen klar, wie es den 33 Bergarbeitern in der eingestürzten Gold- und Kupfermine gehen muss. Seit rund drei Wochen sind sie eingeschlossen.
Die Gesichter und die nackten Oberkörper der Männer glänzen vor Schweiß. Sie wirken erschöpft und niedergeschlagen - auch wenn sie versuchen, sich das in den Botschaften an ihre Verwandten nicht anmerken zu lassen.
"Ich möchte meinen Enkeln und meiner Familie Hallo sagen. Bleibt zusammen", sagt einer der Kumpel in rund 700 Metern Tiefe verschüttet. Ein anderer: "Es bedarf einiges an Courage, uns hier nicht unserem Schicksal zu überlassen. Wir wissen von allem, was ihr da oben für uns tut."
Die Eingeschlossenen brauchen nun Kraft und Mut. Am Sonntag wurde der erste Kontakt zu ihnen hergestellt, tags darauf wurden sie über ein acht Zentimeter dünnes Rohr mit Nahrungsmitteln zunächst zum Trinken versorgt. In den kommenden Tagen sollen sie auch immer mehr feste und kalorienreichere Nahrung bekommen, wie Gesundheitsminister Jaime Mañalich am Donnerstag (Ortszeit) sagte. Die Rettung kann sich noch drei bis vier Monate ziehen - so lange dauert die Bohrung eines breiteren Rettungsschachts. Die Männer versuchen, sich abzulenken. Sie spielen Karten und Domino, singen die Nationalhymne.
Jeweils zwischen acht und zehn Kilo Gewicht verloren
Die eingeschlossenen Bergarbeiter leiden an Flüssigkeitsmangel und Gewichtsverlust. Die 33 Männer haben jeweils zwischen acht und zehn Kilo Gewicht verloren, sagt Gesundheitsminister Mañalich. Ärzte stehen mit den Minenarbeitern in Verbindung, ihr Kontaktmann ist ein Bergarbeiter, der über medizinische Grundkenntnisse verfügt. Die Regierung bereitet nun ein medizinisches und therapeutisches Programm vor, um die Bergleute zu unterstützen.
Neben dem körperlichen Wohlbefinden geht es auch um die Stimmung der Eingeschlossenen. Mañalich sagte dem Sender CNN, drei bis vier Bergarbeiter hätten bereits mit Problemen zu kämpfen: "Sie haben Schlafstörungen und werden zunehmend ängstlicher und nervöser, nachdem sie nun schon so lang in diesem begrenzten Raum festsitzen." Mañalich hatte zuvor davor gewarnt, dass die Information über die langwierige Rettung zu "Depressionen, Angst und Niedergeschlagenheit" führen könnte. Den Männern wurde inzwischen mitgeteilt, dass sich ihre Rettung vermutlich noch bis Weihnachten hinziehen kann.
Dem Minister zufolge ist geplant, den Männern durch den Verbindungsschacht einen kleinen Projektor zu schicken, damit sie Filme gucken können. Neben Medikamenten, Nahrungsmitteln, Stiften und Spielkarten erhalten die Männer auch Post von ihren Familien.
Angehörige wollen Schadensersatz fordern
Experten der US-Raumfahrtbehörde Nasa sollen Mañalich zufolge spätestens zu Wochenbeginn an der Mine eintreffen, um die einheimischen Helfer zu unterstützen. Die chilenische Regierung bat die Nasa um ihren Rat, da die Situation der Bergleute vergleichbar sei mit Astronauten, die monatelang in Weltraumstationen ausharrten.
Den Betreibern des eingestürzten Bergwerks drohen Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe. Ein Richter verfügte am Donnerstag, dass Einnahmen der Betreiber in Höhe von umgerechnet rund 1,4 Millionen Euro für künftige Entschädigungszahlungen eingefroren werden.
Die Anordnung des Gerichts in Copiapo erfolgte, nachdem mehrere Familien der Verschütteten mit einer Klage gedroht hatten. Das Geld solle als "Vorsichtsmaßnahme" zurückgehalten werden, sagte der Anwalt Edgardo Reinoso, der die Familien von 26 der 33 eingeschlossenen Bergarbeitern vertritt. Seinen Angaben zufolge hätte die Betreiberfirma das nun eingefrorene Geld in den nächsten Tagen von der chilenischen Regierung für den Verkauf von Kupfer erhalten sollen.
Die Familien werfen den Verantwortlichen Nachlässigkeit vor. Sie bemängeln, dass die Mine wieder in Betrieb genommen wurde, obwohl sie 2007 nach einem tödlichen Unfall vorübergehend geschlossen worden war. Betreiber des Bergwerks ist die chilenische Gruppe San Esteban. Auch die Beamten des staatlichen Bergbau- und Geologiedienstes sollen nach Angaben des Anwalts zur Verantwortung gezogen werden.
siu/AFP
Auf anderen Social Networks posten:
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
| alles aus der Rubrik Panorama | Twitter | RSS |
| alles zum Thema Grubenunglücke | RSS |
© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH