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29.08.2010
 

Verschüttete Bergleute in Chile

Rettungsbohrung verzögert sich

Verschüttete Bergleute in Chile: Video-Botschaft an die Angehörigen
Fotos
AP/ Chile's Government Video

Die Bohrung zur Rettung der Bergleute in Chile sollte schon begonnen haben, doch die Vorbereitungen sind noch immer nicht abgeschlossen. Jetzt arbeiten Experten an einem Plan B, um die Eingeschlossenen aus 700 Metern schneller bergen zu können. Staatschef Piñera macht Druck - der Unabhängigkeitstag naht.

Copiapo - Der Beginn der Bohrung eines Rettungsschachtes für die 33 in einer chilenischen Kupfer- und Goldmine eingeschlossenen Kumpel verzögert sich voraussichtlich bis Montag. Nach Angaben der Behörden sind die technischen Vorbereitungen erst dann abgeschlossen. Ursprünglich sollte die Bohrung schon am Samstag beginnen.

Der Chefingenieur machte am Wochenende aber erneut deutlich, dass es bis zu vier Monate dauern könnte, zu den seit Anfang August in einem Schutzraum in 700 Metern Tiefe festsitzenden Kumpeln vorzudringen. Die chilenische Regierung arbeitete nach eigenen Angaben an einer Alternative, um die Bergarbeiter schneller ans Tageslicht zu holen.

Am Montag bei Morgengrauen werde mit den Arbeiten begonnen, sagte der mit der Leitung der Rettungsarbeiten betraute Chefingenieur Andres Sougarret am Samstag. Das in Australien hergestellte rund 29 Tonnen schwere Bohrgerät mit dem Namen "Strata 950" werde derzeit in Position gebracht.

Am Sonntag werde zudem ein zusätzlicher Motor aus Deutschland für den Bohrer eintreffen. Der 15 Tonnen schwere zusätzliche Antrieb soll die auf drei bis vier Monate angelegte Bohrung bis zu den in 700 Metern Tiefe eingeschlossenen beschleunigen. Pro Tag kann "Strata 950" maximal 20 Meter in die Tiefe vordringen.

Der Staatschef will die Bergleute am Unabhängigkeitstag oben haben

Geplant ist, die eingeschlossenen Bergarbeiter über einen Schacht mit einem Durchmesser von 66 Zentimetern an die Oberfläche zu holen. Angesichts der langen Dauer der Bohrung sucht die chilenische Regierung nach Alternativen. Die chilenische Zeitung "La Tercera" berichtete, Staatschef Sebastián Piñera dringe darauf, die Bergleute noch vor dem 18. September zu retten - dann feiert Chile den 200. Jahrestag seiner Unabhängigkeit von Spanien.

Gesundheitsminister Jaime Mañalich sagte am Wochenende, dass ein alternativer Rettungsplan in Kürze vorgestellt werde. Experten hatten vorgeschlagen, einen bereits existierenden Schacht mit 12 Zentimetern Durchmesser zu erweitern. Der Schacht ist rund 300 Meter von dem Schutzraum entfernt, die Stelle wäre für die Kumpel über einen Tunnel erreichbar. Die Bohrgeräte-Firma Geotec hatte erklärt, dass dieser Weg nach bereits zwei Monaten zur Rettung der Bergleute führen könnte. Außerdem ist eine Bohrung nahe des verschütteten Eingangsschachtes im Gespräch, Experten warnen aber vor neuen Einsturzrisiken.

Die 33 Bergleute sind seit dem Einsturz der kleinen Gold- und Kupfermine San José am Rand von Copiapo in der Atacama-Wüste am 5. August verschüttet. Sie stehen über ein schmales Verbindungsrohr in Kontakt mit der Außenwelt. Gesundheitsminister Mañalich sagte am Samstag, der Gemütszustand von fünf unter Depressionen leidenden Kumpeln habe sich verbessert. Die Versorgung mit Nahrungsmitteln und Botschaften von Angehörigen hätten zu diesem "großartigen Ergebnis" geführt, sagte der Minister.

Kontrolle soll verbessert werden

Unterdessen kündigte Bergbauminister Laurence Golborne als Konsequenz aus dem Minenunglück eine stärkere staatliche Kontrolle der Bergwerke an. Dazu werde eine Behörde geschaffen, die neue Minen genehmigen und die Sicherheitsnormen umsetzen soll. Außerdem soll die Behörde die Befugnis erhalten, bei Verstößen gegen Minenbetreiber vorzugehen. "Wir können nicht garantieren, dass es keine Unfälle mehr gibt", sagte der Minister. "Aber wir können die Firmenchefs stärker für die Bedeutung der Arbeitssicherheit sensibilisieren."

Golborne sagte, die Regierung werde die Mittel für das Bergbauministerium von 24 auf 56 Millionen Dollar mehr als verdoppeln. Weiterhin soll beim Personal bis Ende 2011 die Zahl der Kontrolleure von 18 auf 45 erhöht werden. Eine Expertengruppe überprüfe derzeit zudem die Sicherheitsbestimmungen für Minen.

bim/AFP

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