ThemaFlugzeugunglückeRSS

Alle Artikel und Hintergründe

  • Drucken
  • Senden
  • Feedback
05.09.2010
 

Flugschau in Bayern

Doppeldecker rast in Zuschauermenge

Verunglückter Doppeldecker in Bayern: Pilot verlor offenbar die Kontrolle über die MaschineZur Großansicht
dpa

Verunglückter Doppeldecker in Bayern: Pilot verlor offenbar die Kontrolle über die Maschine

Schweres Unglück bei einer Flugveranstaltung in Mittelfranken: Ein Flugzeug geriet beim Start außer Kontrolle und raste ins Publikum. Eine Frau starb, zahlreiche Zuschauer wurden verletzt. Auch in Hessen kam es bei einer Flugschau zu einem Unfall.

Lillinghof - Ein Doppeldecker ist bei einer Flugschau am Sonntag in eine Zuschauermenge gerast und hat eine Frau getötet. 38 Menschen wurden bei dem Unglück in der Nähe von Schnaittach-Lillinghof bei Nürnberg nach Polizeiangaben verletzt, fünf davon schwer.

Nach Augenzeugenberichten war die getötete 46-jährige Frau in den Propeller der Maschine geraten. Die Schwerverletzten wurden von mehreren Hubschraubern in umliegende Krankenhäuser geflogen. Von den 33 Leichtverletzten wurden laut Polizei 22 in Kliniken gebracht, darunter auch ein sieben Jahre altes Kind.

Der 68 Jahre alte Pilot der Unglücksmaschine blieb dagegen unverletzt. Bei einer ersten Befragung machte der Mann, ein sehr erfahrener Pilot, von seinem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Der Doppeldecker war der Polizei zufolge beim Start zu einem Formationsflug nach rechts ausgebrochen und in die Zuschauermenge gerast.

"Wir waren gerade beim Kaffeetrinken, als auf einmal Tische und Bänke durch die Luft flogen - und auf einmal hatten wir den Propeller der Maschine vor uns", berichtete ein Augenzeuge. Die Maschine kam 20 Meter vor dem Kontrollturm zum Stehen und kippte dort auf die Nase.

Ursache noch unklar

Warum das Flugzeug beim Starten plötzlich nach rechts ausbrach, war zunächst unklar. Mehrere Augenzeugen berichteten übereinstimmend, die Maschine habe anscheinend nicht ausreichend Tempo gehabt, um abzuheben. "Der Pilot hatte wohl die Kontrolle über sein Flugzeug verloren", sagte ein Beamter in der Nürnberger Polizeieinsatzzentrale.

Noch Stunden später war das havarierte Flugzeug von Neugierigen umringt. Daneben erinnerten noch herumstehende Bierbänke und ein Bierschankwagen an den Volksfestcharakter der Flugschau auf dem Segelflughafen am Fuß der Frankenalb. Die Veranstaltung wurde nach dem Unglück sofort abgebrochen.

Der Doppeldecker - ein Original-Oldtimer vom Typ Tigermoth - war bei dem vom Segelflugclub Lauf veranstalteten Flugtag eine der Hauptattraktionen. Zum Programm hatten auch Segelkunstflüge und Fallschirmformationssprünge gehört. Die Veranstalter selbst lehnten Angaben zu dem Unglück zunächst ab und verwiesen auf die Polizei.

Flugunfall auch in Hessen

Auch in Hessen kam es bei einer Flugschau am Sonntag zu einem Unfall. In Langenselbold ist ein Kleinflugzeug beim Anlassen am Boden außer Kontrolle geraten. Die führerlose Maschine rollte über den Rasen und blieb schließlich in einer Hecke stecken, teilte die Polizei in Offenbach mit. Verletzt wurde niemand.

Der Pilot habe vor der Maschine stehend den Propeller gestartet, als sich das Flugzeug in Bewegung setzte. Zu der zweitägigen Veranstaltung auf dem Flugplatz in Langenselbold im Main-Kinzig-Kreis waren mehrere tausend Besucher erwartet worden. Die Sicherheitszone zwischen den Zuschauern und den Flugzeugen sei so groß gewesen, dass keine Gefahr bestanden habe, erklärte die Polizei.

Ein weiteres Unglück bei einem Flugtag ereignete sich am Wochenende im bayerischen Füssen. Eine 50 Jahre alte Drachenfliegerin habe am Samstag in der Startphase einen Fehler gemacht und sei dann in die Tiefe gestürzt, erklärte die Polizei. Am Boden prallte sie auf ein geparktes Segelflugzeug. Die Schwerverletzte wurde mit einem Rettungshubschrauber in eine Unfallklinik geflogen. Dort starb sie in der Nacht zu Sonntag.

Trotz der Beschwichtigung von Flugschauorganisatoren, das Risiko solcher Veranstaltungen sei gering, kam es in Deutschland immer wieder zu schweren Unfällen:

  • 26. April 2008 in Eisenach: Zwei Menschen sterben, als ein Propellerflugzeug in einen Verkaufsstand rast. 15 Personen werden verletzt.

  • 28. August 1988 in Ramstein: 70 Menschen sterben, als drei Jets der italienischen Kunstflugstaffel "Frecce Tricolori" zusammenprallen und in die Zuschauermenge stürzen. 352 Verletzte.

  • 23. Mai 1983 in Frankfurt am Main: Sechs Mitglieder einer Familie verbrennen in ihrem Auto, als ein kanadischer Düsenjäger bei einer Flugschau abstürzt und auf der Autobahn das Fahrzeug trifft.

  • 5. September 1982 in Bad Dürkheim: Fünf Menschen werden durch einen abgestürzten Doppeldecker getötet. Der Pilot wird schwer verletzt.

boj/dpa/ddp/apn

Diesen Artikel...

Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks posten:

  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Xing
  • Digg
  • Google Bookmarks
  • reddit
  • Windows Live

Forum

insgesamt 109 Beiträge zum Forum...
Die neuesten Beiträge:
17.09.2011 von berndschlüter: Den Teufel mit Beelzebub austreiben

Nur Bekloppten wie mir macht es nichts aus, an solchen Flugschauen teilzunehmen. Das letzte Mal vor einer Woche in Krefeld, wo ich mich gleich an zwei Tagen den Flugkünsten der Abenteurer aussetzte. Ich kenne die Gefahr und kann [...] mehr...

21.09.2010 von flieger0064: Traurig

Tja leider wieder mal aktuell. Und schon wieder eine die legitim im Besitz von Waffen war. Aber darum ein totales Waffenverbot zu fordern wäre genauso schwachsinnig. Aber die Geisteszustände sollten schon von Zeit zu Zeit [...] mehr...

19.09.2010 von seiwol: Jawohl verbieten , alles andere ist zu gefährlich

Das sagen die Sportschützen auch immer, nach einem amoklauf. Dem muß mit aller Schärfe entgegengehalten werden, Wenn nur ein einzige Leben durche ein Verbot von Flugschauen und von privatem Flugzeugbesitz gerette werden kann [...] mehr...

19.09.2010 von Hans58: Kein Titel

Sehr geehrte Frau Merkel, inzwischen dreht sich die Diskussion um Warngau. Hier kam der Pilot ums Leben (als einziges Opfer). der fliegt nicht mehr. Ob der Pilot der anderen beteiligten Maschine je wieder fliegen wird, dürfte [...] mehr...

19.09.2010 von Hans58: Kein Titel

Ja, jetzt wird's eng mit allen anderen gefahrengeneigten Dingen des täglichen Lebens. Wie viele Tote hat es in den 14 Tagen beim Autofahren gegeben, wie viele Verkehrsflugzeuge sind in den 14 Tagen abgestürzt. Verbieten, [...] mehr...

Und Ihre Meinung? Diskutieren Sie mit! zum Forum...

News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
alles zum Thema Flugzeugunglücke

© SPIEGEL ONLINE 2010
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



Mehr auf SPIEGEL ONLINE







TOP



TOP