San Francisco - Zunächst glaubten viele an einen Terroranschlag: Zwei Tage vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September 2001 hat eine gewaltige Explosion in der Nacht zum Freitag den nur etwa drei Kilometer vom Flughafen entfernten Vorort San Bruno erschüttert, gefolgt von meterhohen Stichflammen.
Binnen Minuten stand ein ganzer Straßenzug in Flammen, Menschen rannten in Panik davon, andere schossen fasziniert Fotos mit ihren Handys, vom Himmel regnete es Glassplitter und Trümmer.
Schon nach kurzer Zeit stellte sich der wahre Grund der Explosion heraus: Unter einer Straße von San Bruno war eine Erdgasleitung geborsten. Wie aus einem gewaltigen Bunsenbrenner schossen die Flammen aus dem Leck in alle Richtungen und setzten Häuser und Autos in Brand.
Auch Stunden danach war zunächst nicht klar, wie viele Opfer die Feuerwalze gefordert hat. Gerichtsmediziner sprachen zunächst von vier Toten, später korrigierte ein Stadtrat die Zahl der Todesopfer auf sechs.
Knapp weitere 40 Männer, Frauen und Kinder mussten mit Verbrennungen und anderen Verletzungen in Krankenhäusern behandelt werden. Mehr als 53 Häuser brannten teils bis auf die Grundmauern nieder, mindestens 120 weitere wurden nach Angaben der Feuerwehr beschädigt. Rund hundert Einwohner wurden in Notunterkünften untergebracht.
"Dann wackelte plötzlich das Haus"
Augenzeugen berichteten, die Explosion habe einen Krater von der Größe einer Kreuzung zweier mehrspuriger Straßen hinterlassen. "Ich hörte einen Lärm wie von einem tieffliegenden Flugzeug, dann wackelte plötzlich das Haus", sagte Tina Diloia, die sich während des Unglücks mit ihrem Baby in ihrer Wohnung in San Bruno aufhielt. Sie habe eine zweite Explosion gehört. "Ich ging nach draußen, und es fielen Trümmer vom Himmel." "Es sah aus, als würde die ganze Bergseite brennen", erzählt die junge Frau weiter.
"Alles außer dem Erdboden schwankte, deshalb war klar, dass es kein Erdbeben war", sagte die 62-jährige Jane Porcelli, die auf einem Hügel oberhalb des von dem Großbrand betroffenen Viertels wohnt.
"Schlimmer als die Explosion war die Hitze - eine enorme Hitzewelle, die eine Minute lang alle Luft aufsaugte", sagte ein weiterer Augenzeuge. Die Temperaturen seien bereits in drei oder vier Straßenzügen Entfernung fühlbar gewesen, ergänzt eine Frau. "Ich habe Familien im Hof nebenan gesehen, die ihre Kinder gepackt und zugesehen haben, dass sie sie rauskriegen."
Trotz des Einsatzes von Löschflugzeugen und -hubschraubern gelang es den Feuerwehrleuten zunächst nicht, die zahlreichen Brände unter Kontrolle zu bringen. In Berichten hieß es, die Flammenhitze habe die Fenster von Feuerwehrwagen zum Schmelzen gebracht. "Wir werden mindestens bis morgen brauchen, bis wir alles durchsucht haben", sagte der Feuerwehrchef von San Bruno, Dennis Haag.
Anwohner wollen Gasgeruch bemerkt haben
Nach dem ersten Schock sind inzwischen wütende Stimmen über mögliche Versäumnisse des Versorgers PG&E laut geworden. Wie die Zeitung "Los Angeles Times" berichtete, hatten Anwohner schon Tage zuvor Gasgeruch vernommen und den Behörden gemeldet. Ein Mann schimpfte am Donnerstag vor den schwelenden Überresten seiner Nachbarschaft, dass der Energiekonzern auf die Beschwerden nicht reagiert habe.
Firmenchef Chris Jones sprach von einer "Tragödie", deren Ursache gründlich nachgegangen werde. Sollte sich herausstellen, dass sein Unternehmen Schuld an dem Unglück trage, "werden wir die volle Verantwortung übernehmen", hieß es.
kng/AFP/dpa/apn
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