Traditionell knapp bekleidet: Raverinnen auf der Love Parade
Berlin - "Die Stadt hat diese Veranstaltung nicht mehr im Griff", schimpfte Baustadtrat Horst Porath (SPD) am Sonntag. "Die Love Parade muss raus aus dem Großen Tiergarten", forderte er. Berlins Wirtschaftssenator Wolfgang Branoner (CDU) sagte dagegen, durch die Parade sei der Stadt eine zusätzliche Kaufkraft von bis zu 250 Millionen Mark entstanden. Alternativstrecken seien geprüft und vor allem aus Sicherheitsgründen abgelehnt worden.
Porath forderte den Berliner Senat auf, die Love Parade künftig nicht wie bisher als politische Demonstration, sondern als kommerzielle Veranstaltung einzustufen. Dann müsste der Veranstalter auch für die Müllbeseitigung aufkommen. In diesem Jahr übernimmt ein Cateringunternehmen, das die Techno-Fans mit Getränken versorgte, die Kosten für die Reinigung des größten innerstädtischen Parks Berlins. Die Reinigung der Straßen bezahlt die Stadt.
Traditionell reichlich bemessen: Müll nach der Loveparade
Durch einen Messerstich wurde ein Raver am Rande der Parade lebensgefährlich verletzt. Vier Verdächtige wurden am Sonntag festgenommen. Schon am Vorabend kam bei der Anreise zu einer "Warm-Up-Party" ein 20-Jähriger aus dem brandenburgischen Blankenfelde beim S-Bahn-Surfen ums Leben.
Die Gesamtbilanz der Veranstalter fiel aber positiv aus. "Es war ein ganz großartiger Tag, ich bin sehr zufrieden", sagte Parade- Macher Ralf Regitz am Sonntag. Rund 1,3 Millionen Menschen hätten einen ganzen Tag lang in friedlicher Atmosphäre ausgelassen gefeiert.
Die Polizei sprach von rund einer Million Teilnehmern. Zum Rückgang der Zahl im Vergleich zum Vorjahr, als mehr als 1,5 Millionen Techno- Jünger in den Tiergarten strömten, meinte Regitz, dies signalisiere keinen Trend. "Ich bin als Veranstalter glücklich, dass sich die Teilnehmerzahl nicht verdoppelt hat." Andernfalls müsse Berlin befürchten, von Ravern überrannt zu werden.
Bis tief in die Nacht feierten die Technofans an der Siegessäule. Love Parade-Gründer DJ Dr. Motte rief seinen Jüngern bei der Abschlusskundgebung nur zwei Sätze zu: "Back to the roots. Unsere Welt ist Klang." Danach räumte er die Bühne für die Musik.
Auch Polizei, Bundesgrenzschutz und Sanitätsdienste zogen am Sonntag überwiegend eine positive Bilanz: Die Polizei nahm 200 Menschen fest, in der Hälfte der Fälle wegen Drogendelikten.
811 Ärzte und Sanitäter leisteten 2332 Mal Hilfe und hatten damit ein Drittel weniger Einsätze als im Vorjahr. Nach Angaben des Malteser-Hilfsdienstes hat der Drogen- und Alkoholmissbrauch dieses Jahr jedoch in erschreckendem Maße zugenommen.
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