16. Juli 2001, 17:22 Uhr

Lifestyle

Badewanne mit Aussicht

Von Russel Njiken Kemwa

Bisher gab es das in New York oder Hongkong. Jetzt offeriert auch Frankfurt am Main Luxuswohnungen im Hochhaus - Rundum-Service durch Dienstboten inklusive.

Frankfurt am Main - Rushhour in Frankfurt. Statt sich durch den Stau nach Hause zu quälen, steigt der gestresste Yuppie einfach in den Fahrstuhl. Zehn Stockwerke höher steht er vor seinem Zuhause. So stellt sich Michael Zager, 36, die neue Wohlfühlwelt für Banker oder Broker vor: ein Wolkenkratzer im kalten Herzen einer Bankencity als behütetes Heim. Das Frankfurter Eurotheum, das Zager managt, kommt diesem Hochglanzideal nahe.

Seit kurzem bietet der 110 Meter hohe Stahl- und Glasturm Büros und Wohnungen unter einem Dach. In den ersten 21 Etagen werkeln einige Abteilungen der Europäischen Zentralbank; direkt darüber beginnt das chromglänzende, marmorgekachelte Reich der "Innside Residence Eurotheum". Luxusappartements in zentraler Lage, deren Bewohner eine Rundum-Versorgung durch Dienstboten und Doorman nach amerikanischem Vorbild genießen, erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Die Kunden sind vielfach Mitarbeiter von Großbanken, internationalen Anwaltskanzleien oder Industriekonzernen, die nur für einige Monate in einer Stadt leben und arbeiten. Aber auch immer mehr wohlhabende Privatleute finden es schick, sich in einem betont international gestylten Ambiente einzunisten.

Das im Juni 2000 eröffnete Sony Center am Potsdamer Platz in Berlin bevölkern seit Anfang des Jahres auch die ersten Bewohner der "Esplanade Residence". Die 134 Appartements werden hier wahlweise als Miet- oder Kaufobjekte angeboten. "Zu unseren Kunden zählen neben Geschäftsleuten auch Bürger aus dem Berliner Umland, die mal mittendrin wohnen wollen", so Sony-Sprecherin Karin Püttmann. Für den heftigen Quadratmeterpreis von rund 10.000 Mark für die Kaufwohnungen oder 38 Mark im Monat für die Mietquartiere offeriert die "Esplanade Residence" reichlich Service - Reinigungs- oder Chauffeurdienste stehen allzeit zur Verfügung.

Im Frankfurter Eurotheum kommt zur Ausstattung der Ausblick auf die Skyline, der sonst nur den Büromenschen in den Wolkenkratzern vergönnt ist. So steht in den Suiten vom Typ "Romance" die Badewanne direkt am Panoramafenster, auf dass der Bewohner beim Planschen das bunte Treiben auf dem Opernplatz verfolgen kann.

7500 bis 16.000 Mark Monatsmiete

Solche Erhabenheit hat ihren Preis: Zwischen 7500 Mark und 16.200 Mark muss der Kunde hier pro Monat überweisen. Den Alltag organisiert der Doorman, der sich nicht nur um den Schutz, sondern auch um die Schmutzwäsche kümmert und auf Wunsch stets den Kühlschrank auffüllt.

Das Konzept Luxusappartements mit Ausblick in zentraler Lage macht Schule. So sollen noch in diesem Jahr in Frankfurt mit dem "Skylight" und dem "Main Plaza" zwei weitere Wohnhochhäuser ihre Pforten öffnen. Im Gegensatz zum Eurotheum bietet das "Skylight" ausschließlich Eigentumswohnungen an - zu Quadratmeterpreisen von fast 8000 Mark. Manager Rainer Ballwanz findet das angemessen: "Die Deutschen meckern oft über die Servicewüste Deutschland, aber wenn der Service dann da ist, will das erst einmal keiner bezahlen."

Nach Angaben von Ballwanz ist die Resonanz trotz der stattlichen Preise sehr ordentlich. 80 Prozent der "Skylight"-Appartements seien bereits verkauft. Zu den Erwerbern zählen Geschäftsleute, die es für eine Zeitspanne von mehreren Jahren nach Frankfurt verschlägt. So wie das Münchener Architektenehepaar, das aus beruflichen Gründen für fünf bis zehn Jahre an den Main umsiedeln will. "Wir dachten uns, wenn schon Frankfurt, dann in die Innenstadt mit der Skyline und dem Feeling", erklärt die Frau ihre Entscheidung, eine Wohnung im "Skylight" zu kaufen. Sie verbindet damit die Hoffnung, wieder "mitten im Leben" zu sein: "Früher wohnten wir mit den Kindern auf dem Land. Nun, wo die ausgezogen sind, zieht es uns wieder in die Stadt."

Die Frankfurter Städtebauer freuen sich über den neuen Trend. Martin Neitzke, städtischer Projektplaner für das Bankenviertel, sieht in den Appartement-Türmen eine neue Form der Werkswohnungen: "Die Arbeitgeber sind zunehmend daran interessiert, für ihre Belegschaft auch die Wohnflächen bereitzustellen", sagt Neitzke. Der Planer ist zuversichtlich, dass die wohlhabenden Innenstadt-Residenten auch das urbane Treiben der City beleben - und dadurch dem Image der ganzen Stadt aufhelfen.


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