In der Wohnung über der Apotheke wurden Spuren des Giftstoffs gefunden
London - Wie viel des todbringenden Giftstoffs Rizin in dem beschaulich wirkenden Haus im nördlichen Londoner Stadtteil Green Wood hergestellt wurde, ist bislang noch völlig offen. Derzeit suchen die Ermittler nach möglichen weiteren Verstecken in der britischen Hauptstadt.
Die sechs Männer, die bereits am Sonntag nach einer Razzia festgenommen wurden, werden von Scotland-Yard-Mitarbeitern verhört. Nach einem Bericht der BBC soll es sich bei den Verdächtigen um Algerier handeln. Sie sollen in dem Wohnhaus ein Labor betrieben haben, in dem Spuren des Zellgiftes gefunden wurden. Die verdächtigen Nordafrikaner seien durch einen Hinweis aufgeflogen, berichtet die BBC. Bei der Razzia sei auch Ausrüstung gefunden worden, um das Mittel zu produzieren.
Ob die Männer mit dem Mittel einen Anschlag planten, ist ungewiss. Unklar ist auch, ob sie eine Verbindung zu Terrorgruppen haben. Bislang wurde der Stoff nicht als biologisches Kampfmittel verwendet, sagte der Biologe Richard Sullivan dem britischen TV-Sender "Sky Television".
Sicherheitskräfte sperren das Haus ab, das in einer Einkaufsstraße im nördlichen London liegt
In Tierversuchen sollen die Bin-Laden-Anhänger ihre Biowaffen getestet haben. Der Nachrichtensender CNN strahlte im August 2002 ein Video aus, das aus Afghanistan stammen soll. Auf dem Band war zu sehen, wie drei Hunde durch den Einsatz von Giftgas getötet wurden. Zunächst schwankten die Tiere, dann konnten sie ihre Bewegungen nicht mehr kontrollieren, schließlich verendeten sie in Muskelkrämpfen. Den Angaben zufolge soll bei diesen Versuchen neben Zyanid auch Rizin eingesetzt worden sein.
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Die Spuren des Gifts sollen bis in den Irak führen. In einem Bericht von CIA-Direktor George Tenet an den US-Kongress heißt es, eine Gruppe im Nordirak mit Verbindungen zu al-Qaida scheine mit dem Gift Rizin experimentiert zu haben. Auch von Milzbranderregern ist die Rede.
Rizin ist ein Eiweiß aus dem Samen der Rizinuspflanze. Es ist Experten zufolge leicht herzustellen und zu lagern. Rizin, für das es kein bekanntes Gegenmittel gibt, gilt als hochgradig giftig. Bereits eine geringe Menge kann tödlich sei, wenn der Stoff über die Nahrung eingenommen oder eingeatmet wird. Es verursacht Grippe ähnliche Symptome, die nach einigen Tagen zum Tod führen.
Einige Mitarbeiter in Sicherheitsbehörden in Europa gehen laut "FinancialTimes" davon aus, dass die britische Regierung den Vorfall herunterspielt, um Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. "Es gibt nach wie vor eine sehr ernste Bedrohung durch Chemikalien, die bisher nicht gefunden wurden, in der Hand von Leuten, die bisher nicht bekannt sind", warnte ein Beamter einer Sicherheitsbehörde.
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