09. Januar 2003, 11:35 Uhr

Biowaffenfund in London

Die Bin-Laden-Connection der Rizin-Zelle

Die Nordafrikaner, die in London im Zusammenhang mit den Rizin-Funden festgenommen wurden, könnten tatsächlich zur al-Qaida gehören, vermuten Experten. Kontakte zur britischen Zelle, die unter anderem auch jene mutmaßlichen Terroristen ausbildete, die einen Anschlag auf den Straßburger Weihnachtsmarkt planten und jetzt in Frankfurt vor Gericht stehen, seien möglich.

Polizisten sichern das Wohnhaus ab, in dem Rizin-Spuren gefunden wurden
AP

Polizisten sichern das Wohnhaus ab, in dem Rizin-Spuren gefunden wurden

London - Noch suchen die britischen Behörden nach weiteren Verdächtigen - und nach möglichen weiteren Verstecken des hochgiftigen Stoffs Rizin. Am Dienstag war ein siebter Mann festgenommen worden, doch von dem Zellgift, das die Männer in einer Wohnung im Londoner Stadtteil Green Wood hergestellt haben sollen, wurden nur geringe Spuren entdeckt. Es könnte daher durchaus sein, dass weitere Personen in den Fall verstrickt und mit größeren Mengen des Stoffs untergetaucht seien, berichtete der Onlinedienst der BBC.

Dass das Gift für einen Massenanschlag geplant war, halten die Experten für unwahrscheinlich. Dafür sei der Stoff ungeeignet. Doch auch durch einzelne mysteriöse Todesfälle kann in der Bevölkerung Panik geschürt werden - was zuletzt die Anthrax-Briefe in den USA zeigten.

Ermittler am Tatort: Kontakte zu Bin Ladens Netzwerk?
REUTERS

Ermittler am Tatort: Kontakte zu Bin Ladens Netzwerk?

Ob die festgenommenen Nordafrikaner tatsächlich Kontakt zum Terrornetzwerk Osama Bin Ladens hatten, ist noch nicht bestätigt. Sicherheitsexperten seien dabei, mögliche Verbindungen zu überprüfen. Ermittlungsbehörden schließen laut "Los Angeles Times" nicht aus, dass die Männer Teil einer Londoner Zelle seien - oder zumindest zu Bin Ladens Anhängern Kontakt hatten. Dafür spreche unter anderen, dass die Wohnung, in der das Rizin-Labor am Sonntag entdeckt wurde, in direkter Nachbarschaft zu einem Appartement lag, das der mutmaßliche al-Qaida-Mann Mustafa Labsi bewohnte.

Labsi gehörte den Angaben zufolge zur Londoner Zelle, die vorrangig von zwei Männern geprägt wurde: Abou Qatada, einem palästinensischen Prediger, der als Bin Ladens "Botschafter" in Europa galt. Und Abu Doha, der "Doktor", der für die Rekrutierung neuer Krieger in Europa zuständig gewesen sein und selbst ein Terrorcamp in Afghanistan geleitet haben soll.

Die beiden Männer sollen maßgeblich an der Ausbildung der Männer beteiligt gewesen sein, die später als die "Frankfurter Gruppe" bekannt wurde. Die Männer sollen einen Anschlag in Straßburg geplant haben, sie wurden jedoch vor der Tat am 26. Dezember 2000 festgenommen. Welches Ziel dieser Terrorakt haben sollte, ist umstritten. Zunächst gingen die Fahnder davon aus, dass die mutmaßlichen Terroristen den Weihnachtsmarkt im Visier hatten - als Indiz dafür galt ein Video aus dem Besitz der Männer, das verwackelte Bilder der Touristenattraktion zeigte. Im Prozess sagten Mitglieder der Gruppe später aus, Ziel sei die Straßburger Synagoge gewesen.


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