San Francisco - Beobachter werten das Urteil des kalifornischen Bundesrichters Charles Breyer als herbe Niederlage der US-Regierung, die auf strikte Drogengesetze pocht. Neben der Gefängnisstrafe muss Ed Rosenthal eine Geldstrafe von 1000 Dollar zahlen und steht für drei Jahre unter Bewährung.
In den USA ist der 58-Jährige kein Unbekannter. Seit vielen Jahren kämpft der Cannabis-Experte für eine Legalisierung der Droge zu medizinischen Zwecken. Im Gegensatz zu den Anhängern Rosenthals sah er selbst das Urteil nicht als Bahn brechenden Erfolg. Gegenüber der amerikanischen Organisation Green Aid, die für die Legalisierung von Marihuana für Schwerkranke kämpft, sagte Rosenthal: "Niemand sollte ins Gefängnis gehen, weil er Patienten hilft, ihre Medizin zu bekommen - auch nicht für einen Tag."
Nach eigenen Angaben habe der Marihuana-Experte die Pflanzen im Auftrag der kalifornischen Stadt Oakland angebaut. Trotzdem war Rosenthal im Januar von einer Jury deswegen schuldig gesprochen worden.
Laut "San Francisco Chronicle" hatte Richter Breyer untersagt, die Geschworenen während des Prozesses über die medizinische Bedeutung von Hanfpflanzen aufzuklären. Wären sie darüber informiert gewesen, so gaben einige Geschworene nach dem Prozess an, hätten sie Rosenthal freigesprochen.
Für Rosenthals Anwalt kommt das milde Urteil von Bundesrichter Charles Breyer der öffentlichen Forderung nach Legalisierung der Droge entgegen. "Die Mehrheit der Amerikaner sind der Meinung, dass Patienten Zugang zu der Medizin haben sollten, die sich brauchen."
Zwar ist die Marihuana-Behandlung nach Bundesrecht strafbar. Einige Staaten der USA erlauben die Droge jedoch zur Schmerzlinderung bei Krebspatienten oder um bei Aidskranken den Appetit anzuregen.
Es ist erwiesen, dass Cannabis rund 60 Substanzen enthält, die als wirksame Bestandteile von Medikamenten gelten. Die bekannteste ist Tetrahydrocannabinol, kurz THC. Auch in der Berliner Charité werden seit einiger Zeit Krebspatienten versuchsweise mit Haschisch-Tabletten behandelt, wie die Rheinische Post berichtete. Cannabis könnte ebenso bei epileptischen Anfällen, Migräne oder Multipler Sklerose eingesetzt werden.
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