Gemüsestand: Paprika
Berlin - Die Bundesländer seien angewiesen worden, ihre Kontrollen drastisch zu verschärfen, sagte ein Sprecher des Verbraucherministeriums am Wochenende. Gefährdet seien in erster Linie Kinder und Schwangere.
Die Lebensmitteluntersuchungsämter in Baden-Württemberg hätten bei Gemüsepaprika eine Überschreitung der zulässigen Höchstbelastung mit Pestiziden um 79 Prozent festgestellt, hieß es. Bei Erdbeeren aus Spanien und Marokko sei der Grenzwert für Rückstände von Pflanzenschutzmitteln um durchschnittlich 9,8 Prozent überschritten worden. Für Gemüsepaprika aus der Türkei habe das Ministerium die Länder schriftlich angewiesen, lückenlos alle Importe auf Pestizidbelastung zu überprüfen.
Zuvor hatte bereits die Umweltschutzorganisation Greenpeace in praktisch allen Proben von Trauben giftige Spritzmittel gefunden. Rund ein Viertel der Trauben in den großen Supermarktketten erreicht oder überschreitet nach den Untersuchungen die Grenzwerte für Pestizid-Rückstände. Unter den in Trauben gefundenen Pestiziden seien die möglicherweise Krebs erregenden Stoffe Dimethoat und Ethofenprox, zudem Chlorpyriphos und Fenitrothion gewesen, die vermutlich schon in kleinsten Mengen hormonell wirksam sind und die Fortpflanzung stören können.
In der Vergangenheit hätten scharfe staatliche Kontrollen zu einer deutlichen Reduzierung der Pestizidbelastung von Lebensmitteln geführt. "Wir hatten das Problem mit Paprika aus der Türkei schon einmal. Als wir die gesamten Paprika-Importe von dort kontrollierten, lieferten die Türken plötzlich viel gesündere Ware", wird der Parlamentarische Staatssekretär im Verbraucherministerium, Matthias Berninger, zitiert. Danach seien die Kontrollen aus Kostengründen wieder eingeschränkt worden - mit den jetzt bekannt gewordenen Folgen.
Berninger wies darauf hin, Verbraucherschutz sei nicht allein Aufgabe des Staates. "Auch die Unternehmen müssen weitaus mehr als bisher in die Lebensmittelsicherheit investieren", forderte er. In Großbritannien beispielsweise lege der Handel größten Wert auf gesundheitlich einwandfreie Produkte. Unter anderem aus diesem Grund seien die Lebensmittel dort teurer als in Deutschland, wo häufig nur das Billigste gekauft werde.
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