Adolf Hitler (1923)
Hamburg - Zugespielt wurde das einzigartige Schriftstück dem Münchner Verleger Fritz R. Glunk, der Auszüge davon in der am kommenden Montag erscheinenden Ausgabe der politischen Kulturzeitschrift "Die Gazette" veröffentlicht. Es ist Teil eines Konvoluts von insgesamt 50 Blatt, welches nach Einschätzung des NS-Experten Volker Dahm vom Münchner Institut für Zeitgeschichte (IfZ), der die Kopien geprüft hat, wohl aus dem Hauptarchiv der NSDAP stammt. Bisher war von der Gründungsurkunde nur eine Maschinenabschrift bekannt.
Die ursprünglich Anfang 1920 von Hitler aus der "Deutschen Arbeiterpartei" geformte NSDAP war nach dem gescheiterten Hitler-Ludendorff-Putsch vom November 1923 verboten, ihr "Führer" Hitler zu fünf Jahren Festungshaft verurteilt worden. Nach seiner vorzeitigen Entlassung im Dezember 1924 hatte Hitler Ende Februar 1925 vor jubelnden Gefolgsleuten im Münchner Bürgerbräukeller die "Neugründung" der NSDAP verkündet. Diese erfolgte offiziell jedoch erst mit der Gründung eines Trägervereins am 21. August 1925 und der Eintragung des "Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiter-Vereins" in das Vereinsregister einige Wochen später.
Gründungsprotokoll vom 21. August 1925 mit Hitler-Unterschrift
Die in penibler Handschrift beschriebenen Blätter waren nach Einschätzung des IfZ Teil eines überformatigen Heftes, bei dem es sich um eine Art Tagebuch der NSDAP-Ortsgruppe München gehandelt haben dürfte. Darin wurden etwa Sitzungen der örtlichen "Sektionsführer" protokolliert; Hitlers Teilnahme ist durch mehrere eigenhändige Unterschriften belegt. Der Zeitraum der Aufzeichnungen liegt zwischen Juli 1925 und September 1928.
Enthalten sind auch Mitschriften bisher unbekannter Parteitags-Reden von prominenten Nazis auf dem "1. Reichsparteitag" der NSDAP Anfang Juli 1926 in Weimar, darunter von Hitlers Propaganda-Beauftragtem Joseph Goebbels ("Terror wird nicht mit 'sachlichen' Auseinandersetzungen, sondern nur mit Gegenterror überwunden") und dem NS-Chefideologen Alfred Rosenberg ("Wenn eine Lebenswelle entsteht, so wird sie zuerst entzündet durch das Wort eines gottbegnadeten Führers").
Eine mit Maschine geschriebene englische Übersetzung des "Gründungsprotokolls", die den Papieren beigelegt wurde, deutet darauf hin, dass die Dokumente bei Kriegsende den Amerikanern in die Hände fielen und im "Central Collecting Point Munich" ausgewertet wurden. Die Originale sind im Besitz einer Amerikanerin, deren verstorbener Vater sie angeblich während seiner Zeit als US-Besatzungssoldat "erhalten" habe.
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