Stuttgart - In elf von 16 Mineralfuttermittelproben sowie einer Mischfuttermittelprobe seien Dioxinbelastungen zwischen 1,5 und 39 Billionstel Gramm pro Gramm Futtermittel gemessen worden. Das teilte das Landwirtschaftsministerium am Donnerstag in Stuttgart mit. Die Belastung sei durch die Verwendung von Kaolinit-Ton aus Rheinland-Pfalz entstanden, wo Dioxinwerte von bis zu 501 Billionstel Gramm gemessen worden seien. Selbst dieser Höchstwert in dem Kaolinit-Ton - einem Zusatzstoff für Futtermittel - sei nach Einschätzung der Behörden aber nicht gefährlich für die menschliche Gesundheit.
In Baden-Württemberg hätten drei Futtermittel-Betriebe das Kaolinit bezogen, das als Bindemittel und Fließhilfsstoff im Futtermittel diene, erklärte das Ministerium. Die Firmen hätten sich freiwillig bereiterklärt, das vorhandene Kaolinit nicht mehr weiterzuverarbeiten und das mit Kaolinit bereits hergestellte Futtermittel nicht in den Verkauf zu bringen. Zudem nähmen die Betriebe bereits ausgelieferte Ware von den Abnehmern wieder zurück. Die Ursache für die Dioxinbelastung des Kaolinit-Tons aus Rheinland-Pfalz war nach Angaben des Ministeriums zunächst unklar.
Bei Tieren, die mit dem verseuchten Futter gefüttert worden sind, wurden ebenfalls erhöhte Dioxinwerte gemessen. Nach Angaben des Stuttgarter Ministeriums wurden im Fleisch von Zuchtputen eines Betriebes bis zu 30,6 Pikogramm Dioxin pro Gramm Fett gemessen. Ein Behördensprecher betonte aber, daß es sich bei den betroffenen Tieren um Legeputen gehandelt habe, die erster Linie nicht für den Verzehr gehalten würden. Über den betroffenen Betrieb sei vorsorglich dennoch ein Schlachtverbot verhängt worden. Ob und in welchem Umfang weitere Betriebe betroffen sind, ist noch unklar. Die Ermittlungen der Landesbehörden dauern an.
Nach Auskunft des Bundeslandwirtschaftsministeriums ist trotz der erhöhten Dioxinwerte bislang keine bundesweite Rückrufaktion für Futtermittel mit Kaolinit-Ton geplant. Landwirten, die über die von ihnen verwendeten Futtermittel aber im Zweifel seien, werde empfohlen, sich an die jeweiligen Hersteller zu wenden. Das rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerium hatte am Mittwoch den Verkauf von Kaolinit-Ton aus zwei weiteren Tongruben wegen erhöhter Dioxinwerte gestoppt.
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