15. September 2004, 19:43 Uhr

Hurrikan "Ivan"

New Orleans hält 10.000 Leichensäcke bereit

Der Monsterhurrikan "Ivan" schiebt sich unaufhaltsam auf die Südküste der USA zu. New Orleans könnte es besonders schwer treffen - Experten befürchten eine fünf Meter hohe Flutwelle. Im schlimmsten Fall könnte es Zehntausende Tote geben, warnte ein Beamter der Katastrophenschutzbehörde.

Anwohner in Navarre Beach im Nordwesten Floridas: "Ivan" schickt seine Vorboten
AP

Anwohner in Navarre Beach im Nordwesten Floridas: "Ivan" schickt seine Vorboten

New Orleans - Nach den neuesten Prognosen wird das Auge des enormen Wirbelsturms nicht direkt über New Orleans ziehen. Nach den jüngsten Berechnungen liegt die Ortschaft Mobile - etwa 200 Kilometer östlich der Mississippi-Metropole - auf Kurs des Monsterhurrikans. Voraussichtlich wird "Ivan" mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 260 Stundenkilometern morgen früh (Ortszeit) an Land brechen. Doch ob "Ivan" seine derzeitige Route beibehält, ist unklar. New Orleans Bürgermeister Ray Nagin sagte: "Es gibt Grund zur Erleichterung, aber wir sind noch nicht aus dem Schneider". Kathleen Blanco, die Gouverneurin des Bundesstaates Louisiana sagte: "Wenn der Hurrikan weiter nach Westen zieht, werden wir einen herben Schlag hinnehmen müssen". Im Großraum der Stadt leben rund eine Million Menschen.

Die Behörden scheinen sich auf den schlimmsten Fall vorzubereiten: Laut "Washington Post" werden in New Orleans 10.000 Leichensäcke bereitgehalten. Ein Beamter der Katastrophenschutzbehörde sagte dem Blatt, wenn ein Hurrikan der Stärke 4 New Orleans direkt träfe, könnten bis zu 50.000 Menschen ums Leben kommen. Bürgermeister Nagin wollte diese Angaben nicht bestätigen. Er räumte aber ein, dass eine Flucht für mindestens 100.000 Menschen schwierig werden könnte, weil sie kein Auto besitzen. Die Menschen, die nicht fliehen können, sind aufgerufen wegen der Hochwassergefahr, höher gelegene Gebäude aufzusuchen. Notunterkünfte wurden in der Stadt noch keine eingerichtet. Der Internationale Flughafen von New Orleans ist bereits seit gestern geschlossen.

Nach Angaben des Hurrikan-Zentrums in Miami werden selbst in 160 Kilometern Entfernung Windgeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern in der Stunde erwartet. Besonders gefährdet ist New Orleans auch, weil es weitgehend unter dem Meeresspiegel liegt. Eine Flutwelle könnte immensen Schaden anrichten - und im schlimmsten Fall etliche Menschenleben kosten. Meteorologen erwarten an der Küste bis zu fünf Meter hohe Flutwellen. New Orleans könnte wochenlang unter Wasser stehen, fürchten Experten. Die Stadt würde dann von Abwässern und Chemikalien überschwemmt.

Am gesamten 500 Kilometer langen Küstenstreifen von Louisiana bis Florida haben die Behörden zwei Millionen Menschen zur Flucht aufgefordert. Hunderttausende Einwohner New Orleans' haben ihre Häuser inzwischen verlassen und suchen im Landesinneren Schutz vor der Naturgewalt. Im Bundesstaat Alabama ordnete Gouverneur Bob Riley die Evakuierung der Seebäder an. Die Gouverneurin von Louisiana setzte die Nationalgarde in Alarmbereitschaft.

Der Hurrikan wütet seit mehr als einer Woche in der Karibik und hat dort mehr als 60 Menschenleben gefordert und schwere Verwüstungen angerichtet. Jamaika und Grenada waren besonders betroffen. Auch auf Kuba wurden zahlreiche Bäume entwurzelt und Straßen überflutet.


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