27. Mai 2006, 17:51 Uhr

Indonesien

Tausende sterben bei Erdbeben auf Java

Ein schweres Erdbeben hat am Samstagmorgen die indonesische Insel Java erschüttert. Stunde um Stunde steigen die Opferzahlen: Bei den Erdstößen südlich der bei Touristen beliebten Stadt Yogyakarta sind jüngsten Angaben zufolge mehr als 3500 Menschen getötet und mehr als 3400 verletzt worden.

Yogyakarta - Knapp eineinhalb Jahre nach der Tsunami-Katastrophe hat ein verheerendes Erdbeben auf der indonesischen Insel Java mindestens 3500 Menschen das Leben gekostet. Die Behörden gingen von einem weiteren Anstieg der Opferzahl aus. Mehr als 3400 Menschen wurden verletzt. Das Rote Kreuz befürchtet mehr als 200.000 Obdachlose. Die EU stellte eine Nothilfe von rund drei Millionen Euro in Aussicht. Deutschland bot praktische Hilfe an.

Es ist die schwerste Naturkatastrophe in Indonesien seit dem Tsunami am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2004. Das Beben der Stärke 6,2 ereignete sich am Samstagmorgen um 5.54 Uhr Ortszeit, als viele Menschen schliefen. Bis zum Abend zählte das Indonesische Rote Kreuz 3505 Tote.

Das Auswärtige Amt in Berlin erklärte, die deutsche Botschaft in Jakarta stehe in Kontakt mit den Behörden. Bislang gebe es keine Hinweise darauf, dass Deutsche betroffen seien. Der italienische Botschafter in Jakarta, Francesco Maria Greco, sagte, offenbar seien keine Ausländer unter den Opfern.

Ein Sprecher des Indonesischen Roten Kreuzes berichtete, dass immer neue Tote gemeldet würden. Zerstörte Straßen und Brücken behinderten die Rettungsarbeiten und den Transport Verletzer in Krankenhäuser. Auch deshalb wurde mit weiteren Toten gerechnet. "Bitte, sagt der Regierung in Jakarta, dass wir dringend Hilfe brauchen", lautete der Notruf aus dem Muhammadijah-Krankenhaus in der zentralen Stadt Bantul. "Es gibt hier viele Tote, und die Häuser wurden dem Erdboden gleich gemacht. Viele Menschen müssen evakuiert werden." Präsident Susilo Bambang Yodhoyono sandte Soldaten ins Katastrophengebiet, um bei den Rettungsarbeiten zu helfen. Am Nachmittag traf er zusammen mit mehreren Ministern auf Java ein.

Die Notaufnahmen der Krankenhäuser waren völlig überlastet. Hunderte Verletzte lagen auf Plastikplanen, Strohmatten und Zeitungen im Freien.

Das Zentrum des Erdbebens lag unweit der Stadt Yogyakarta in der südlichen Mitte der Insel Java. In dieser Gegend liegt auch der Vulkan Merapi, der schon seit Wochen verstärkte Aktivität aufweist. Kurz nach dem Erdstoß schleuderte er eine Wolke aus heißen Gasen und Asche rund dreieinhalb Kilometer in die Luft. Das Beben könne noch zu einer stärkeren Eruption des Vulkans führen, warnte das Ministerium für Energie und Bergbau. Beim letzten Ausbruch des Merapi 1994 kamen 60 Menschen ums Leben.

Das Chaos wurde verstärkt von Gerüchten, dass möglicherweise ein Tsunami bevorstehe. Obwohl keine Warnung erteilt wurde, flohen Tausende Menschen an höher gelegene Orte. Die Erdstöße beschädigten nach Angaben der Regierung auch die Landebahn des Flughafens von Yogyakarta, der vorerst geschlossen wurde. Ferner brach in der Region die Stromversorgung zusammen, und die meisten Telefonnetze fielen aus.

Kondolenzschreiben von Merkel und Köhler

Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Horst Köhler sprachen den Betroffenen in Schreiben an den indonesischen Präsidenten ihr Beileid aus. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier erklärte in einem Kondolenzschreiben an seinen indonesischen Kollegen Hassan Wirajuda: "Bitte lassen Sie uns wissen, wenn wir Ihrem Land mit praktischer Hilfe beistehen können." Auch Papst Benedikt XVI. sprach den Angehörigen der Erdbebenopfer sein Mitgefühl aus und ermutigte die Rettungskräfte in ihren Bemühungen, ebenso wie der EU-Außenbeauftragte Javier Solana.

cai/ap/AFP


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