01. Oktober 2006, 10:41 Uhr

Video-Premiere

Der letzte Wille von Mohammed Atta

Es ist ein gruseliges Dokument aus der Vergangenheit: Zwei Schlüsselfiguren des 11. September, die Terror-Piloten Mohammed Atta und Ziad Jarrah, tauchen zusammen in einem Video auf. Sie lachen, scherzen - und lesen ihr Testament vor.

Berlin - Es ist eine Premiere. Zwei Männer sitzen nebeneinander. Der eine trägt westliche Klamotten: schwarze Hosen und einen dunkelbraunen Pulli mit Zickzack-Muster. Der andere trägt eine weiße arabische Robe. Sie lachen, wirken entspannt. Sie spielen mit einem Papier, auf dem in arabischen Schriftzeichen "Testament" steht.

Attas Werk: Das World Trade Center kollabiert am 11. September 2001
DPA

Attas Werk: Das World Trade Center kollabiert am 11. September 2001

Es sind Mohammed Atta und Ziad Jarrah. Der eine flog am 11. September 2001 das Flugzeug in den Nordturm des World Trade Center in New York. Der andere saß am Steuer der Maschine, die in Pennsylvania abstürzte, bevor sie das Kapitol erreichte. Es ist das erste Mal, dass die beiden zusammen zu sehen sind.

Sechseinhalb Jahre ist das Video alt, das heute von der britischen "Sunday Times" im Internet veröffentlicht wurde. Seit heute mittag ist es auf der Website zu sehen. Aufgenommen wurde es im Januar 2000 in Afghanistan im damaligen Camp von Osama Bin Laden. Es ist eine Stunde lang. Es hat keinen Ton, und laut "Times" haben auch Lippenleser nicht entziffern können, was die beiden sagen. Anonyme Quellen aus den USA und von Al-Qaida haben die Echtheit des Videos bestätigt.

Rund 20 Monate vor den Anschlägen verlesen Atta und Jarrah laut "Times" ihr Testament. Atta liest zehn Minuten, Jarrah sieben Minuten. Sie sind ernst dabei. Neben Atta steht eine AK-47. Unklar ist, ob es sich um das gleiche Testament handelt, welches Atta in schriftlicher Form hinterlassen hat und welches gleich nach den Anschlägen gefunden worden war.

Interessant ist das Video laut "Times" für Terrorforscher, weil es den bisher ungeklärten Aufenthaltsort Attas im Januar 2000 aufdeckt. Im akribisch nachgezeichneten Leben des 9-11-Anführers fehlte dieses Puzzleteil noch. Atta war von November 1999 bis Februar 2000 aus Hamburg verschwunden. Bisher wurde nur vermutet, dass er in Afghanistan war. Jetzt gibt es den Beweis.

Das Video beginnt mit Aufnahmen vom Gelände der Tarnak Farm, einem Komplex von 80 Gebäuden in der Nähe von Kandahar, in dem Osama bin Laden damals mit Familienclan und Anhängern lebte. Hundert "Hardcore-Mitglieder von Al-Qaida" ("Times") sitzen herum und warten. Ein großer Mann erscheint, umgeben von drei Bodyguards: Osama bin Laden. Er hält eine Ansprache, vermutlich zum Ende des Fastenmonats Ramadan. Darauf weist das im Video eingeblendete Datum hin. Es ist der 8. Januar 2000. Zehn Tage später verlesen Atta und Jarrah ihr Testament.

"Die Bedeutung eines einzelnen Fotos eines Piloten vom 11. September in Afghanistan könnte nicht überschätzt werden", schreibt der "Times"-Autor Yosri Fouda, im Hauptberuf investigativer Reporter beim Fernsehsender al-Dschasira. Nun habe man gleich tausende Fotos von den "beiden wichtigsten und rätselhaftesten Flugzeugentführern".

Jetzt könne auch der letzte Verschwörungstheroetiker nicht mehr behaupten, es gebe keinen Zusammenhang zwischen dem 11. September und Osama bin Laden, schreibt Fouda.

cvo/Sunday Times


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