Rangun - "Ausländische Diplomaten werden mit dem Hubschrauber in einige Regionen des Deltas gebracht", sagte ein Diplomat am Freitag in Rangun. Ein Sprecher der britischen Botschaft bestätigte die Information, machte dazu aber keine näheren Angaben.
Die Militärregierung in Burma steht weltweit massiv in der Kritik, weil sie internationale Helfer an der Versorgung der Sturmopfer hindert. Doch selbst die Junta muss nun zugestehen, dass die Opferzahlen viel höher sind als bislang verlautbart wurde: Durch den Wirbelsturm am 2. und 3. Mai sollen nach Angaben der burmesischen Behörden 78.000 Menschen ums Leben gekommen sein, knapp 56.000 würden noch vermisst.
Westliche Diplomaten und die Vereinten Nationen schätzen jedoch, dass mindestens 100.000 Menschen starben und bis zu zwei Millionen Menschen ihr gesamtes Hab und Gut verloren.
Unterdessen wurde bekannt, dass im Katastrophengebiet erste Cholera-Fälle aufgetreten sind. Das berichteten Mitarbeiter des Malteser Hilfsdienstes am Freitag aus der Küstenstadt Labutta im Irrawaddy-Delta. Cholera ist eine schwere lebensgefährliche Durchfallerkrankung, die von Bakterien verursacht wird. "Die Menschen konnten nur aus Brunnen trinken, in denen das Wasser durch die Flutwelle versalzen und stark verschmutzt ist", teilten die Helfer mit.
Über Fälle von Ruhr-Erkrankungen war bereits in den vergangenen Tagen berichtet worden.
Die Uno meldete derweil, dass die Hilfe für die Zyklonopfer noch immer viel zu langsam und spärlich ankommt. Die Regierung habe nur sechs Helikopter im Einsatz, um das Katastrophengebiet von der Größe Österreichs zu beliefern, sagte Steve Marshall, Sprecher des Uno-Büros in Burma, in Bangkok.
Das Kinderhilfswerk Unicef sorgt sich um die eine Million Kinder im Katastrophengebiet. Immer mehr litten neben Durchfall auch an Haut- und Atemwegserkrankungen. Die Helfer vor Ort arbeiteten mit Hochdruck daran, mehr Flüchtlinge vor den schweren Regenfällen in Sicherheit zu bringen. Nach Schätzung der Hilfsorganisationen sitzen noch Hunderttausende Menschen im Freien.
Auf den schlechten Straßen in das verwüstete Irrawaddy-Delta können nach Angaben von Marshall nur Sechs-Tonnen-Laster verkehren. Zusätzlich seien einige Boote im Einsatz. "Wir sind vor Ort und wir arbeiten, aber wir brauchen mehr Hilfe und mehr Unterstützung durch die Regierung", sagte er. Nach Angaben der Welthungerhilfe versuchen immer mehr Verzweifelte aus abgelegenen Ortschaften, auf der Suche nach Nahrungsmitteln mit Booten die größeren Städte zu erreichen.
Dringend werden Reissamen und Dünger benötigt, um die Versorgung der Bevölkerung für den Rest des Jahres sicherzustellen. Darauf hat die Welternährungsorganisation FAO aufmerksam gemacht. Die Bauern hätten ihre gesamten Vorräte aus der Ernte in März und April verloren, ebenso die Samen für die neue Aussaat, sagte FAO-Sprecher Diderik de Vleschauwer. "Es ist ein Wettlauf mit der Zeit", betonte er. Wenn die zerstörten Felder im Irrawaddy-Delta nicht rehabilitiert und der Reis bis Ende Juni gepflanzt werde, drohe schwerer Reismangel.
Nach Angaben der Hilfsorganisationen kommen die Spenden für die Zyklonopfer trotz der massiven Behinderung durch die Militärjunta bei den Betroffenen an. Angesichts der bevorstehenden Monsunregen rief die "Aktion Deutschland hilft" am Freitag in Berlin zu noch größerer Spendenbereitschaft auf. Bislang habe man 1,95 Millionen Euro Spenden erhalten. "Aber angesichts der Tatsache, dass so vielen Menschen geholfen werden muss, wird das nicht ausreichen", sagte Geschäftsführerin Manuela Roßbach.
jdl/dpa/AP/AFP
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