Geschäfte wirken lange vor Ladenschluss wie leergefegt. Autos sind beflaggt wie Staatskarossen, Menschen schwarz-rot-gelb bemalt. Überall sind Bier, Beamer und Großbildleinwand in Stellung gebracht.
Ohnmachtsseufzer, Triumphgeheul, Entsetzensschreie und Siegesgebrüll dringen durch offene Balkontüren. Hupkonzerte gellen durch die Nacht. Der Puls der gesamten Nation scheint zu rasen.
Es ist EM.
Fußballfans werden in Zehntausenden gemessen und von Wellen der Euphorie oder Trauer geschüttelt. Da geht schnell unter, was eigentlich den Einzelnen bewegt. Zumal meist spontan gepöbelt oder gejubelt wird.
Die Menschen, die der Hamburger Journalist Matias Boem für sein Projekt "Ballkontakt" befragte, haben erst nachgedacht, dann etwas gesagt - zum Thema Fußball.
"Die meisten meiner Gesprächspartner waren anfangs recht scheu", sagt Boem SPIEGEL ONLINE. "Manche fühlten sich inkompetent oder dachten, sie hätten gar keine Meinung. Doch im lockeren Gespräch stellte sich schnell heraus, dass jeder - egal ob begeistert, abgestoßen oder gelangweilt von Fußball - etwas zu erzählen hatte."
Boem sammelte die Assoziationen, Weisheiten und Analysen, destillierte einen Kernsatz heraus und übersetzte das Ganze in eine Bildidee.
Die Ausstellung "Ballkontakt" ist noch bis zum 16. Juli in der Galerie "Hobson’s Choice" in Hamburg zu sehen.
pad
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