12. Oktober 2008, 12:03 Uhr

Obduktionsbericht

Haider hatte keine Überlebenschance

Der österreichische Rechtspolitiker Jörg Haider hatte nach seinem Autounfall keine Überlebenschance. Er erlitt mehrere jeweils tödliche Verletzungen, ergab die Obduktion. Die Staatsanwaltschaft wartet nun auf Untersuchungsergebnisse des Unfallautos.

Wien - "Er hat keinerlei Überlebenschance gehabt", sagte der Leiter der Staatsanwaltschaft Klagenfurt, Gottfried Kranz. Bei Haider seien mehrere schwere Verletzungen festgestellt worden, von denen schon eine einzige zum sofortigen Tod geführt hätte. Haider sei auf der Stelle tot gewesen, heißt es in einem vorläufigen Obduktionsbericht.

Haider war in der Nacht zum Samstag mit seinem Dienstwagen im Süden von Klagenfurt von der Straße abgekommen und gegen einen Betonpfeiler geprallt. Der 58-jährige Landeshauptmann von Kärnten war auf dem Heimweg von einer Abendveranstaltung. Den ersten Erkenntnissen der Polizei zufolge fuhr Haider schneller als erlaubt.

Das Unfallauto, ein Phaeton V6 mit Allradantrieb, wurde bei dem Crash schwer beschädigt. So seien beim Eintreffen der Rettungskräfte beide Vordertüren herausgerissen gewesen, in der Windschutzscheibe habe ein großes Loch geklafft. Die Staatsanwaltschaft warte nun noch auf das Ergebnis der technischen Untersuchung des Autowracks, sagte Kranz.

Haider war eine der umstrittensten Persönlichkeiten der österreichischen Politik. 1999 war seine damalige Freiheitliche Partei Österreichs (FPÖ) aus den Parlamentswahlen als zweite Kraft hinter der konservativen ÖVP hervorgegangen und von ÖVP-Chef Wolfgang Schüssel in eine Regierungskoalition geholt worden.

Haider selbst war im Kabinett nicht vertreten, da er wegen seiner Äußerungen zum Nationalsozialismus als untragbar galt. So hatte er Konzentrationslager als "Straflager" bezeichnet und von einer "ordentlichen Beschäftigungspolitik" des Dritten Reichs gesprochen. Bei den Parlamentswahlen Ende September erzielte Haiders neue Partei, das nach einem Zerwürfnis mit der FPÖ gegründete Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ), einen Stimmenanteil von elf Prozent.

Lesen Sie in Teil 2 bis 7 - die umstrittenen Äußerungen von Jörg Haider:

"Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht."

"Im Dritten Reich haben sie ordentliche Beschäftigungspolitik gemacht, was nicht einmal Ihre Regierung in Wien zusammenbringt."

Nach dieser Entgleisung gegenüber der Wiener Bundesregierung schien Haiders politische Karriere zum ersten Mal am Ende. Als Landeshauptmann wird der promovierte Jurist abgelöst.

"Österreichische Nation eine Missgeburt"

"Das wissen sie so gut wie ich, dass die österreichische Nation eine Missgeburt gewesen ist, eine ideologische Missgeburt, denn die Volkszugehörigkeit ist die eine Sache und die Staatszugehörigkeit ist die andere Sache."

Mit dieser Aussage sorgte Haider 1988 für Aufregung.

Lob für SS-Veteranen

"Es ist gut, dass es in dieser Welt noch anständige Menschen gibt, die einen Charakter haben, die auch bei größtem Gegenwind zu ihrer Überzeugung stehen und ihrer Überzeugung bis heute treu geblieben sind."

Haider bei einer Gedenkveranstaltung vor Veteranen der Waffen-SS. Sein Vater war 1929 der Hitler-Jugend und später auch der SA beigetreten. Später kämpfte Haider senior als Leutnant in Russland und Frankreich. Seine Mutter Dorothea stieg in der NS-Hierarchie zur Bannjugendführerin auf.

Beleidigung des Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde

"Ich verstehe überhaupt nicht, wie einer, der Ariel heißt, so viel Dreck am Stecken haben kann."

Haider griff beim Rieder Aschermittwoch den Vorsitzenden der israelitischen Kultusgemeinde, Ariel Muzicant, an. Später entschuldigte er sich öffentlich bei den österreichischen Juden für "missverständliche Äußerungen".

"Wenn einer schon Adamovich heißt ..."

"Wenn einer schon Adamovich heißt, muss man sich zuerst einmal fragen, ob er eine aufrechte Aufenthaltsberechtigung hat".

Haider beleidigte auch den Präsidenten des österreichischen Verfassungsgerichtshofs, Ludwig Adamovich.

"Meine Auferstehung"

"Nach jener von Lazarus ist meine Auferstehung die eklatanteste der Geschichte, glaube ich."

Jörg Haider - ganz unbescheiden - nach seinem überraschenden Stimmengewinn bei der jüngsten Nationalratswahl.

hda/AFP/dpa


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