02. Dezember 2008, 14:15 Uhr

Golf von Aden

Somalische Piraten griffen Kreuzfahrtschiff an

Jagdszenen in der gefährlichsten Wasserstraße der Welt: Im Golf von Aden haben somalische Piraten versucht, ein Kreuzfahrtschiff mit mehr als tausend Menschen an Bord zu kapern. Nur die Geistesgegenwart des Kapitäns der "Nautica" verhinderte Schlimmeres.

Nairobi/Hamburg - Die Männer kamen in Schlauchbooten, fuhren in rasender Geschwindigkeit auf den Luxusliner zu und eröffneten das Feuer: Nur knapp ist am Sonntag die Entführung eines Kreuzfahrtschiffes im Golf von Aden durch somalische Piraten gescheitert.

"MS Nautica" (Archivfoto): Zum Zeitpunkt der Piratenattacke waren mehr als tausend Menschen an Bord des Luxusliners
AFP

"MS Nautica" (Archivfoto): Zum Zeitpunkt der Piratenattacke waren mehr als tausend Menschen an Bord des Luxusliners

Der Seefahrtsweg zwischen dem Horn von Afrika und der südarabischen Halbinsel ist die gefährlichste Wasserstraße der Welt: Rund hundert Schiffe sollen entlang der somalischen Küste in diesem Jahr bereits von Piraten angegriffen worden sein, 40 Frachter, Tanker und Kutter wurden entführt. Der größte Fang gelang am 15. November, als der Supertanker "Sirius Star" gekapert wurde - mit 300.000 Tonnen Rohöl an Bord. Die Verhandlungen über die Freigabe laufen.

Jetzt erfolgte der Angriff auf die "MS Nautica". An Bord des Luxusliners befanden sich mehr als tausend Menschen, 656 Passagiere, 399 Mann Besatzung.

"Man kann von Glück sagen, dass der "Nautica" die Flucht gelang", sagte Noel Chong vom Internationalen Schifffahrtsbüro in Malaysia. Alle Schiffe, die in der Region unterwegs seien, müssten "höchste Wachsamkeit walten lassen".

Der Angriff der Piraten auf die "Nautica" erfolgte der Reederei "Oceana Cruises" zufolge in der Sicherheitszone nahe der somalischen Küste. Die "Nautica" habe gerade eine Gruppe von Fischerbooten passiert, als die Piraten - es soll sich um zwei kleine Boote mit insgesamt sechs bis acht Männern an Bord gehandelt haben - ihren Kurs kreuzte.

Aus 270 Metern Entfernung feuerten demnach die Piraten auf den Luxusliner. Insgesamt sollen acht Schüsse abgegeben worden sein, verletzt wurde jedoch niemand.

Schlimmeres wurde durch das umsichtige Verhalten der Crew verhindert. Ein Besatzungsmitglied identifizierte die sich nähernden Piraten rechtzeitig, dann ließ der Kapitän, Jurica Brajcic, die Fahrtgeschwindigkeit sofort erhöhen, so dass die Flucht vor den Piraten gelang.

Nach Informationen eines dänischen Fernsehsenders soll ein dänisches Kriegsschiff zudem einen Helikopter der französischen Marine alarmiert haben, der die Piraten zur Umkehr aufgefordert habe.

Die "Nautica" befand sich auf einer 32-tägigen Kreuzfahrt von Rom nach Singapur mit Stopps in Ägypten, Oman, Dubai, Indien, Malaysia und Thailand. Inzwischen ist sie im Süden Omans vor Anker gegangen.

pad/AP


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