01. Juni 2009, 20:34 Uhr

Flugzeugkatastrophe

26 Deutsche an Bord des Unglücksfluges

Unter den 228 Passagieren der vermutlich über dem Atlantik abgestürzten Air-France-Maschine waren laut Fluggesellschaft 26 Deutsche. Allein aus dem Raum Stuttgart sollen fünf Passagiere stammen. Die Ursache des Unglücks ist unklar, das Flugzeug noch nicht gefunden.

Erst am Montagabend wurde bekannt, wie viele deutsche Passagiere genau an Bord des verunglückten Air-France-Flug AF447 von Rio de Janeiro nach Paris gewesen waren: Es waren 26, wie Air France in Paris mitteilte.

Rolf Wieder, der Kreisbereitschaftsleiter des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) in Esslingen, bestätigte, dass Helfer am Stuttgarter Flughafen Angehörige betreut hätten, die Passagiere aus der vermissten Maschine in Empfang nehmen wollten. Der SWR berichtete auf seiner Website, dass eine Familie aus dem Raum Stuttgart betroffen sei. Es handle sich um eine Frau, deren Eltern, die Schwester sowie deren zweijährige Tochter.

Die Berliner Polizei bestätigte darüber hinaus, dass auch am Berliner Flughafen Tegel ein Fluggast des verunglückten Fluges erwartet worden war.

Der Online-Ausgabe der "Bild"-Zeitung zufolge war ein deutscher Manager der Firma Thyssen-Krupp unter den Opfern. Dies habe das Unternehmen bestätigt. Laut der Münchner Tageszeitung "tz" hatten zudem neun Passagiere vorgehabt, nach der Landung in Paris nach München weiterzureisen. Ein Flughafensprecher konnte dies allerdings nicht bestätigen.

61 Franzosen, 58 Brasilianer an Bord

Unter den insgesamt 216 Passagieren und 12 Crew-Mitgliedern seien zudem 61 Franzosen und 58 Brasilianer gewesen, teilte Air France mit. Dazu kämen neun Italiener, sechs Schweizer, sowie ein Österreicher und Bürger zahlreicher anderer Staaten. Unbestätigten Medienberichten zufolge waren auch Bürger Marokkos, Großbritannien, der USA, Russlands, Ungarns, Chinas und des Libanon an Bord.

Am Pariser Flughafen Charles-de-Gaulle war der elliptische Bau mit den Schaltern der Air France abgesperrt, nur Passagiere mit gültigen Tickets wurden vorgelassen.

Die Familien und Freunde, die sich im Lauf des Vormittags hier eingefunden hatten, um die 216 Passagiere des Airbus in Empfang zu nehmen, wurden im Krisenzentrum der Air France und des Flughafens betreut: Ärzte, Sanitäter und Psychologen, die die Angehörigen auf den emotionalen Schock vorbereiten, seit sich die Anzeichen verdichten, dass der Flug, der gegen 11 Uhr erwartet wurde, sich als schwerste Luftfahrtkatastrophe der französischen Airline herausstellen dürfte.

Der Langstreckenflieger war am Sonntagabend in Rio de Janeiro gestartet und hatte nach gut dreieinhalb Stunden Flug den Luftkontrollraum Brasiliens verlassen und die Überquerung des Atlantiks begonnen.

"Wir stehen vor einer Katastrophe"

Rund vier Stunden nach dem Start sei es dann möglicherweise von einem Blitz getroffen worden, erklärte die französische Fluglinie. "Wir stehen ohne Zweifel vor einer Luftfahrtkatastrophe", sagte der Vorstandsvorsitzende Pierre-Henri Gourgeon. Es gebe kaum noch Chancen, Überlebende zu finden, sagte der französische Staatspräsident Nicolas Sarkozy am Abend nach einem Treffen mit Angehörigen auf dem Charles-de-Gaulle-Flughafen in Paris. Es werde sehr schwer, die Maschine zu finden, das Suchgebiet sei immens groß.

Der Airbus A330-200 durchquerte laut Air France gegen 04.00 Uhr MESZ eine "Gewitterzone mit schweren Turbulenzen". Knapp eine Viertelstunde später wurde von der Maschine eine automatische Fehlermeldung versandt, die eine Panne im elektrischen Kreislauf meldete. Danach gab es keinen Funkkontakt mehr.

Der Flug AF447 sollte ursprünglich um 11:15 Uhr in Paris landen. Der brasilianischen Luftwaffe zufolge verschwand der Airbus A330 in der Nacht zum Montag (Ortszeit) rund 300 Kilometer nordöstlich der Küstenstadt Natal, also etwa 1500 Kilometer nordöstlich von Rio de Janeiro.

Kein Kontakt zum marokkanischen Radar

Die Behörden hatten nahe der Inselgruppe Fernando de Noronha eine Suche gestartet, die jedoch vorerst ergebnislos blieb. Die französischen Streitkräfte suchten nahe der Kapverden nach Spuren des Flugzeugs. Im Laufe des Montags teilten die Behörden Marokkos und Portugals mit, dass das Flugzeug ihren Luftraum nicht erreicht habe. Das Flugzeug habe sich weder bei den Kontrollstellen auf den Azoren, noch in Lissabon angemeldet, teilte ein Sprecher der portugiesischen Luftfahrtbehörde mit. Auch der Luftwaffenstützpunkt in Lajes auf der Azoren-Insel Terceira habe keinen Funkkontakt mit der Maschine gehabt, berichtete die Nachrichtenagentur Lusa. Die portugiesische Inselgruppe der Azoren liegt im Atlantik zwischen Europa und Nordamerika. Nach den in Lissabon vorliegenden Informationen habe das Flugzeug auch keinen Kontakt zu den Lotsen auf der Insel Sal aufgenommen, die zur portugiesischen Ex-Kolonie Kap Verde gehört.

Luftfahrtexperten zufolge konnte das Flugzeug angesichts des mitgeführten Spritvorrats am Montagnachmittag (MESZ) nicht mehr in der Luft sein.

Schlimmstes Unglück in der Geschichte von Air France

"Es wurde kein Notruf empfangen. Das führt zu dem Schluss, dass es etwas Katastrophales passiert ist, das zum Absturz führte", sagte der Analyst Chris Yates von Jane's Aviation. Da es keinen Notruf gegeben habe, müsse alles sehr schnell gegangen sein. Damit sei von mechanischen Versagen bis zu einem Terroranschlag alles möglich.

Laut Air France ist das etwa 60 Meter lange Flugzeug seit 2005 im Einsatz und wurde zuletzt am 16. April gewartet. Der Pilot hatte den Angaben zufolge rund 11.000 Stunden Flugerfahrung, darunter 1.700 auf diesem Flugzeug.

Für Air France wäre der Absturz der Maschine bei einem Tod aller Insassen die bisher schwerste Katastrophe in der Unternehmensgeschichte. Die letzten Todesfälle hatte die Gesellschaft beim Absturz einer Überschall-Concorde bei Paris im Jahr 2000 zu beklagen, als 113 Menschen starben.

Die Fluggesellschaft Air France hat eine Telefon-Hotline für Angehörige unter der Nummer 0033 - 157 02 1055 eingerichtet.

yas/dpa/AP/AFP


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