10. November 2009, 11:54 Uhr

Drama auf Eisscholle

Jugendlicher überlebt im Polarmeer neben drei Eisbären

Ein kanadischer Teenager hat wie durch ein Wunder eine Odyssee auf einer Eisscholle in der Arktis überlebt. Zwei Tage und zwei Nächte lang trieb der 17-Jährige bei rund minus 20 Grad Celsius auf dem Meer - neben drei Eisbären.

Toronto - Was wie ein normaler Jagdausflug begann, wurde zu einem lebensgefährlichen Abenteuer: Ein 17-jähriger Inuit war am Wochenende mit seinem Onkel im kanadischen Territorium Nunavut auf der Jagd, als sich unter ihm eine Scholle vom Land löste und ins Meer hinaustrieb, wie der kanadische Rundfunksender CBC berichtete. Damit nicht genug: Mit ihm waren drei Eisbären auf der Scholle gefangen.

Der Jugendliche und dessen 67-jähriger Onkel wurden seit Samstagnachmittag vermisst, wie Ed Zebedee, der Leiter der Sicherheitskräfte von Nunavut, laut "Toronto Star" am Dienstag sagte. Das Schneemobil der beiden habe rund 18 Kilometer vor Coral Harbour, einer kleinen Ortschaft mit rund 800 Einwohner an der Hudson Bay, eine Panne gehabt. Die Männer machten sich demnach zu Fuß auf den Weg in den Ort, um Hilfe zu holen. Plötzlich sei das Eis gebrochen und habe den Jungen von seinem Onkel getrennt, so Zebedee.

Sonntagmorgen fanden Hilfskräfte den Onkel. Den jungen Mann entdeckten die Retter laut CBC erst später, einige Kilometer vor der Küste, und warfen ihm zunächst ein Rettungspaket mit Süßigkeiten zu. Es gelang ihnen jedoch nicht, ihn zu retten, am Abend verloren sie ihn in der Dunkelheit aus dem Blick. Erst am Montag fand ein Militärflugzeug den Vermissten wieder - da war die Scholle rund 40 Kilometer in die Hudson Bay hinausgetrieben. Die Retter sprangen mit Fallschirmen auf eine nahegelegene Scholle und machten sich durch das eiskalte Wasser auf den Weg zu dem 17-Jährigen.

Zum Selbstschutz einen Bären erschossen

Auf der selben Scholle fanden die Retter drei Eisbären, einer von ihnen war tot. "Der Junge hat ihn erschossen, um sich vor ihm zu schützen", sagte Zebedee laut "Toronto Star". Die beiden anderen Tiere seien weit genug entfernt gewesen, daher habe er diese am Leben gelassen. Das erschossene Tier war demnach ein ausgewachsener Bär, die beiden anderen seine Jungen. Zunächst harrten diese bei dem toten Tier aus, zogen sich dann aber so weit wie möglich von dem 17-Jährigen zurück.

Der Jugendliche, der bei seiner Rettung bei Bewusstsein und in überraschend gutem Zustand war, wurde zunächst wegen Unterkühlung und Frostbeulen in Coral Harbour behandelt. Dann wurde er für die weitere Behandlung in ein Krankenhaus nach Churchill geflogen.

Die beiden Bärenjungen sind laut Zebedee noch in der Gegend.

siu/dpa


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