1,8 Promille im Blut: Haiders tödliche Alkoholfahrt sorgt für Wirbel

Er war zu schnell - und betrunken: Die Nachricht, dass Jörg Haider bei seinem tödlichen Unfall 1,8 Promille im Blut hatte, sorgt in Österreich für heftige Reaktionen. Haiders Sprecher fordert ein Ende der Berichterstattung, seine Anhänger vermuten eine Verschwörung von Geheimdiensten.

Wien - Der Tod von Lady Di, das Attentat auf John F. Kennedy oder gleich der 11. September: Die Vergleiche, die Fans des österreichischen Rechtspopulisten Jörg Haider nach dessen Tod heranziehen, um ihren emotionalen Ausnahmezustand zu beschreiben, kennen kaum Grenzen.

Die Nachricht, dass der Kärntner Landeshauptmann und Chef der rechten Partei Bündnis Zukunft Österreich (BZÖ) bei seinem tödlichen Autounfall am frühen Samstagmorgen nicht nur deutlich zu schnell unterwegs, sondern mit 1,8 Promille auch noch sehr betrunken war, ändert daran wenig.

"Es ist richtig, dass Landeshauptmann Jörg Haider zum Unfallzeitpunkt alkoholisiert war. Ich kann und muss das bestätigen", sagte Haiders ehemaliger Sprecher und neuer BZÖ-Chef Stefan Petzner und beendete damit tagelange Spekulationen. Haider habe gerne Feste gefeiert, bemerkte Petzner bei der Überbringung der Nachricht.

Er und Haiders Familie appellierten an die Medien, die Berichterstattung über den tödlichen Unfall zu beenden. Es sei niemand verletzt worden, "sondern Jörg Haider selbst hat den höchsten Preis gezahlt, den man zahlen kann, nämlich sein Leben", erklärte Petzner. Damit erreiche der Unfall "eine Dimension, die nicht mehr die öffentliche Person Haider betrifft, sondern die Privatperson".

"Österreich hat seinen Beschützer verloren"

Die große Trauer in Österreich sehen viele Anhänger dagegen gerne im Fernsehen und in den Zeitungen. "König der Kärntner Herzen" oder "Du warst für uns immer etwas ganz Besonderes" steht auf den Schildern, die Menschen an der Unfallstelle oder vor seinem Amtssitz aufstellen. Dort erstreckt sich ein Meer an Kerzen und Blumen. In seinem Bundesland ist Haider zuletzt mit 42,5 Prozent Zustimmung als Ministerpräsident gewählt worden, viele Menschen sahen in ihm einen "Landesvater", der sich um die Belange der "kleinen Leute" kümmerte.

"Österreich hat seinen Beschützer verloren", klagte ein Kärntner zuletzt im Internet. Dort kursieren auch erste Verschwörungstheorien um den plötzlichen Tod des Politikers, der sich so gerne jugendlich- sportlich darstellte. Eine Version vermutet beispielsweise, dass der israelische Geheimdienst Mossad Haider wegen seiner guten Kontakte zu Machthabern im Nahen Osten beseitigen ließ.

Bis zu 6000 Menschen haben sich bisher in das Kondolenzbuch in Kärnten eingetragen, rund 14.500 Trauernde verewigten sich in der elektronischen Version auf der BZÖ-Homepage.

Sorge vor unliebsamen Gästen

Den vorläufigen Höhepunkt wird der Wirbel um Haider wohl bei der offiziellen Trauerfeier am Samstag in Klagenfurt finden. Rund 30.000 Zuschauer werden beim Trauerzug in der Innenstadt erwartet. "Ziemlich sicher dürften beim Begräbnis Veteranen der Waffen-SS-Kameradschaft IV Spalier stehen. Auch Neonazis könnten auftauchen", schreibt die liberale Zeitung "Der Standard" am Mittwoch.

Von anreisenden Neonazis zur Verabschiedung des Mannes, der einst die "ordentliche Beschäftigungspolitik" im Dritten Reich lobte, will der Kärntner Verfassungsschutz bisher jedoch nichts wissen.

Angekündigt haben sich bereits eine große Delegation der italienischen Rechtspartei Lega Nord und der Gaddafi-Sohn Saif al-Islam. Mit seinen Besuchen beim irakischen Diktator Saddam Hussein oder dem libyschen Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi hatte Haider einst international für Aufsehen gesorgt.

Auch die höchsten Repräsentanten des österreichischen Staates, Bundespräsident Heinz Fischer und der sozialdemokratische Bundeskanzler Alfred Gusenbauer, werden wohl bei der Trauerfeier für den umstrittenen Rechtspolitiker dabei sein. Um keine unerwünschten Fotos zu provozieren, soll um die Staatsmänner ein Sicherheitspuffer zum Rest der Trauergesellschaft geschaffen werden, schreibt "Der Standard".

"Aus Respekt für Haider und seine Ansichten fordern wir extremistische und nostalgische politische Kräfte auf, zu Hause zu bleiben", sagte der italienische Schwiegersohn Haiders, Paolo Quercia, dem italienischen Nachrichtenmagazin "Panorama".

Lesen Sie in Teil 2 bis 7 - die umstrittenen Äußerungen von Jörg Haider:

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Panorama
Twitter | RSS

© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Zur Startseite
Fotostrecke
Jörg Haider: Rechtspopulist und Provokateur