11. September Terrorpilot sprach schon 1999 von Tausenden Toten

Schon im Frühjahr 1999 will eine Hamburger Bibliothekarin von Plänen für die Anschläge am 11. September 2001 gehört haben. Der spätere Terrorpilot Marwan al-Shehhi habe von Tausenden Toten gesprochen, sagte die Zeugin im Prozess vor dem Oberlandesgericht Hamburg aus.


11. September 2001: Anschlag auf das World Trade Center
AP

11. September 2001: Anschlag auf das World Trade Center

Hamburg - Die junge Frau arbeitete als Bibliothekarin in der Technischen Universität (TU) Hamburg-Harburg. Mohammed Atta und einige andere der später getöteten Piloten seien damals regelmäßig in der Bibliothek des TU-Rechenzentrums gewesen, wo sie auch einen kostenfreien Internet-Anschluss nutzten. Sie hätten Computerbücher ausgeliehen und am PC gearbeitet. "Ich hatte das Gefühl, die arbeiten an irgendeiner Arbeit oder machen irgendwas", sagte die 31-Jährige.

Einmal sei sie Zeugin einer lautstarken Unterredung von etwa vier Arabern gewesen, in der ständig das Wort "Amerika" gefallen sei. Dann habe al-Shehhi einmal "wie wild am Computer getippt" und sei dann an dem Ausleihtresen förmlich ausgeflippt. Dabei habe er "Amerika ist scheiße" gesagt und: "Es wird noch was geschehen, das wirst du sehen. Das wird Tausende Tote geben."

Durch die Aussage der Zeugin im zweiten Prozess um die Anschläge vom 11. September will die Staatsanwaltschaft beweisen, dass sich in Hamburg schon früh eine Terrorzelle um Atta gebildet hat. In dem Verfahren wird dem Marokkaner Abdelghani Mzoudi Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung vorgeworfen. Er soll die Hamburger Terrorzelle um Atta unterstützt haben.

Die damalige Bibliotheksaufsicht hatte schon im ersten Terrorprozess in Hamburg gegen Mounir al-Motassadeq eine Schlüsselrolle gespielt und eine ähnliche Aussage gemacht. Als einzige Zeugin kann sie über den Zeitpunkt des Zusammenschlusses der Hamburger Terrorzelle Auskunft geben. Ihre Aussage war im Motassadeq-Prozess als glaubwürdig und wichtig gewertet worden. Al-Motassadeq wurde wegen Beihilfe zum Mord und Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung im vergangenen Februar zu 15 Jahren Haft verurteilt.

Die Zeugin sagte, al-Motassadeq und den jetzt angeklagten Mzoudi selbst habe sie nicht in der Bücherei getroffen. Mzoudi soll laut Anklage als Helfer von Atta und al-Shehhi bis zu letzt in die Vorbereitung der Anschläge verwickelt gewesen sein.



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