14 Tote in Titisee-Neustadt: Gasofen war Ursache für Brandkatastrophe

Ein Gasofen hat die Brandkatastrophe mit 14 Toten in einer Behindertenwerkstatt im Schwarzwald verursacht. Es sei unkontrolliert Gas ausgetreten und verpufft, teilte Staatsanwalt Peter Häberle mit. Noch ist unklar, ob ein technischer Defekt oder menschliches Versagen die Ursache war.

Titisee-Neustadt - 14 Menschen sind in einer Behindertenwerkstatt in Titisee-Neustadt ums Leben gekommen, nun steht die Ursache für die Katastrophe fest: Aus einem etwa einen Meter hohen Gasofen in einer der Werkstätten sei unkontrolliert Gas ausgetreten, sagte Staatsanwalt Peter Häberle bei einer Pressekonferenz. Warum genau es zu dem Gausaustritt kam, sei noch nicht bekannt, möglich sei ein technischer Defekt oder menschliches Versagen.

Experten wollen nun den Zustand der Propangasflasche rekonstruieren. Es sei beispielsweise unklar, ob das Ventil der Flasche offen gewesen sei. Zu welchem Zweck dieser Ofen im Raum stand - ob zum Heizen oder zu Probezwecken - sei ebenfalls noch zu ermitteln, so die Staatsanwaltschaft.

Sie leitete ein Verfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Brandstiftung ein. Dies bedeute zunächst aber nicht, dass die Ermittler Hinweise darauf hätten, sagte Häberle. Anhaltspunkte für eine vorsätzliche Tat gebe es nicht. "Es spricht alles für ein Unglück."


Die Menschen in dem Raum hatten nach Darstellung der Experten kaum eine Chance, dem Inferno zu entkommen. Alle seien sofort tot gewesen. "Es kam zu einer schlagartigen Ausbreitung von Feuer und Rauch", sagte ein Sprecher der Feuerwehr. Aus Sicht der Behörden war der Brandschutz in dem Gebäude völlig ausreichend: "Der vorbeugende Brandschutz war absolut ordnungsgemäß", sagte Freiburgs Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer. Der Einsatz der Rettungskräfte sei "vorbildlich gelaufen".

Von den 97 Menschen, die sich aus dem Gebäude retten konnten, schafften dies nach Darstellung der Behörden 86 aus eigener Kraft. Nur elf Menschen mussten von der Feuerwehr aus dem Gebäude geleitet werden. Dies spreche für das Funktionieren des Rettungskonzepts über eine Rampe für Rollstuhlfahrer und eine Stahltreppe, sagte Schäfer.

"Es hat sich Schreckliches abgespielt"

Das Feuer war am frühen Montagnachmittag in der Caritas-Werkstätte ausgebrochen. Bis zu dem Unglück waren dort etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung unter anderem in der Metall- und Holzverarbeitung sowie in der Elektromontage beschäftigt.

Für die Opfer - eine 50 Jahre alte Betreuerin sowie 13 Behinderte zwischen 28 bis 68 Jahren - kam jede Hilfe zu spät. "Es waren nur wenige Minuten, die das Schicksal der Menschen besiegelt haben", sagte der örtliche Feuerwehrkommandant Gotthard Benitz. "Es hat sich hier Schreckliches abgespielt." Bei einer der schwersten Brandkatastrophen der vergangenen Jahrzehnte gab es zudem neun Schwerverletzte, fünf Menschen wurden leicht verletzt.

Die Behindertenwerkstatt wird längere Zeit geschlossen bleiben. Die Schäden seien immens, sagte ein Sprecher der Caritas. Zwei der drei Stockwerke seien durch Feuer und Rauch nahezu komplett zerstört. Die Einrichtung solle hergerichtet und wieder eröffnet werden. Die Behinderten würden so lange in anderen Einrichtungen untergebracht.

"Unsere Stadt ist im Ausnahmezustand. Wir spüren Trauer und Schmerz", sagte der Bürgermeister von Titisee-Neustadt, Armin Hinterseh. "Die ganze Stadt steht unter Schock." Die ganze Tragweite des schrecklichen Geschehens werde erst in den Tagen danach deutlich.

Gebete des Papstes

Der Opfer wird am Samstag in ganz Baden-Württemberg gedacht. Für diesen Tag sei landesweit Trauerbeflaggung angeordnet, sagte Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne). Kirchen und die Gemeinde Titisee-Neustadt planen für Samstag eine ökumenische Trauerfeier. Die Andacht im St.-Jakobus-Münster in Titisee-Neustadt halten der Freiburger Erzbischof Robert Zollitsch und der Landesbischof der Evangelischen Landeskirche in Baden, Ulrich Fischer.

Laut Zollitsch hat der Papst ein Beileidstelegramm geschickt. Darin heiße es: "Papst Benedikt XVI. gedenkt der bei diesem tragischen Unfall ums Leben gekommenen Menschen in seinem Gebet und versichert den Angehörigen der Opfer seine tief empfundene Anteilnahme." Der Heilige Vater betet auch für die Verletzten um Zuversicht und baldige Genesung.

wit/aar/dpa/dapd

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  • Dienstag, 27.11.2012 – 17:23 Uhr
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Mit bundesweit rund 25.000 Einrichtungen und Diensten sowie etwa 560.000 hauptamtlichen Mitarbeitern ist die Caritas eigenen Angaben zufolge der größte Wohlfahrtsverband Deutschlands. Die Organisation mit Sitz in Freiburg im Breisgau engagiert sich seit 115 Jahren insbesondere in der Krankenpflege sowie bei der Betreuung von Senioren, Kleinkindern und Behinderten. Träger der Einrichtungen sind im Regelfall die örtlichen Caritasverbände, Diözesanverbände oder andere kirchliche Träger.

In den Caritas Werkstätten, zu denen auch die am Montag in Brand geratene Zweigwerkstätte in Titisee-Neustadt zählt, sollen Menschen mit Behinderung in ein normales Arbeitsleben und damit auch verstärkt in die Gesellschaft integriert werden. In der Werkstätte im Hochschwarzwald arbeiten etwa 120 Menschen mit geistiger oder mehrfacher Behinderung in der Holz- und Metallverarbeitung.




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