158 Tote Indische Maschine schießt über Landebahn hinaus

Das Unglück geschah bei der Landung: Im indischen Mangalore schoss ein Passagierjet über die Piste hinaus, durchbrach eine Umgrenzungsmauer und ging in Flammen auf. An Bord der aus Dubai kommenden Boeing 737 waren mehr als 160 Menschen - 158 davon kamen ums Leben.

AFP

Neu Delhi - Rettungskräfte konnten acht Passagiere aus dem brennenden Wrack retten. An Bord der verunglückten Maschine seien 160 Reisende und eine sechsköpfige Besatzung gewesen, teilte die Fluggesellschaft Air India am Samstag mit. Unter den 158 Toten seien auch vier Kleinkinder, so das Unternehmen weiter. "Das ist eine große Katastrophe", sagte der Innenminister des Unionsstaates Karnataka, V.S. Acharya.

Was zum Absturz führte, war zunächst unklar. Nach ersten Einschätzungen von Experten von Ort könnte ein geplatzter Reifen die Ursache gewesen sein. Ein Polizeibeamter auf dem Flughafen erklärte, zum Zeitpunkt der Landung habe schlechtes Wetter geherrscht. Es hatte in den vergangenen Tagen stark geregnet, was die Sicht beeinträchtigt haben könnte.

Der Flugschreiber sei mittlerweile gefunden worden und werde schnellstmöglich ausgewertet, teilten staatliche Medien der Vereinigten Arabischen Emirate mit.

Ein indischer Polizeioffizier hatte zuvor erklärt, alle Insassen seien bei dem Unglück ums Leben gekommen. "Alle sind tot. Es gibt keine Zweifel", hatte der ranghohe Polizeioffizier, R. Ramesh, gesagt. Später korrigierte ein Sprecher von Air India diese Angaben und teilte mit, es seien acht Verletzte in ein Krankenhaus gebracht worden. Fernsehberichten zufolge erlag aber ein lebend aus den Trümmern geborgener Siebenjähriger später seinen Verletzungen.

Geräusch wie das Platzen eines Reifens

Die aus Dubai kommende Maschine der zu Air India gehörenden Billig-Fluggesellschaft Air India Express war über die Landebahn des Flughafens der Küstenstadt Mangalore hinausgeschossen. Die Maschine fing Feuer. Auf Fernsehbildern war der verunglückte Jet in einem Waldgebiet zu sehen. Feuerwehrleute kämpften gegen die aus den Trümmern schlagenden Flammen.

Das indische Fernsehen zeigte Bilder von Überlebenden. Im Nachrichtensender NDTV war ein Mann mit schweren Verbrennungen in einem Krankenhausbett zu sehen, außerdem eine Frau mit einem Kopfverband auf einer Trage sowie ein kleines Kind, das von Ärzten versorgt wurde.

"Das Flugzeug zerbrach in zwei Teile", sagte Abdullah, ein Überlebender des Unglücks, dem indischen Fernsehsender TV9, im Krankenhaus. "Ich bin nach dem Crash aus dem Flugzeug gesprungen. Zwei andere Passagiere folgten mir." Er habe kurz nach der Landung ein Geräusch gehört, das wie das Platzen eines Reifens klang, sagte er und bestätigte damit erste Vermutungen von Experten. "Ich versuchte später, vorne aus dem Flugzeug herauszukommen, aber dort sah ich ein großes Feuer. Deshalb kehrte ich um und sprang hinten raus."

Knapp 3400 Euro für jede Familie

Ein Augenzeuge sagte dem Sender, er habe gesehen, wie das Flugzeug bereits gelandet sei. "Es regnete und das Flugzeug rutschte einfach weiter", sagte Mohiuddin Bava. "Danach fing die Maschine Feuer." Rettungskräfte vom Flughafen sowie Bewohner der umliegenden Dörfer seien sofort an der Unfallstelle gewesen, um zu helfen. Die Rettungsarbeiten gestalteten sich wegen des Feuers und des Rauchs schwierig, sagte ein Sprecher des Flughafens.

Indiens Premierminister Manmohan Singh versprach den Familien der ums Leben gekommenen Passagiere staatliche Hilfszahlungen in Höhe von umgerechnet jeweils knapp 3400 Euro. Die Verletzten würden jeweils 850 Euro aus dem staatlichen Topf erhalten.

Mangalore ist eine Küstenstadt rund dreihundert Kilometer westlich von Bangalore.

jul/kaz/dpa/AFP/Reuters/DAPD



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