20. Juli 1944, 12 Uhr: Der Anschlag

Zu dieser Stunde vor genau 60 Jahren soll das Schicksal Deutschlands gewendet werden. Oberst Stauffenberg ist mit seinem Adjutanten in der Wolfschanze eingetroffen, in ihrem Gepäck stecken die Bomben, die Hitler töten sollen.

Unbenutzter Sprengstoff: In der Tasche des Adjutanten belassen
National Archives

Unbenutzter Sprengstoff: In der Tasche des Adjutanten belassen

Fast 30 Grad zeigt das Thermometer an diesem schwülheißen Donnerstag in der Wolfschanze, dem ostpreußischen Hauptquartier Adolf Hitlers. Oberst Claus Schenk Graf von Stauffenberg bittet um einen Raum, wo er vor dem Treffen bei Hitler sein Hemd wechseln will. Sein Adjutant, Oberleutnant Werner von Haeften, begleitet Stauffenberg, der 1943 in Afrika das linke Auge, die rechte Hand und zwei Finger der linken Hand verloren hat.

In aller Eile machen sie die Bombe scharf, die über Deutschlands Schicksal entscheiden soll: In dem Klumpen, 975 Gramm Sprengstoff der Marke "Plastit W", hergestellt von der Wasag-Chemie AG, stecken zwei englische Zeitzünder, die hochexplosive Masse ist eingewickelt in Packpapier. Als Stauffenberg auch die zweite Bombe in seiner Aktentasche verstauen will, wird er gestört: In der Tür steht ein Oberfeldwebel, er meldet einen dringenden Anruf für Stauffenberg. Hektisch schließt der Oberst seine Aktentasche, sein Adjutant bleibt mit dem zweiten Sprengsatz zurück.

Draußen wartet bereits eine kleine Gruppe Offiziere, um mit Stauffenberg gemeinsam vom Bunker des Oberkommandos der Wehrmacht zur Baracke zu gehen, in der die Lagebesprechung abgehalten wird. "Stauffenberg, so kommen Sie doch", drängt Major Ernst John von Freyend. Es ist 12.30 Uhr.

Die Lagebaracke kurz vor der Explosion
DER SPIEGEL

Die Lagebaracke kurz vor der Explosion

Etwa fünf Minuten später betritt Stauffenberg das Lagezimmer, in dem General Adolf Heusinger gerade über die Situation an der Ostfront berichtet. Ein Adjutant bittet darum, dem schwer Kriegsversehrten einen Stehplatz dicht neben Hitler freizumachen. Stauffenberg hatte darum ersucht: "Damit ich für meinen Vortrag nachher alles mitbekomme."

Die Tasche mit dem Sprengsatz stellt er unter dem Tisch ab. Heusingers Mitarbeiter Oberst Heinz Brandt schiebt sie wohl mit dem Fuß noch ein Stück zur Seite - hinter die massive Stütze des schweren Lagetisches, über den sich der Diktator gerade beugt. Einen Augenblick später verlässt Stauffenberg den Raum unter dem Vorwand, telefonieren zu müssen.

Schadensbesichtigung mit Göring (3.v.r.): "Jemand hat versucht, mich umzubringen"
DPA

Schadensbesichtigung mit Göring (3.v.r.): "Jemand hat versucht, mich umzubringen"

Mit einer gewaltigen Stichflamme und einem berstenden Knall detoniert der Sprengsatz zwischen 12.40 Uhr und 12.50 Uhr. Die Explosion reißt einem Stenografen beide Beine ab, ein General wird von einem Holzsplitter durchbohrt, das Gesicht von Hitlers Chefadjutant verbrennt. Fast allen 24 Anwesenden, auch Hitler, zerfetzt es die Trommelfelle. Im Fußboden, wo die Aktentasche stand, klafft ein 55 Zentimeter großes Loch.

Vier der Verwundeten erliegen ihren Verletzungen, nur zwei Männer bleiben leidlich unversehrt. Einer von ihnen ist Adolf Hitler. Selbst schlägt der "Führer" die Flammen an seiner Kleidung aus. Seine schwarze Hose und die lange weiße Unterhose hängen in Fetzen herab. Helfer bringen den 55-Jährigen in seinen Bunker. "Linge", sagt er zu seinem Kammerdiener, "jemand hat versucht, mich umzubringen."

Lesen Sie gegen 13 Uhr bei SPIEGEL ONLINE: Stauffenberg verlässt die Wolfschanze, sein Ziel ist Berlin

Was zuvor geschah:
Der Morgen: Bomben im Handgepäck

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