2000 Die Nacht der Nächte

Das Jahr 2000 hat weltweit ohne größere technische Probleme begonnen. Entsprechend ausgelassen waren die Jubelfeste in der ganzen Welt.


Berlin
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Berlin

Auf Deutschlands größtem Silvesterfest in Berlin tanzten mehr als zwei Millionen Menschen auf einer 4,5 Kilometer langen Festmeile zwischen Siegessäule und Rotem Rathaus durch die "Nacht der Nächte". Zahlreiche Bühnen, tausende Scheinwerfer, Höhenfeuerwerke, etliche Videowände und zwei Riesenräder waren für die gigantische Party aufgebaut. An der Siegessäule spielten rund 250 Musiker - unter anderem der britische Popstar Mike Oldfield - zum Lichtspektakel "Art in Heaven". Auch der in der Parteispendenaffäre unter Druck geratene Alt- Bundeskanzler Helmut Kohl scheute einen öffentlichen Auftritt nicht; er trat bei einer Unicef-Gala in der Nähe des Reichstages ins Licht der Scheinwerfer.

Die Millennium-Feiern in London sind nach Angaben der Polizei friedlich verlaufen. Etwa 2,5 Millionen Menschen feierten demnach in den Straßen der britischen Hauptstadt. Ein Sprecher des Millennium-Zentrums der britischen Regierung sagte am Samstag, auch bei den Partys und Festivals im restlichen Land sei es zivilisiert zugegangen. Der Millennium-Dome an der Themse, ein riesiger Kuppelbau mit einer Ausstellung über das moderne Großbritannien, öffnete am Samstag seine Pforten für die ersten zahlenden Gäste. Das Riesenzelt war in der Silvesternacht von Königin Elizabeth eröffnet worden. An der britischen Küste versammelten sich am Samstag viele tausend Menschen, um die erste Morgendämmerung des neuen Millenniums mitzuerleben.

Times Square in New York
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Times Square in New York

Mehr als zwei Millionen Menschen haben das neue Millennium in den Straßen rings um den Times Square in New York begeistert willkommen geheißen. Nach einer stundenlangen High-Tech- Show mit Videoübertragungen von den Millenniumsfeiern aus aller Welt jubelten Hunderttausende dem neuen Jahrtausend zu.

Mehr als 8 000 Polizisten und Anti-Terror-Spezialisten überwachten die Party in New York. Nach der Festnahme mehrerer mutmaßlicher Bombenleger in den letzten Tagen war vor allem für die Feiern in der größten Stadt Nordamerikas höchste Alarmbereitschaft ausgelöst worden. Scharfschützen hatten Stellung bezogen, während Einsatzkräfte sämtliche Schächte der U-Bahn und der Kanalisation überwachten.

Die New Yorker Marathon-Party gilt als die längste der Welt. Sie begann bereits am frühen Morgen mit der Ankunft des Jahres 2000 im Südpazifik und in Neuseeland und geht mit Live-Übertragungen bis zur letzten Zeitzone weiter. Erst wenn das neue Jahrtausend nach mitteleuropäischer Zeit Samstag mittag auch in West-Samoa und Französisch-Polynesien angekommen ist, soll die Party am Times Square zu Ende gehen.

Paris
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Paris

Der Star in der Nacht der Nächte an der Seine ist 110 Jahre alt, sturmerprobt und ausgiebige Feiern gewohnt: Von einem Feuerwerk in ein fantastisches blau-weiß-goldenes Lichtermeer getaucht, leitete der Eiffelturm für Millionen in der Welt das Jahr 2000 in aller Würde ein. Die 20 000 Birnen, die auf einer Länge von 18 Kilometern an der 321 Meter hohen Eisenkonstruktion angebracht worden waren, ließen die weltweit bekannte Konstruktion des genialen Ingenieurs Gustave Eiffel ganz im Millenniums-Kleid erstrahlen.

Es begann als eine gewundene Girlande blitzender Nadeln vor blauem Hintergrund. Ein weißer Lichter-Blütenkranz stieg langsam auf und explodierte in einem intensiven Blau. Das Feuerwerks-Ballett betonte die schlanke Linie dieses Pariser Wahrzeichens von 1889. Es sollte 40 Kilometer weit zu sehen sein, was jedoch das trübe Wetter über Paris durchkreuzte. Die Millionen in dem völlig für den Verkehr gesperrten Herzen der Hauptstadt kümmerte das aber wenig. Sie wollten das Feuerwerk der 20 000 Raketen rund um "ihren" Turm sehen.

Ein Stück weiter in dem Fest-Dreieck zwischen Eiffelturm, Place de la Concorde und Triumphbogen setzten sich währenddessen elf große Lichträder in Bewegung. Diese Attraktion auf "der schönsten Avenue der Welt", den Champs-Elysees, machte Paris endgültig zur Stadt des Lichts beim Eintritt in das Jahr 2000. Tänzer, Video-Künstler sowie Zirkus-Artisten und Komponisten futuristischer Musik hatten geholfen, die Lichträder und die verschiedenen Programme dafür zu gestalten.



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