Anti-Kriegs-Kundgebungen Größte Friedens-
demonstration in der Geschichte der Bundesrepublik

In Berlin haben mehr als ein halbe Million Menschen gegen einen Irak-Krieg demonstriert. Auch in Ankara, Paris und Rom gingen Hunderttausende auf die Straße.


Berlin: Gegen den Krieg
DDP

Berlin: Gegen den Krieg

Berlin - Nach Angaben der Veranstalter strömten bis zum frühen Samstagnachmittag mehr als eine halbe Million Teilnehmer zu einer großen Kundgebung an der Siegessäule, um gegen den drohenden Irak-Krieg zu protestieren. Die Polizei sprach von rund 500.000 Demonstranten.

Damit wäre es die größte Friedenskundgebung, in der Geschichte der Bundesrepublik. Teilnehmer sagten, seit der Wende 1989 hätten sie nicht mehr solche Menschenmassen gesehen. Bei der bislang größten Friedenskundgebung in der Bundesrepublik hatten im Oktober 1981 über 250.000 Menschen in Bonn gegen den Nato-Doppelbeschluss zur Stationierung von Mittelstreckenraketen demonstriert.

Die Demonstranten trugen Plakate und Transparente mit Aufschriften wie: "Kein Bush-Feuer, sonst Flächenbrand", Nein zum Irak-Krieg" und "Arbeit und Bildung statt Krieg und Rüstung". Ein Teilnehmer hatte seinen Zwillingskinderwagen mit einem Schild mit der Aufschrift "Wir sind zwei alte Europäer" ausgestattet - eine Anspielung auf das inzwischen berühmte Zitat des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld.

Die Kundgebung, zu der Friedens- und Menschenrechtsgruppen, Kirchen, Gewerkschaften und parteinahe Organisationen aufgerufen hatten, ist Teil einer weltweiten Protestwelle unter dem Motto "Kein Krieg in Irak - Kein Blut für Öl". Mit Jürgen Trittin, Renate Künast und Heidemarie Wieczorek-Zeul sind auch drei Bundesminister vor Ort - gegen die Empfehlung von Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) wollte sich der Demonstration anschließen.

Bei der Abschlussveranstaltung traten unter anderem der Liedermacher Konstantin Wecker, Reinhard Mey und Hannes Wader auf.

Weltweite Welle des Protestes

Bundesminister Jürgen Trittin und Renate Künast auf der Kundgebung in Berlin
DPA

Bundesminister Jürgen Trittin und Renate Künast auf der Kundgebung in Berlin

Auch in anderen Städten in Europa und den USA war für Samstag und Sonntag zu Demonstrationen gegen einen Irak-Krieg aufgerufen worden. In London erwartet die Polizei mehr als 500.000 Demonstranten, die auch gegen die Absicht des britischen Premierministers Tony Blair protestieren wollen, sich mit 40.000 Soldaten an der Seite der USA an einem Irak-Krieg zu beteiligen.

In Rom nahmen nach Angaben der Polizei eine Million Menschen an einer Friedensdemonstration teil. In San Francisco in den USA werden am Sonntag 100.000 Menschen erwartet. Zum Auftakt der weltweiten Proteste gegen einen Irak-Krieg waren am Freitag im australischen Melbourne mehr als 100.000 und am Samstag in Canberra rund 16.000 Australier auf die Straße gegangen.

Mit einem Friedensappell des südafrikanischen Bischof und Friedensnobelpreisträgers Desmond Tutu bei einem ökumenischen Gottesdienst hat der Massenprotest gegen einen drohenden Irak-Krieg am Samstag in New York begonnen. Zu der anschließenden Demonstration unweit der Vereinten Nationen wurden wenigstens 100 000 Menschen erwartet. Als Sprecher wollten sich außer Tutu unter anderem die Schauspieler und Entertainer Harry Belafonte, Danny Glover, Susan Sarandon, Pete Seeger und Julian Bond zu Wort melden.



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