Abgelehnte Transplantation Herzkranker Zweijähriger in der Türkei gestorben

Muhammet ist tot. Die Familie hatte den zweijährigen Jungen in die Türkei gebracht, weil sie in Deutschland keine Herztransplantation für ihn bekam.


Gießen - Nach einem monatelangen, vergeblichen Kampf um ein Spenderherz ist der schwer kranke Muhammet in der Türkei gestorben. Der Zweijährige erlag am Mittwoch in einem Krankenhaus in Istanbul den Folgen seiner Erkrankung, sagte der Anwalt der Familie. In den vergangenen Tagen war der Zustand des Jungen zusehends schlechter geworden.

Die Eltern des Jungen hatten erfolglos versucht, in Deutschland eine Herztransplantation zu erreichen. Da der Junge auch einen schweren Hirnschaden hatte, hatte die Uniklinik Gießen sich geweigert, ihn auf die Warteliste zu setzen. Das Landgericht Gießen hatte dem Krankenhaus Recht gegeben.

Der Fall des Jungen hatte eine emotionale Debatte über die Vergabe von Spenderorganen ausgelöst. Die Familie sieht die Rechte schwer kranker Patienten verletzt. Medizinethiker sind dagegen der Ansicht, dass die wenigen Spenderorgane an Patienten gehen sollten, die die besten Aussichten haben, mit ihnen lange zu leben.

Das Ehepaar Dönmez hatte für die Behandlung des Herzfehlers ihres Sohnes Spenden in Höhe von 400.000 Euro gesammelt. Ende März hatten sie Muhammet aus Istanbul nach Gießen gebracht. Im Kinderherzzentrum der Uniklinik sagten die Spezialisten eine Transplantation zu.

Doch kurz vor der Abreise nach Deutschland verschlechterte sich Muhammets Zustand, das Herz streikte. Der Vorfall verursachte bei Muhammet einen irreversiblen Hirnschaden. Die behandelnden Ärzte schlossen daher eine Herztransplantation aus.

ulz/dpa

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