Absturz in Amsterdam: Zwei Boeing-Mitarbeiter unter den Toten

Unter den Toten des Absturzes der Passagiermaschine vom Typ Boeing 737 nahe Amsterdam sind zwei Mitarbeiter des US-Flugzeugbauers Boeing. Die Hinweise auf Triebwerksprobleme verdichten sich indes. Laut Ermittlern stürzte die Maschine beim Landeanflug "nahezu senkrecht" ab.

Amsterdam - Zu den Todesopfern der abgestürzten Passagiermaschine vom Typ Boeing 737 unweit von Amsterdam sind auch zwei Mitarbeiter des US-Flugzeugbauers Boeing. Das bestätigte der Konzern in der Nacht zum Freitag. Ein dritter Boeing- Angestellter an Bord des Unglücksflugzeugs sei verletzt worden und liege noch in Krankenhaus, hieß es in der Firmenmitteilung aus Seattle. "Dies ist ein trauriger Tag für unser Unternehmen", sagte Boeing-Chef Jim McNerney.

Insgesamt seien vier Boeing-Mitarbeiter in dem Flugzeug der Turkish Airlines von Istanbul nach Amsterdam unterwegs gewesen. Über das Schicksal des vierten Angestellten erwarte das Unternehmen noch Informationen, hieß es in der Erklärung. Zuvor hatten die niederländischen Behörden mitgeteilt, bei dem Absturz der Maschine am Mittwoch seien vier US-Amerikaner und fünf Türken getötet worden.

Das Flugzeug war beim Landeanflug auf den Amsterdamer Airport Schiphol plötzlich wie ein Stein vom Himmel gefallen und auf einem Acker aufgeprallt. An Bord waren nach neuen niederländischen Angaben 135 Menschen. Zunächst war von 134 die Rede. Ein Mitreisender habe jedoch nicht auf der Passagierliste gestanden, teilte der Amsterdamer Krisenstab mit.

Unter den Überlebenden des Absturzes ist auch ein Deutscher aus Nordrhein-Westfalen. Der Mann kam mit leichten Verletzungen und dem Schrecken davon. Insgesamt wurden 86 Insassen der Maschine verletzt, 24 von ihnen schwer.

Derweil wurden am Freitag die Ermittlungen zur Ursache des Absturzes fortgesetzt. Ein offizielles Ergebnis wird Anfang der kommenden Woche erwartet. Experten gehen inzwischen davon aus, dass während des Landeanflugs die Triebwerke ausgefallen sein könnten. Der Koordinator der Untersuchungen Pieter van Vollenhoven sagte am Donnerstag, die Maschine sei beim Landeanflug "nahezu senkrecht" abgestürzt, was auf einen Ausfall der Triebwerke hinweise.

Die Piloten waren von dem Absturz offenbar völlig überrascht. Der Kapitän meldete der Flugkontrolle auf dem Airport Schiphol keinerlei Probleme, als er sich kurz vorher die Landeerlaubnis erteilen ließ. Das geht aus den inzwischen teilweise veröffentlichten Aufzeichnungen des Funkverkehrs hervor. Diese Erkenntnisse bestärken Experten in der Vermutung, dass die Boeing durch einen plötzlichen Ausfall der Triebwerke außer Kontrolle geriet.

Van Vollenhoven äußerte sich nach einer Besichtigung des Wracks "sehr überrascht", dass es nicht noch mehr Tote gegeben habe. Die Zerstörungen an dem Flugzeug seien enorm. Die drei Piloten im Cockpit seien durch eine beim Aufprall herausbrechende Instrumententafel erschlagen worden. Angaben von Überlebenden würden bestätigen, dass die Maschine bei einem zunächst normal erscheinenden Landeanflug plötzlich in den freien Fall überging.

An dem Flugzeug sollen nach Berichten türkischer Medien bereits in der Woche vor dem Unglück zwei Mal technische Probleme aufgetreten sein. Turkish Airlines bestätigte allerdings nur eine Fehlfunktion eines Warnsystems in diesem Zeitraum. Nach einer Mitteilung von Turkish Airlines war im vergangenen Oktober an einer Start- und Landklappe ein Bauteil ausgetauscht worden. Danach habe die Boeing ihren Flugbetrieb ohne Komplikationen fortgesetzt.

jjc/dpa/AFP/AP

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