Absturz von Air-France-Maschine Ermittler veröffentlichen letzte Worte des Piloten

Fast vier Minuten kämpften die Piloten gegen den Absturz des Air-France-Airbus, dann schlug der Jet auf dem Meer auf. Jetzt haben die Unfallermittler den Flugschreiber ausgewertet - und die letzten Worte aus dem Cockpit veröffentlicht.

REUTERS/ BEA

Hamburg - Drei Minuten und 30 Sekunden dauerte der Kampf der Piloten. Die Maschine der Air France war am 1. Juni 2009 auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris in eine Unwetterfront geraten. Fast zwei Jahre dauerte die Suche nach der Unglücksursache. Nun wurde bekannt: Falsche Geschwindigkeitsanzeigen haben die Piloten des Todesflugs Rio-Paris vor zwei Jahren in die Irre geführt. "Wir haben keine gültigen Angaben mehr" - das waren die letzten aufgezeichneten Worte des Piloten.

Die französische Unfallermittlungsbehörde BEA hat am Freitag einen vierseitigen Zwischenbericht zum Absturz von Flug AF447 auf ihrer Website veröffentlicht. Der Bericht fasst erste Ergebnisse der Auswertung der Flugschreiber zusammen und dokumentiert erstmals die Gespräche im Cockpit kurz vor der Katastrophe.

Der Flugkapitän der vor zwei Jahren verunglückten Air-France-Maschine hat sich dem Bericht zufolge zu Beginn des fast vier Minuten dauernden Absturzes nicht im Cockpit aufgehalten. Dies hatte der SPIEGEL bereits vergangene Woche erfahren.

Den aktuellen Informationen zufolge ergab die erste Auswertung der Flugschreiber, dass Pilot Marc Dubois zu dem Zeitpunkt eine Pause gemacht hatte, einer der beiden Co-Piloten hatte das Steuer übernommen. Wenig später informierte dieser Co-Pilot die Flugbegleiter, dass sie durch eine turbulente Zone fliegen würden. "Ich rufe dich zurück, sobald wir wieder draußen sind", sagte er.

Dramatischer Tempoverlust auf nur noch 111 km/H

Der Co-Pilot steuerte die Maschine leicht nach links, um den Turbulenzen auszuweichen. Der Autopilot schaltete sich ab. Der Co-Pilot bestätigte, dass er nun die Steuerung übernehme. In diesem Moment fingen die Probleme an: Das Flugzeug begann nach rechts abzukippen, und der Co-Pilot zog es nach links hoch. Der Geschwindigkeitsmesser zeigte einen dramatischen Tempoverlust von etwa 509 auf nur noch 111 Kilometer pro Stunde an. Der Abfall der Geschwindigkeit wurde knapp eine Minute später auch auf einem zweiten Messgerät angezeigt.

Der zweite Co-Pilot versuchte mehrfach, den Flugkapitän ins Cockpit zurückzurufen. Das Flugzeug stieg unterdessen immer weiter nach oben und schwankte stark. Der Co-Pilot drückte den Steuerknüppel eine halbe Minute lang bis zum linken Anschlag. Als der Pilot im Cockpit war, stellte er fest: "Wir haben keine gültigen Angaben mehr."

Daraufhin zog der Co-Pilot das Flugzeug nach unten. Der Pilot griff seinerseits zum Steuerknüppel, und der Co-Pilot überließ ihm die Steuerung mit den Worten: "Mach du." Die letzten Aufzeichnungen vermerken eine Absturzgeschwindigkeit von etwa 200 Stundenkilometern.

Mit einer Bewertung hält sich die Ermittlungsbehörde vorerst zurück. Der Zwischenbericht soll nur die Umstände des Unfalls verdeutlichen. Ob es sich also um einen Pilotenfehler handelte, wie es etwa die Zeitung "Le Figaro" berichtete, ist demnach weiterhin unklar.

Die Unfallermittler betonen, dass die Besatzung des Cockpits den Regeln entsprochen habe. Tatsächlich sind Ruhepausen für Piloten vorgesehen. Der Flugzeughersteller Airbus nannte den Bericht "einen wichtigen Schritt zur Klärung der gesamten Kette von Ereignissen".

Alle 228 Menschen an Bord kamen ums Leben, darunter 28 Deutsche. Die Ermittler hoffen, dass die Black Boxes ihnen dabei helfen werden, die Unglücksursache herauszufinden. Die Aufzeichnungsgeräte waren Anfang Mai aus den Tiefen des Atlantischen Ozeans geborgen worden.

siu/wit/dpa/dapd

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Seite 1
rodelaax 27.05.2011
1. Mein Gott, Spiegelredakteure
Schon wieder erwecken sie den Eindruck, dass die Tatsache, dass der Flugkapitän nicht im Cockpit war irgend etwas mit dem Absturz zu tun hat. Liebe Spiegelredakteure! Bei Langstreckenflügen ist es üblich, dass Piloten Pausen machen, dabei auch schlafen gehen können, da entsprechender Ersatz an Bord ist. Die Maschine wurde stets von 2 Piloten geflogen.
citizengun 27.05.2011
2. -
Jetzt bin ich genau so schlau wie ich es vor 2 Jahren war. Wie lange so eine Auswertung wohl dauern wird?
Oskar ist der Beste 27.05.2011
3. was soll das mit dem der "Pilot hatte Pause".
Zitat von sysopFast vier Minuten kämpften die Piloten gegen den Absturz des Air-France-Airbus, dann schlug der Jet auf dem Meer auf. Jetzt haben die Unfallermittler den Flugschreiber ausgewertet - und die letzten Worte aus dem Cockpit veröffentlicht. http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,765298,00.html
auf Langstreckenfluegen ist es vollkommen normal, dass nicht alle Piloten im Cockpit sind, tatsaechlich sind ja deshalb auch mehr als 2 Piloten "dabei", damit die anderen Pause machen koennen. Von daher ist das von SPON hervorgehobene Szenario vollkommen irrelevant (und hat fuer den Absturz ueberhaupt keine Bedeutung).
Haio Forler 27.05.2011
4. .
Zitat von rodelaaxSchon wieder erwecken sie den Eindruck, dass die Tatsache, dass der Flugkapitän nicht im Cockpit war irgend etwas mit dem Absturz zu tun hat. Liebe Spiegelredakteure! Bei Langstreckenflügen ist es üblich, dass Piloten Pausen machen, dabei auch schlafen gehen können, da entsprechender Ersatz an Bord ist. Die Maschine wurde stets von 2 Piloten geflogen.
Tatsach ist aber, dass man mehr verhindern kann, wenn man am Cockpit sitzt als wenn man auf der Kloschüssel hockt. Unberührt davon bleibt, dass das "normal" ist, sicher. Und dabei ist auch unerheblich, ob der Co-Pilot "ja trotzdem im Cockpit war".
stupp 27.05.2011
5. Spekulation und Tatsachen
Zitat von Haio ForlerTatsach ist aber, dass man mehr verhindern kann, wenn man am Cockpit sitzt als wenn man auf der Kloschüssel hockt. Unberührt davon bleibt, dass das "normal" ist, sicher. Und dabei ist auch unerheblich, ob der Co-Pilot "ja trotzdem im Cockpit war".
Von wegen Tatsache! Rechts saß ein ausgebildeter Pilot und links saß ein ausgebildeter Pilot. Ob der Kapitän (z.B. durch seine größere Erfahrung) den Absturz hätte verhindern können ist die Spekulation von Ihnen. Der Autor versucht doch, dem unbedarften Leser den Eindruck zu vermitteln, dass die Co-Piloten keine "richtigen" Piloten seien und dass die Abwesenheit des Kapitän-Piloten etwas Außergewöhnliches sei. Kein schöner Journalismus, sowas...
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