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Absturz vor den Komoren: Unglücks-Airbus hatte Mängel - Kleinkind gerettet

Schon vor zwei Jahren fiel die Maschine bei einer Inspektion durch, nun stürzte sie vor den Komoren ins Meer: Im Indischen Ozean ist ein Airbus A310 mit mehr als 150 Menschen an Bord verunglückt - bisher wurden mehrere Leichen geborgen, ein Kind überlebte die Katastrophe.

Hamburg - Mindestens ein Mensch hat den Flugzeugabsturz vor den ostafrikanischen Komoren überlebt: Einsatzkräfte hätten einen Insassen aus dem Indischen Ozean gerettet, teilte ein Vertreter der Fluggesellschaft Yemenia mit. Laut einem Sprecher des komorischen Verkehrsministeriums handelt es sich um ein fünf Jahre altes Kind. Nach Angaben der Hilfsorganisation Roter Halbmond befand sich das Kind auf einem Schiff auf dem Weg an Land.

An Bord des abgestürzten Flugzeugs der Gesellschaft Yemenia waren 142 Fluggäste und elf jemenitische Besatzungsmitglieder. In Marseille, wo Flug Nummer IY 749 zwischengelandet war, wurde ein Krisenzentrum eingerichtet. "Die Bestürzung ist sehr groß", sagte Generalkonsul Stephane Salord.

"Sie sah Flammen, die aus dem Flugzeug kamen"

In dieser Woche beginnen in Frankreich die Ferien: Viele Passagiere der Unglücksmaschine waren Exil-Komorer auf dem Weg in die alte Heimat, um dort mit ihren Angehörigen den Sommer zu verbringen. 66 Insassen seien französischer Nationalität, sagte Außenminister Bernard Kouchner. Nach Informationen der französischen Zeitschrift "Le Point" waren 40 von ihnen von Paris losgeflogen, 26 weitere von Marseille. Sie stiegen erst in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa in den Airbus A310-300 um.

Fünf Minuten vor der geplanten Landung in Moroni auf der Hauptinsel Grande Comore brach gegen 1.50 Uhr Ortszeit der Kontakt zum Cockpit ab. Der Airbus stürzte bei böigem Wind in den Indischen Ozean. Rund 110 Kilometer vor der Küste der Insel Grande Comore wurden ein Treibstoffteppich und Trümmer auf dem Wasser entdeckt. Die Behörden lösten einen Großalarm aus.

Frankreich schickte Schnellboote und Militärflugzeuge von den Inseln Mayotte und Reunion, um die Bergungsarbeiten zu unterstützen. Auch die Komoren und Madagaskar entsandten Schiffe. Eine Sprecherin der komorischen Polizei teilte mit, dass inzwischen drei Leichen geworden seien.

Zunächst gab es nur Spekulationen über die Unglücksursache: Unbestätigt blieben Informationen, wonach das Flugzeug wegen schlechten Wetters vor dem Absturz ein Durchstartmanöver eingeleitet hatte. In dem Gebiet war es in der Nacht zum Dienstag sehr windig und regnerisch. Ein Fischer hatte nach Angaben der komorischen Botschaft in Südafrika den Airbus abstürzen sehen.

Eine Augenzeugin will beobachtet haben, wie die Maschine brennend ins Meer stürzte. "Sie sah Flammen, die aus dem Flugzeug kamen", erklärte der komorische Regierungssprecher Abdourahim Said Bacar. Taucher seien unterwegs zur Stelle, um nach dem Wrack zu suchen.

"Man setzt uns in Schrottflugzeuge"

Der französische Verkehrsminister Dominique Bussereau zeigte sich indes gewiss, dass die Ursache des Absturzes nicht in der Maschine, sondern in deren Wartung, liege. Dem Radiosender Europe 1 sagte er: "Das Unglück hat nichts mit dem Flugzeug zu tun". Er übte massive Kritik an der Fluglinie Yemenia Air. Bei einer Inspektion der Maschine vor zwei Jahren sei "eine große Zahl von Mängeln" festgestellt worden, erklärte er in einem Interview mit dem Sender i-Télé. Seitdem durfte der Airbus A310-300 in Frankreich nicht mehr fliegen.

Die Fluggesellschaft stehe nicht auf einer Schwarzen Liste, werde aber streng kontrolliert. Die Airline hat das Flugzeug nach der Mängelinspektion in Frankreich weiter außerhalb der EU eingesetzt.

Wütend reagierte die komorische Gemeinschaft aus Marseille, aus der die meisten mutmaßlichen Absturzopfer stammen. "Man setzt uns in Schrottflugzeuge, die den Normen nicht entsprechen", sagte Farid Soilihi, Präsident der Organisation SOS-Voyages mit Sitz in der französischen Hafenstadt. "Zum großen Unglück hat der komorische Staat nicht auf uns gehört. Nun ist geschehen, was wir vorhergesagt haben."

Nach Angaben von Airbus war die Unglücksmaschine 19 Jahre alt. Sie sei 1990 ausgeliefert worden und seit 1999 im Dienst der jemenitischen Fluggesellschaft. Das teilte das in Toulouse ansässige Unternehmen mit. Die Maschine vom Typ A310-300 habe knapp 52.000 Flugstunden auf etwa 17.300 Flügen hinter sich.

Airbus sagte seine Unterstützung bei der Aufklärung der Unfallursache zu. Ein Expertenteam sei bereits unterwegs zu den Komoren. Die Maschine kann 220 Passagiere aufnehmen. Die erste A310-300 sei 1985 in den Dienst gegangen. Derzeit seien weltweit 214 Maschinen dieses Typs im Einsatz. Das Unternehmen sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Die Komoren liegen rund 2.900 Kilometer südlich des Jemens im Indischen Ozean zwischen der Südostküste Afrikas und Madagaskar.

Es ist das zweite schwere Airbus-Unglück innerhalb von nur vier Wochen. Am 1. Juni war ein A330-200 der Air France mit 228 Menschen an Bord auf dem Flug von Rio de Janeiro nach Paris aus noch ungeklärter Ursache in den Atlantik gestürzt.

Komoren-Inseln im Indischen Ozean

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