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Absurde Terror-Folgen: Meuterei im Ferienflieger

Die Angst vor dem Terror treibt absurde Blüten: Passagiere eines britischen Ferienfliegers haben den Rauswurf zweier angeblich verdächtiger Männer erzwungen. Der Grund: Sie trugen die falsche Kleidung - und sprachen Arabisch.

London - Der Aufstand begann mit sechs Passagieren, die sich weigerten, die Maschine zu betreten, die sie nach Hause fliegen sollte. Sie verlangten, dass zwei asiatisch anmutende, wahrscheinlich Arabisch sprechende Mitpassagiere, die trotz der Hitze in Malaga warme Lederjacken getragen hätten, aus dem Flugzeug geworfen werden sollten. Die Szene entwickelte sich lautstark - und die Angst der "Meuterer" sprang über. Als eine Familie mit Kindern aufstand und die Maschine verließ, folgten ihr schnell weitere Passagiere. Das Ende vom Lied: Die beiden arabisch-stämmigen Briten mussten den Flieger verlassen und wurden verhört. Flug ZB 613 von Malaga nach Manchester konnte mit dreistündiger Verspätung abheben.

Flughafen (Heathrow in London): Angstwelle - jeder Bärtige ein Terrorist?
AP

Flughafen (Heathrow in London): Angstwelle - jeder Bärtige ein Terrorist?

Der Zwischenfall wirft ein erschreckendes Schlaglicht auf die indirekten Effekte des Terrorismus. Die Meuterei ereignete sich nach einem Bericht der "Mail on Sunday" auf dem Flughafen von Malaga. Die Entscheidung zum Rauswurf der beiden angeblich Verdächtigen traf die Besatzung selbst. "Die Flugbegleiter waren besorgt", sagte später ein Sprecher der Fluggesellschaft Monarch Airlines. Die aus der Maschine geworfenen Männer wurden von spanischen Sicherheitskräften verhört, ohne dass sich irgendwelche Verdachtsmomente ergaben. Sie konnten erst einen Tag später ihre Reise fortsetzen.

Empört über den Vorgang zeigte sich Patrick Mercer, innenpolitischer Sprecher der Konservativen im britischen Parlament. Das Benehmen der meuternden Passagiere von Flug ZB 613 sei "ein Sieg für die Terroristen". Mercer weiter: "Die Menschen auf diesem Flug wurden durch Terror in ihr irrationales Verhalten getrieben. Es ist aberwitzig, dass diese zwei unglücklichen Männer nur wegen ihrer Hautfarbe zu Opfern gemacht wurden."

Seit Beginn der Großfahndung gegen mutmaßliche Terroristen in Großbritannien vor zehn Tagen sind die Sicherheitsmaßnahmen auf den Flughäfen massiv verstärkt worden. 23 Menschen sind festgenommen worden und werden wegen mutmaßlicher Beteiligung an der Planung von Anschlägen auf Passagierflugzeuge weiter verhört. Muslimische Organisationen in Großbritannien haben sich immer wieder gegen pauschale Verdächtigungen im Zusammenhang mit der Terrorfahndung gewandt.

In Koblenz kam es am Samstag zu einer einstündigen Sperrung des Bahnhofs. Nachdem besorgte Fahrgäste einen angeblich herrenlosen Koffer gemeldet hatten, wurde der betreffende Zug evakuiert, der Waggon abgekoppelt und auf einen wenig frequentierten Güterbahnhof gebracht, wo der Inhalt des Koffers untersucht wurde. Der zeitgleich von der Polizei verhörte Besitzer des Koffers, ein 23 Jahre alter Tourist aus Brasilien, konnte seine Reise kurz darauf wieder aufnehmen: Er hatte den Koffer "nur kurz" in einem Abteil zurück gelassen, um ein paar Fotos zu schießen.

pat/dpa

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