Ägypten 17 Männer wegen Homosexualität vor Gericht

Ägypten geht strikt gegen Homosexuelle vor: Mehrere Männer müssen sich vor Gericht verantworten - weil sie eine Regenbogenflagge geschwenkt hatten.

Hamed Sinno, Sänger der Band Mashrou Leila
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Hamed Sinno, Sänger der Band Mashrou Leila


17 Männer sitzen in Ägypten wegen Homosexualität auf der Anklagebank. Ein Richter in Kairo habe ihnen "Unzucht" und "Anstiftung zur Unzucht" vorgeworfen, teilte die ägyptische Justiz mit. Die erste Anhörung habe am Sonntag hinter verschlossenen Türen stattgefunden. Das Verfahren zeigt, wie rigide Ägypten derzeit gegen sexuelle Minderheiten vorgeht.

Jüngstes Beispiel für das harte Durchgreifen der Behörden ist die Verhaftung mehrerer Besucher eines Konzerts der bekannten libanesischen Popgruppe "Mashrou' Leila" in Kairo vor rund einem Monat: sie wurden festgenommen, weil sie dort die Regenbogenflagge geschwenkt hatten - das internationale Symbol der Schwulen- und Lesbenbewegung.

Ägyptische Menschenrechtler sprachen von mindestens 22 Verhafteten, darunter auch sechs Männer, die jetzt als Angeklagte vor dem Richter in Kairo saßen. "Mashrou' Leila" ist derzeit eine der erfolgreichsten arabischen Popgruppen und setzt sich für die Rechte von Homosexuellen ein. Der Sänger Hamed Sinno zählt zu den wenigen Prominenten in der arabischen Welt, die offen über ihre Homosexualität sprechen. In Ägypten hat die Band inzwischen ein Auftrittsverbot.

Menschenrechtler zeigten sich besorgt über das zunehmend repressive Vorgehen der ägyptischen Justiz gegen sexuelle Minderheiten. Homosexualität als solche ist nach ägyptischen Recht zwar nicht strafbar, allerdings sehen sich schwule Männer in letzter Zeit zunehmender Verfolgung unter dem Vorwurf der "Unzucht" oder der "Beleidigung der Religion" ausgesetzt.

Erst am Samstag hatte der Oberste Rat für Presseregulierung, ein staatliches Organ, die "Propagierung von Homosexualität" in den Medien verboten. Es handle sich um eine "schändliche Krankheit, die verborgen werden muss", erklärte das Gremium.

Amnesty International forderte die "sofortige und bedingungslose Freilassung" der Festgenommenen. "Es ist zutiefst bedauerlich, dass Ägyptens Staatsanwaltschaft die Verfolgung von Menschen wegen ihrer mutmaßlichen sexuellen Orientierung zur Priorität gemacht hat", kritisierte die Menschenrechtsorganisation.

fok/dpa



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