Ärger mit den Nachbarn Bordell packt Bundestagsfahne wieder ein

Die Nationalflagge, die einst dem Bundestag gehörte, wird nicht mehr über einem Bordell in Halle wehen. Die Chefin des Freudenhauses ist die Anfeindungen ihrer Mitbürger leid und verkauft das symbolträchtige Stück wieder.


Bordellchefin Schmittroth: Staatssymbole verunglimpft?
DPA

Bordellchefin Schmittroth: Staatssymbole verunglimpft?

Halle - "Eine Nationalfahne, die wir nicht ab und zu mal wehen lassen dürfen, ohne sittenstrenge Bürger gegen uns aufzubringen, macht keine Freude", sagte die Besitzerin des Bordells "X-Carree", Christine Schmittroth, der "Bild"-Zeitung. Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) hatte die leicht lädierte Flagge im Internet versteigern lassen. Das höchste Gebot für das etwa fünf mal sieben Meter große Stoffstück gab Schmittroth ab und bekam die Fahne Anfang Juni für 3350 Euro.

Die Fahne, die früher an einem der vier Reichstagstürme flatterte, hisste die Bordellinhaberin dann auf dem Etablissement am Bahnhof in Halle - sehr zum Ärger ihrer Mitbürger. Ein pensionierter Beamte zeigte sie und Thierse wegen Verunglimpfung des Staates und seiner Symbole an. Bundestagsabgeordnete kritisierten den Verkauf, und nach Angaben der "Bild" drohte ein Hallescher Stadtrat mit der Schließung des Hauses. Daraufhin holte die Chefin die Flagge wieder ein.

Fahne am Bordell: "Das macht keine Freude"
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Fahne am Bordell: "Das macht keine Freude"

Die Fahne wird nun erneut beim Internetauktionshaus eBay angeboten. "Wir wollen der Geschichte noch etwas Gutes abgewinnen", sagte Schmittroth. "Wir sind natürlich gespannt, ob diejenigen, die uns so heftig kritisiert haben, nun für einen guten Zweck auch kräftig mitsteigern", zitiert das Blatt die 42-Jährige. Die Hälfte des Erlöses solle dem Verein zur Förderung krebskranker Kinder in Halle zugute kommen.



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