Affäre Friedman Roth nennt Debatte "heuchlerisch"

Claudia Roth, Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, hat sich vor Michel Friedman gestellt. Es dürfe nicht sein, dass die Rotlicht- und Kokain-Vorwürfe zur Abrechnung mit dem Judentum genützt würden. Angeblich will sich auch der Zentralrat der Juden in Deutschland mit dem Fall befassen.


Michel Friedman: An hohen Maßstäben gemessen
DDP

Michel Friedman: An hohen Maßstäben gemessen

Hamburg - Die Grünen-Politikerin Roth nannte die Debatte gegenüber der "Bild"-Zeitung "heuchlerisch". Sie habe "nämlich das Gefühl, dass manche die Vorwürfe zu einer Abrechnung mit dem Judentum nützen. Sie wollen mit Friedman die Juden auf die Anklagebank setzen. Das darf nicht geschehen."

Wie "Focus" meldet, will der Zentralrat der Juden in Deutschland Mitte Juli über die Zukunft des Vizepräsidenten Friedman entscheiden. Der Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt, Salomon Korn, soll der Zeitschrift gesagt haben, es werde darüber diskutiert, ob der unter Drogenverdacht stehende Friedman "ein geeigneter Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland" sei. Für die Funktionen im Zentralrat und als Präsident des Europäischen Jüdischen Kongresses würden "höhere Maßstäbe gelten als zum Beispiel für Fernsehmoderatoren", sagte Korn.

Korn wies den Bericht jedoch bereits zurück. "Ich stehe bis zur endgültigen Klärung dieser Angelegenheit so wie bisher auch weiterhin uneingeschränkt zu Michel Friedman", sagte Korn in Frankfurt.

Bei der nächsten Sitzung des Zentralrats der Juden in Deutschland werde der Drogenverdacht gegen dessen Vizepräsidenten Friedman natürlich eine Rolle spielen, sagte Korn. Ein Ergebnis dürfe aber nicht vorweggenommen werden. Den Bericht des Magazins, bei der Sitzung Mitte Juli wolle der Zentralrat über Friedmans Zukunft entscheiden, bezeichnete Korn als "Fehlinterpretation".

Der ehemalige Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Andreas Nachama, sagte dem Blatt, er empfinde die Geschichte um Friedman immer noch als "unvorstellbar und unwirklich, obwohl ich weiß, dass sie wahr ist". Die Vorwürfe seien "schließlich nicht vom Himmel gefallen".

Friedman war bei Ermittlungen der Berliner Justiz gegen einen Menschenhändlerring ins Visier der Fahnder geraten. Der Hauptbeschuldigte der Gruppe ist nach Informationen von SPIEGEL TV der Ukrainer Borys B., 33. Gemeinsam mit den Polen Krzysztos und Mariusz M. soll B. systematischen Handel mit Frauen aus der Ukraine betrieben haben. Die Männer sitzen hinter Gitter. Zwei der Prostituierten beschuldigten Friedman, Kokain besessen und konsumiert zu haben.

Bei einer daraufhin angeordneten Hausdurchsuchung am Mittwoch vergangener Woche in Frankfurt wurden drei Tütchen mit Kokainspuren entdeckt. Dem TV-Moderator wurde eine Haarprobe entnommen - das Ergebnis wird von offizieller Stelle aber nicht bekannt gegeben.

Nach Beschwerden von Friedmans Anwalt hat die Berliner Justiz eine Informationssperre verhängt.



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