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Affenmensch angeblich entdeckt: Der große Bigfoot-Schwindel

Halb Affe und halb Mensch, riesig und haarig - den legendären Bigfoot hat auf Erden noch keiner gefunden. Oder es jedenfalls nicht bewiesen. Zwei Amerikaner behaupten jetzt, sie hätten eine Bigfoot-Leiche in der Gefriertruhe. Die Indizien sehen stark nach Karneval aus.

Angebliche Bigfoot-Leiche: Suche nach einer Legende
AFP

Angebliche Bigfoot-Leiche: Suche nach einer Legende

Palo Alto - Sie haben eine haarige Leiche in der Gefriertruhe und geben sich davon überzeugt, dass es sich um ein Exemplar des sagenumwobenen "Bigfoot", eines mehr als zwei Meter großen Affenmenschen handelt: Matt Whitton, 31, und Rick Dyer, 28. In Videos auf dem Online-Portal YouTube und auf ihrer Webseite haben sie ihren Fund publik gemacht. Und auf einer Pressekonferenz in Palo Alto wollten sie am Freitag dafür auch wissenschaftliche Beweise liefern.

Whitton, ein aus gesundheitlichen Gründen beurlaubter Polizist, und Dyer, ein ehemaliger Gefängnisaufseher, wollen Bigfoot im Norden des US-Staats Georgia entdeckt haben. Legenden über Affenmenschen gibt es in Amerika und Asien seit Jahrhunderten, nur einen eindeutigen Beweis für die Existenz solcher Wesen gibt es bislang nicht. Die Suche nach Bigfoot, einem Verwandten des ähnlich legendären Yeti im Himalaya, ist für manche Leute eine Art exzentrisches Hobby, das sie sich auch was kosten lassen: Whitton und Dyer bieten Bigfoot-Wochenendexpeditionen für 499 Dollar (340 Euro) in Georgia an. Und sie hätten nichts dagegen, mit ihrem tiefgefrorenen Fund ein paar Dollar extra zu verdienen, sagen sie selbst.

Zu ihrer Pressekonferenz über ihre Anfang Juli bekanntgemachte Entdeckung waren mehrere hundert Journalisten und andere Neugierige erschienen, darunter einer im Chewbacca-Kostüm - Chewbacca ist ein haarige Figur aus "Star Wars", Copilot und Freund von Han Solo von der Gattung der Wookies. Unterstützt wurden die beiden von Tom Biscardi, Chef einer Gruppe, die sich Searching for Bigfoot nennt und von anderen Bigfoot-Fahndern als unseriös abgetan wird.

"Auffallende Ähnlichkeit" mit Affenkostümen

Am Freitag präsentierten die beiden angeblichen Bigfoot-Entdecker bei ihrer Pressekonferenz zwei unscharfe Fotos, auf dem einen sollte der Kopf der Kreatur zu sehen sein. Das Wesen sei über zwei Meter lang und rund 270 Kilo schwer, behaupten Whitton und Dyer. Das wichtigste vermeintliche Beweisstück, eine E-Mail eines Wissenschaftlers, der im Auftrag der drei eine DNA-Analyse von Haarproben der Leiche erstellt haben soll, ließ entscheidende Fragen offen. Von den drei Proben habe eine wegen technischer Probleme nicht analysiert werden können, die zweite stamme eine von einem Menschen - und die dritte von einem Opossum, schrieb der Wissenschaftler aus Minnesota.

Der Bigfoot-Forscher Jeffrey Meldrum, Anthropologe an der Idaho State University, bezeichnete die Behauptungen des Trios als "nicht sehr überzeugend". Das auf deren Webseite gezeigte Foto sehe sehr nach "einem Kostüm mit künstlichen Eingeweiden aus", sagte er dem Magazin "Scientific American". Im "Discovery Channel" verwies er auf eine "auffallende Ähnlichkeit" mit Affenkostümen, wie sie jedermann kaufen könne.

Zudem gibt es von Whitton und Dyer drei unterschiedliche Darstellungen darüber, wie sie die sterblichen Überreste des Affenmenschen gefunden haben wollen. In den ersten Videos wurde Bigfoot von einem Ex-Verbrecher angeschossen, und die beiden Männer verfolgten ihn in den Wald. In einer zweiten Version haben sie gleich eine ganze Bigfoot-Familie in den Bergen des nördlichen Georgias gefunden. Und in der dritten Version stolperten sie bei einer Wanderung über die Bigfoot-Leiche mit offenen Wunden.

In einem weiteren Youtube-Video zeigen sie sich im Gespräch mit einem Mann, den sie als Wissenschaftler bezeichnen. Anfang dieser Woche räumten sie ein, dass es sich um Dyers Bruder handelt. Dyer erklärte, sie hätten einfach Spaß gehabt. Auf die Frage, wer ihnen denn bei so viel Albernheiten noch glauben solle, sagte Dyer, die Skeptiker seien doch nur neidisch. "Sie haben keine andere Wahl, als uns zu glauben. Wir haben eine Leiche", sagte er.

Von Malia Wollan, AP

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Bigfoot: Was liegt denn da in der Truhe?


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