Afrika Auch Bischöfe in Missbrauch von Nonnen verwickelt

Der Skandal um erzwungenen Sex afrikanischer Priester mit Nonnen zieht immer weitere Kreise. Jetzt wurde bekannt, dass auch Bischöfe in Afrika darin verwickelt sind.


Rom/München - In einem Bericht an den Vatikan beklagte sich eine Ordensschwester schon vor mehreren Jahren ausdrücklich über eine "Konspiration des Schweigens" von Seiten der Kirche.

Der Vatikan hatte am Dienstag erstmals Berichte bestätigt, wonach Priester in Afrika Nonnen und Ordensschwestern sexuell ausbeuteten. Wenn Opfer schwanger wurden, hätten Kirchenmänner sie sogar teilweise zur Abtreibung gezwungen, hieß es in den Berichten. Auch von Vergewaltigungen war die Rede. Ein Vatikansprecher meinte, die Dinge würden untersucht - von konkreten Strafen sprach er nicht.

Dagegen verurteilte das Erzbischöfliche Ordinariat in München am Mittwoch "Sensationsmeldungen" über das Thema. Zwar wolle "niemand etwas beschönigen". Jedoch müssten "die Fälle von Fehlverhalten und Schuld nüchtern und in einem Gesamtzusammenhang beurteilt werden". Die Angelegenheit würde sich "statistisch immer noch in einem ganz kleinen Rahmen bewegen".

Die Ordensschwester Maria McDonald wies den Vatikan in einem streng vertraulichen Bericht bereits 1998 darauf hin, "das sexuelle Belästigung und sogar Vergewaltigung von Ordensschwestern durch Priester und Bischöfe" in Afrika offenbar verbreitet seien. Weiter klagte sie: "Die Ordensschwestern werden in der Regel entlassen, während die Priester oftmals lediglich in eine andere Pfarrei versetzt oder zu Studienzwecken weggeschickt werden."

Die Ordensfrau verwies auf die besondere Einstellung von Priestern in polygamen Ländern Afrikas zum Zölibat. So habe etwa ein Priester erklärt: "Wir haben geschworen, nicht zu heiraten. Wir können aber Sex haben, ohne unseren Eid dabei zu brechen." Zwar sei die sexuelle Ausbeutung von Ordensfrauen am weitesten in Afrika verbreitet. "Aber wir wissen, dass das Problem auch in anderen Teilen der Welt existiert." Genannt werden neben Lateinamerika und Asien auch Italien und Irland.

Erste vertrauliche Berichte an den Vatikan gab es den Angaben nach bereits Mitte der neunziger Jahre. Darin sei von "Hunderten Klagen" über sexuelle Ausbeutung die Rede. Teilweise würden Priester die Schwestern auffordern, die Pille zu nehmen.

Erstmals hatte die angesehene katholische US-Zeitung "National Catholic Reporter" unlängst über die Fälle berichtet. Es hieß, Priester nutzten die "finanzielle und geistliche Abhängigkeit" der Nonnen aus, um sie zum Sex zu zwingen. "Priester verlangen in manchen Fällen Geschlechtsverkehr für Gefälligkeiten wie eine Arbeitserlaubnis in einer bestimmten Diözese".



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