Flugzeugunglück über Mali Wrack der verschollenen Passagiermaschine entdeckt

Ein Flugzeug der Air Algérie ist über Mali abgestürzt. An Bord des Fluges AH5017 waren 116 Menschen, darunter wohl vier Deutsche. Inzwischen wurde das Wrack der Maschine ausfindig gemacht.


Ouagadougou/Algier - Es ist das dritte Flugzeugdrama innerhalb einer Woche: Französische Streitkräfte haben nach Angaben des Flughafens von Ouagadougou das Wrack der Maschine von Air Algérie entdeckt. Wie es auf der Internetseite des Airports heißt, liegt es in einem schwer zugänglichen Wüstengebiet zwischen den Städten Gao und Kidal. Es sei äußerst schwierig für Rettungsteams, dorthin zu gelangen. Malis Regierung bestätigte, dass die abgestürzte Maschine gefunden worden sei. "Ich wurde soeben darüber informiert", sagte Malis Präsident Ibrahim Boubacar Keita.

Das Flugzeug der algerischen Fluggesellschaft Air Algérie mit 116 Menschen an Bord war über Mali spurlos verschwunden. Das Flugzeug sei im Zentrum des Landes zwischen den Städten Gao und Tessalit verunglückt, sagte ein Kommandeur der Uno-Mission in Mali, Brigadegeneral Koko Essien. Die Ursache für das Unglück ist unklar, ebenso das Schicksal der Insassen.

Flug AH5017 war auf dem Weg von der Hauptstadt Burkina Fasos, Ouagadougou, in die algerische Hauptstadt Algier, als rund 50 Minuten nach dem Start der Funkkontakt abriss. Das Flugzeug sei in der Region der malischen Stadt Gao vom Radar "verschwunden", zitierte der algerische Rundfunk Algeriens Regierungschef Abdelmalek Sellal. Den letzten Kontakt habe es mit einem Kontrollturm in Niger gegeben. Demnach wollte der Pilot einem Unwetter ausweichen. Nach malischen Angaben hatte es in der Region "heftige Gewitter" gegeben.

Kampfjets suchen nach verschollenem Flugzeug

Das Flugzeug des Typs MD-83 gehört der spanischen Fluggesellschaft Swiftair und wurde von Air Algérie geleast. Das vermutete Absturzgebiet liegt rund 500 Kilometer von der algerischen Grenze entfernt. Im vergangenen Jahr hatten sich islamistische Aufständische im Norden Malis teils heftige Kämpfe mit französischen und malischen Soldaten sowie weiteren afrikanischen Truppen geliefert. Die dünn besiedelte Region gilt nach wie vor als unsicher.

Air Algérie erklärte, an Bord der Maschine seien 50 Franzosen - Frankreichs Außenminister Laurent Fabius sprach von 51 Franzosen -, 24 Burkiner, acht Libanesen, sechs Algerier, fünf Kanadier, vier Deutsche sowie zwei Luxemburger gewesen. Die sechs Besatzungsmitglieder stammten aus Spanien. Der französische Nachrichtensender BFMTV meldete, auch eine Nichte Fidel Castros sei an Bord gewesen.

Eine Sprecherin des Auswärtigen Amts sagte, Berlin bemühe sich "mit Hochdruck um Aufklärung", ob deutsche Staatsangehörige betroffen seien. Die deutsche Botschaft in Ouagadougou sei eingeschaltet. In Frankreich wurden Krisenstäbe eingerichtet. Zahlreiche Passagiere hätten von Algier aus nach Paris, Lyon oder Marseille weiterfliegen sollen. Die Staatsanwaltschaft von Paris nahm Vorermittlungen wegen "fahrlässiger Tötung" auf.

"Sie war wirklich in gutem Zustand"

An der Suche nach dem Flugzeug in der malischen Wüste beteiligte sich auch die französische Luftwaffe. Zwei Kampfjets vom Typ Mirage-2000 starteten von einem Stützpunkt im Tschad aus zu einer Suchmission, wie ein Sprecher des französischen Generalstabs sagte. Das Suchgebiet erstrecke sich vom Punkt der letzten Ortung in Richtung der "wahrscheinlichen" Flugroute. Frankreich unterhält in dem zentralafrikanischen Tschad eine Militärbasis, ist aber auch in Mali seit eineinhalb Jahren federführend an einem Anti-Terror-Einsatz gegen aufständische Islamisten beteiligt.

Die zivile französische Luftfahrtaufsicht erklärte, die Maschine sei erst vor wenigen Tagen auf dem Flughafen von Marseille gewesen. "Wir haben sie untersucht, und wir haben fast nichts gefunden, sie war wirklich in gutem Zustand", sagte Behördenchef Patrick Gandil.

Am vergangenen Donnerstag war eine Boeing 777 der Malaysia Airlines mit 298 Menschen an Bord über umkämpftem Gebiet in der Ostukraine abgestürzt. Die prorussischen Rebellen in der Region und die Regierung in Kiew werfen sich gegenseitig vor, das Flugzeug abgeschossen zu haben. Am Mittwoch kamen bei einer Bruchlandung in Taiwan 48 Menschen ums Leben.

wit/vez/dpa/AFP



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insgesamt 7 Beiträge
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sucram31 24.07.2014
1. Schlimmes Jahr für die Luftfahrt
2014 dürfte schon jetzt als eines der schlimmsten Jahre der zivilen Luftfahrt der letzten Jahre eingehen. Tragisch! Innerhalb einer Woche drei Unglücke, plus MH 370. Kaum zu glauben, dass Fliegen trotzdem immer sicherer wird. Aber was nutzen einem die Statistiken, wenn man in solch einem Unglücksflugzeug sitzt? Mein Beileid auch hier an alle Angehörigen, R.I.P!
tepchen 24.07.2014
2.
Ja das habe ich ehrlich gesagt erwartet, lieber Putin-Versteher. Eigentlich ist es müssig mit Argumenten zu kommen, ich versuche es trotzdem. Es gibt Unterschiede die beachtet werden sollten, es ist extrem Unwahrscheinlich das die Aufständischen Islamisten in Mali über Boden-Luft-Rakten des Systems BUK verfügen. Selbst wenn sie SAMs hätten, bei dem am Absturzort herrschenden Wetter und tieffliegender Maschine (was auch unwahrscheinlich ist) wäre es nicht einfach in der Nacht eine MD-83 runterzuholen. Leider gibt es noch keine Bilder vom Wrack, aber meine Vermutung ist das es nicht über 25 qkm verteilt ist wie bei der Zerstörung der MH17.
pragmatico 24.07.2014
3. Kirche im Dorf lassen
Viele Ursachen sind möglich. Vielleicht ist die Spindel der Trimmung des Stabilizers gebrochen. Das ist dann nicht mehr fliegbar. Alaska Airlines hatte an der US-Westküste mal so einen Vorfall.
der_porzer 25.07.2014
4. der_Porzer
Man solle erst mal abwarten was die Unfallursache war, das ein Gewitter die Ursache war kann sein, ist aber unwahrscheinlich. 50 Minuten nach dem Start sollte das Flugzeug seine Reisehöhe schon lange erreicht haben und da oben sollten Gewitter kein Problem darstellen. Abstürze mit Unwetter sind meist bei der Ladung oder Start passiert, aber nicht auf Reisehöhe (es gibt natürlich Ausnahmen).
Dircules 25.07.2014
5. Castro nicht an Bord
Das Gerücht, Raul Castros Tochter Mariela hätte sich an Bord der abgestürzten Maschine gesesen, wurde mittlerweile von der Granma dementiert - sie habe sich bei dem Fernsehsender teleSUR gemeldet und behauptet, sie sei "quicklebendig". http://www.granma.cu/mundo/2014-07-24/avion-de-air-algerie-se-estrella-con-116-personas-a-bordo
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