Air-France-Unglück Bilder zeigen erstmals Wrackteile am Meeresgrund

Ein zerstörtes Triebwerk, abgerissene Fahrwerksteile, zerfetzte Flügelreste: Auf dem Grund des Atlantiks haben Tauchroboter Aufnahmen des verunglückten Air-France-Jets gemacht. Auch Leichen wurden am Meeresgrund entdeckt.

REUTERS/ BEA

Paris - Die trauernden Angehörigen hatten die Hoffnung schon aufgegeben: Seit fast zwei Jahren suchten französische und brasilianische Behörden vergeblich nach dem Wrack der Air-France-Maschine, die im Sommer 2009 auf dem Weg von Rio nach Paris über dem Atlantik abgestürzt war.

Am Sonntag hatte das Warten ein Ende. Das Wrack wurde geortet. Nun gibt es die ersten Bilder aus etwa 4000 Metern Tiefe. Dort liegen die Reste des Flugzeugs auf dem Grund des Ozeans. Auch Leichen der Insassen wurden entdeckt.

Am Montag gab die Ermittlungsbehörde zahlreiche Aufnahmen heraus. Die Fotos zeigen Triebwerke, Reifen und andere Trümmerteile überraschend scharf - es sind gespenstische Aufnahmen in Schwarzweiß. Tauchroboter hatten die Fotos gemacht. Einen der Roboter hatte das Kieler Leibniz-Institut für Meereswissenschaften, IFM Geomar, zur Verfügung gestellt.

Die Tatsache, dass die Teile nur in einem kleinen Umkreis verteilt seien, stärke die Vermutung, dass das Flugzeug nicht in der Luft zerbrochen ist, hieß es aus Ermittlungskreisen. "Die Maschine war im Moment ihres Aufpralls noch ganz."

Suche nach dem Flugschreiber

Die Leichen und Wrackteile sollen in drei bis vier Wochen geborgen werden. "In den nächsten Tagen werden bereits drei Schiffe aufbrechen", sagte der Leiter der französischen Ermittlungsstelle, Jean-Paul Troadec, am Montag in Paris. Es bestehe sogar Hoffnung, die Flugschreiber zu finden. Allerdings sei es möglich, dass diese nicht mehr lesbar seien. Die Geräte könnten entscheidende Hinweise darauf geben, was zu der Katastrophe geführt hat.

Bis heute sind die Hintergründe des Unglücks nicht vollständig geklärt. Laut den französischen Ermittlern war der Ausfall der Geschwindigkeitsmesser des französischen Herstellers Thales zumindest zum Teil verantwortlich. Mitte März reichte die französische Justiz Ermittlungen gegen Airbus und Air France wegen fahrlässiger Tötung ein. "Wir hoffen ganz fest, dass die Entdeckung des Wrackteils es ermöglicht, die beiden Aufzeichnungsgeräte zu finden, denn das ist grundlegend für das Verständnis dieses schrecklichen Dramas", sagte Airbus-Chef Thomas Enders.

Der Airbus A330 war am 1. Juni 2009 zwischen dem amerikanischen und afrikanischen Kontinent in den Atlantik gestürzt. 228 Menschen waren dabei ums Leben gekommen. In den folgenden Wochen wurden 50 Leichen und über 600 Wrackteile aus dem Atlantik geborgen. Der vierte und jetzt erfolgreiche Sucheinsatz der Luftfahrtermittlungsbehörde BEA begann Ende März. Air France und Airbus finanzieren ihn mit insgesamt rund 9,2 Millionen Euro.

Genauer Fundort soll geheim bleiben

Wie viele Leichen am Sonntag mehr als 1000 Kilometer vor der brasilianischen Küste entdeckt wurden, teilten die Behörden nicht mit. Auch wollten sie die genaue Fundstelle nicht nennen. "Wir wollen den Ort schützen", sagte Troadec. Er soll allerdings nicht weit von der letzten bekannten Position des Flugzeugs entfernt sein. Die französische Regierung kündigte an, einen Ansprechpartner für die Hinterbliebenen zur Verfügung zu stellen. Für manche Angehörige der Opfer könnte eine quälende Zeit der Ungewissheit zu Ende gehen.

"Identifizierungen sind möglich", sagte die französische Verkehrsministerin Nathalie Kosciusko-Morizet. Wegen des hohen Wasserdrucks und der niedrigen Temperatur seien die Leichen der Opfer relativ gut erhalten, erklärten die Ermittler. Die Bergung sei aber extrem kompliziert, da die Leichen nun über eine weite Strecke durch wärmeres Wasser transportiert werden müssten.

ulz/dpa/AFP



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Seite 1
plmayer 04.04.2011
1. Titel
---Zitat--- Die Bergung sei aber extrem kompliziert, da die Leichen nun über eine weite Strecke durch wärmeres Wasser transportiert werden müssten. ---Zitatende--- Warum ist dies ein Problem?
ThomasGB, 04.04.2011
2. Hmm, ...
Zitat von plmayerWarum ist dies ein Problem?
... vielleicht weil es dort hungrige Fische gibt ?
tanausu 04.04.2011
3. Titel
Zitat von plmayerWarum ist dies ein Problem?
Habe ich mich auch gefragt. Hat evtl. der Wasserdruck damit zu tun? In 4.000 m Tiefe herrscht ja ein Druck von etwa 400 bar. Zerfallen die Körper, wenn sie an die Oberfläche kommen? Oder besteht die Sorge, die Körper könnten gefressen werden, wenn sie den Bereich der Tiefsee verlassen?
Mitti 04.04.2011
4. -
Bei wärmeren Temperaturen dehnen sich Gase aus. Hinzu kommt der stark abnehmende Druck.
klarseher 04.04.2011
5. Physiknachhilfe
Zitat von ThomasGB... vielleicht weil es dort hungrige Fische gibt ?
4000m = 400 bar Druck. Wenn man die Körper zügig hochholt, dürften sie aufgehen wie Hefekuchen und dann platzen. Dann ist das mit dem Identifizieren schwierig... Soweit klar?
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