Airbus-Absturz: Online-Black-Box soll Crashs schneller aufklären

Der über dem Atlantik abgestürzte Air-France-Airbus bleibt verschwunden - Luftfahrtexperten fordern nun, das umständliche Black-Box-System zu reformieren. Die Flugdaten sollen in Zukunft per Satellit an die Airlines gefunkt werden. Ein einfaches System gibt es nach SPIEGEL-Informationen bereits.

Hamburg/Recife - Auch am fünften Tag nach dem Absturz verlief die Suche nach dem Airbus der Air France erfolglos. "Wir haben auch heute nichts geborgen", sagte Luftwaffensprecher Ramon Cardoso am Freitagabend im brasilianischen Recife. "Die Suche geht weiter", versicherte Cardoso, allerdings sei das Wetter über dem Südatlantik zurzeit ausgesprochen schlecht. Bis zu 1,80 Meter hohe Wellen machten den Suchmannschaften das Leben schwer. Zudem verringere heftiger Regen die Sichtweite.

Piloten der brasilianischen Luftwaffe in einem Aufklärungsflugzeug über dem Atlantik: Schwierige Suche nach Wrackteilen und Passagieren
REUTERS

Piloten der brasilianischen Luftwaffe in einem Aufklärungsflugzeug über dem Atlantik: Schwierige Suche nach Wrackteilen und Passagieren

Angesichts der schwierigen Suche nach dem Flugschreiber der abgestürzten Maschine fordern Luftfahrtexperten jetzt, dass das Bordsystem künftig alle Flugdaten, die in der Black Box festgehalten werden, über ein Satellitensystem direkt an die Leitzentralen der Fluggesellschaften melden soll. Laut SPIEGEL-Informationen existiert bereits heute ein einfaches Kommunikationssystem namens Acars, das dem Wartungspersonal am Boden Fehlermeldungen übermittelt.

Technisch sei es gar nicht notwendig, die Flugzeuge groß aufzurüsten, sagte Robert Francis, ein führender amerikanischer Sicherheitsexperte, dem SPIEGEL. Es reiche, die Software des Kommunikationssystems umzuschreiben, und schon verwandle es sich in eine Art Online-Black-Box. Francis fürchtet, der Flugschreiber des A330 könnte nie gefunden werden. "Das wäre eine Schande für die Luftfahrt", sagte er.

Umso wichtiger sei der Aufbau eines neuen Übertragungssystems für Flugdaten basierend auf dem Acars-System. Dieses hatte in den letzten Minuten des Air-France-Flugs 24 solche Fehlermeldungen versendet. "Gerade dieser Absturz beweist, wie wertvoll diese Technik sein könnte", sagte der ehemalige Vizechef des National Transportation Safety Board, der Untersuchungsbehörde für Flugunfälle in den USA, dem SPIEGEL.

Aufgrund der von dem Acars-System übermittelten Signale konnten französische Ermittler jetzt auch belegen, dass der Autopilot des Airbus vor dem Absturz ausgefallen ist. Bislang deutete eine Serie von Funkmeldungen bereits darauf hin, dass der Autopilot von Flug AF 447 abgeschaltet und das Computersystem auf eine alternative Energieversorgung umgeschaltet wurde.

Tatsächlich aber bleibt die Unglücksursache wie auch der Verbleib des abgestürzten Airbus mit 228 Insassen weiterhin ungeklärt. Einige der angeblich in den vergangenen Tagen von der brasilianischen Luftwaffe gesichteten Flugzeug-Wrackteile seien möglicherweise inzwischen im Meer versunken. Fest stehe aber, dass Wrackteile wie ein Passagiersitz, Kabel und auch Innenteile gesichtet und die Positionen festgehalten worden seien, sagte Luftwaffensprecher Cardoso. Die Priorität der Suchmannschaften habe auf der Suche nach möglichen Überlebenden oder Leichen gelegen, nicht auf der Bergung von Wrackteilen.

Mittlerweile könnten die Teile auch durch die Strömung weggetrieben worden sein, deshalb gebe es auch die zunächst festgestellte fünf Kilometer lange Trümmerspur nicht mehr, so Cardoso. Die Einsatzteams werden künftig mit der Weitergabe von Informationen zurückhaltender sein. Es würden über die Wrackteile nur noch Details mitgeteilt, wenn sie bestätigt werden könnten, sagte der Luftwaffensprecher. Die Chancen, noch Passagiere des Airbus zu bergen, schätzte Cardoso am Freitagabend als "sehr, sehr gering" ein.

An der Suchoperation nahmen am Freitag auch zwei französische und ein US-Flugzeug teil. Zudem überflog eine im Senegal gestartete französische Awacs-Radarmaschine das Gebiet rund 1200 Kilometer nordöstlich der brasilianischen Festlandküste, wo der Airbus A330 am Montag abgestürzt sein soll. Am Samstag werden zwei weitere Schiffe der Marine in dem Gebiet erwartet.

bor/AFP/dpa

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