Vermarktung von Al Capones Villa Gangstergeschichte inklusive

Hier entspannte Al Capone, kochte mit der Familie oder angelte im Pool: Einst war der Villenkauf des legendären Gangsterbosses ein Ärgernis für Miami Beach. Heute kommt der Trubel um das Haus der Stadt ganz gelegen.

DPA/MB America

So ändern sich die Zeiten. Als sich Al Capone 1928 in Miami Beach niederließ, gab es Proteste. Die Anwohner fürchteten um den Ruf des beliebten Touristenziels. Inzwischen will die Stadt den berüchtigten US-Gangster in ihrer Geschichte nicht mehr missen: Miami Beach will sich die Anziehungskraft des Mafioso zunutze machen - Gangstervilla als Attraktion.

Für 40.000 US-Dollar kaufte Capone 1928 die weiße Kolonialstil-Villa. Nun wurde das Anwesen aufwendig restauriert. Damit habe man einen Teil der Geschichte Miamis gerettet, sagt Marco Bruzzi, Geschäftsführer von MB America. Für acht Millionen US-Dollar kaufte das Immobilienunternehmen im Auftrag eines Privatinvestors die Villa, zuvor waren 7,4 Millionen Dollar bezahlt worden.

Das Anwesen befindet sich auf Palm Island zwischen den Hochhäusern von Downtown Miami und den Hotels von South Beach. Das Anwesen soll nun auch als Kulisse für Video- und Filmaufnahmen sowie Foto-Shootings dienen.

Das einzige instand gebliebene Zimmer ist ein auf Wunsch Capones in Schwarz und Gold gehaltenes Bad im Art-déco-Stil. Der Rest der Villa wurde im charakteristischen Look der Zwanziger und Dreißiger wiederhergerichtet. Zum Anwesen gehört auch ein riesiger Pool, dessen Becken mit dem Meer verbunden war. Als er noch in Benutzung war, schwammen darin Fische. Stundenlang habe Capone dort geangelt, erzählt Bruzzi.

"Wir aßen, sangen und kochten zusammen", erzählte Capones Großnichte Deirdre Marie Capone bei einem Rundgang durch die Villa. "Als Familie standen wir uns sehr nahe." Im Pool der Villa habe sie schwimmen gelernt. Anders als einige ihrer Verwandten hat Deirdre Marie den Nachnamen des Kriminellen nicht abgelegt.

Capone gefiel an dem Anwesen, dass es einen Zugang zur Bucht hatte und der Flughafen in der Nähe war. Beides ermöglichte gute Fluchtwege. Auch in Miami Beach hatte Capone Ärger mit der Polizei: Alkohol, Partys und Streitereien mit Nachbarn - im Gegensatz zur seinen Aktivitäten in Chicago waren es freilich nur Lappalien.

Allzu lange konnte sich der Gangster nicht an dem Haus erfreuen. 1931 wurde er wegen Steuervergehen zu elf Jahren Haft verurteilt, die er unter anderem auf der berüchtigten Gefängnisinsel Alcatraz in der Bucht von San Francisco absaß. Ärzte stellten bei ihm damals eine weit fortgeschrittene Syphilis fest. Zudem setzten Capone die Haftbedingungen zu. 1939 wurde er vorzeitig entlassen und kehrte als Pflegefall in seine Villa zurück. Dort starb er 1947, wenige Tage nach seinem 48. Geburtstag.

ulz/dpa

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