Schüler aus Alabama 18-Jähriger ohne Unterschenkel wird Ringer-Champion

Hasaan Hawthorne hat die Highschool-Meisterschaften des US-Bundesstaats Alabama gewonnen - obwohl ihm beide Unterschenkel fehlen. Am Ziel sieht sich der 18-Jährige allerdings noch lange nicht.

picture alliance/ AP/ AL.com/ Eric Schultz

Blitzschnell schießen die Arme nach vorn, Hasaan Hawthorne packt den Gegner und wirft ihn auf die Matte. Der 18-Jährige ist Ringer, ein richtig guter Ringer. Er tritt für die Pelham High School aus dem US-Bundesstaat Alabama an, hat gerade den Titel des Landesmeisters gewonnen - und ist an beiden Beinen oberhalb der Knie amputiert.

Die Konkurrenten mit zwei kompletten Beinen hatten trotzdem keine Chance. 37:0 lautet seine Kampfbilanz in dieser Saison.

Hasaan Hawthorne kam aufgrund einer Fehlbildung ohne Schienbeine zur Welt. Als er zwei Tage alt gewesen sei, habe ein Arzt seine Eltern vor eine schwierige Entscheidung gestellt, berichtet das Magazin "People": Entweder Beine und Füße wachsen lassen, was Hasaan an den Rollstuhl fesseln würde. Oder beide Beine an den Knien amputieren lassen, womit der Sohn auf Prothesen angewiesen wäre.

Die Eltern entschieden sich für die zweite Variante. Mit 14 Monaten bekam Hasaan seine ersten Prothesen, mit vier Jahren entwickelte er eine zunehmende Sportbegeisterung - sehr zur Überraschung seiner Eltern. "An Sport hatte ich überhaupt nicht gedacht", sagte sein Vater Demond dem Portal "AL".

Doch der Junge quengelte so lange, bis seine Eltern ihn schließlich mit fünf Jahren in einem Baseball-Team anmeldeten. "Er wollte beweisen, dass er genauso gut ist wie jeder andere auch", sagte sein Jugendtrainer. Hasaan probierte weitere Sportarten aus, seine Prothesen gingen beim Kräftemessen mit nicht behinderten Sportlern häufig zu Bruch. Schließlich spielte er sogar Football - ohne Prothesen.

"Warum soll ich das nicht auch können?"

Den perfekten Sport für sich entdeckte Hasaan 2011. Inspiriert von Anthony Robles, der mit nur einem Bein die nationalen College-Meisterschaften errungen hatte, meldete er sich beim Ringer-Team seiner Schule. "Warum soll ich das nicht auch können?", sagte sich Hasaan dem "AL"-Bericht zufolge.

Ringen erlaube Hasaan wirklich er selbst zu sein, heißt es in einem Bericht der "Chicago Tribune": keine Prothesen, einfach sein Mut und seine Entschlossenheit. Das Kämpfen auf seinen Beinstümpfen führte aber auch zu gesundheitlichen Problemen, mehrere Operationen waren nötig.

Hasaans Erfolge haben auch eine Debatte darüber entfacht, ob seine Behinderung möglicherweise auf der Ringermatte ein Vorteil sein könnte: Der 18-Jährige wiegt knapp 66 Kilogramm, hat aber den Oberkörper eines 90-Kilo-Mannes. Die fehlenden Unterschenkel und sein niedriger Körperschwerpunkt machen es Gegnern schwer, ihn zu fassen zu bekommen. Doch natürlich hat es auch erhebliche Nachteile, sich nur auf Beinstümpfen fortbewegen zu können.

Unstrittig sind allerdings Hasaans große Kämpferqualitäten auf der Matte. Und so stand er laut "Chicago Tribune" auf der obersten Stufe des Siegerpodests, überragt von den Köpfen seiner unterlegenen Gegner und mit dem Lächeln eines ungeschlagenen Champions im Gesicht.

Vor den Meisterschaften hatte Hasaan sich großen Druck gemacht. "Ich muss gewinnen", sagte er, "ich muss." Denn der Schüler hat seine nächsten großen Ziele bereits im Visier: erst die nationalen Titelkämpfe, dann der Wechsel ans College. Die Ringer-Trainer an den Universitäten dürfte er allerdings schon jetzt beeindruckt haben.

wit



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