Alarm an Bahnhöfen Bombenfunde in Koblenz und Dortmund - Terrorverdacht

Der Fund von zwei mit Gasflaschen und Zündmechanismen präparierten Koffern in Dortmund und Koblenz beunruhigt die Behörden: Jetzt hat die Bundesanwaltschaft in Karlsruhe Terrorermittlungen eingeleitet.


Karlsruhe/Koblenz/Dortmund - Zwei Koffer, zwei Bomben, beide am Montag abgestellt - und vom ahnungslosen Bahnpersonal ins zuständige Bahnhofsfundbüro getragen: Die Behörden haben heute Abend Alarm geschlagen, nachdem gestern ein erster Bombenkoffer in Dortmund gefunden wurde - und heute Nachmittag bei der Öffnung eines Koffers in Koblenz ein zweiter Sprengsatz entdeckt wurde.

Wegen des zeitlichen Zusammenhangs der beiden Sprengstofffunde seien Ermittlungen gegen Unbekannt eingeleitet worden, gab Generalbundesanwältin Monika Harms in Karlsruhe bekannt. Es bestehe der Verdacht einer Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung. Unklar ist derzeit allerdings, ob es sich um einen geplanten Terroranschlag handelt - oder um eine geplante Erpressung der Bahn.

Nach ARD-Informationen sollen die beiden Bomben gleicher Bauart sein, was von der Bundesanwaltschaft zunächst nicht bestätigt wurde. Auch das ZDF meldete: Im Koblenzer Koffer sei ebenso wie im Dortmunder Gepäckstück eine komplette Zündvorrichtung entdeckt worden.

Bestätigt wurde von den Behörden bislang: In dem in Dortmund vom Schaffner abgegeben Gepäckstück befanden sich eine elf Liter fassende Gasflasche, die mit Butangas gefüllt war, 4,5 Liter Benzingemisch, Drähte und ein Wecker, der als möglicher Zündmechanismus gedient haben könnte. Ob der Zünder wirklich funktioniert hätte, ist derzeit noch unklar. "Dies müssen die weiteren Ermittlungen des Landeskriminalamts in Düsseldorf ergeben", sagte der zuständige Staatsanwalt auf einer Pressekonferenz am Mittag. Da der mögliche Zündmechanismus beim Entschärfen beschädigt wurde, seien die weiteren Ermittlungen schwierig.

Der Leiter der in Dortmund eingerichteten Polizeiexpertengruppe, Jürgen Kleis, erklärte, die Bombenkonstruktion sei als professionell zu bezeichnen. Eine Explosion im Zug hätte verheerende Auswirkungen haben können. Wann und wo der Dortmunder Bombenkoffer in den Zug gelangte ist unklar - der Regionalexpress pendelte an dem Tag zwischen Aachen und Hamm.

Der Koblenzer Hauptbahnhof war heute am frühen Abend evakuiert worden, der Zugverkehr wurde gestoppt. Zwar war der Koffer schon gestern im Fundbüro abgegeben worden, aber erst heute Nachmittag wurde er geöffnet - und die Bombe entdeckt. Zahlreiche Geschäftshäuser und Hotels, die sich in einem Umkreis von rund 200 Metern um den Bahnhof befinden, wurden daraufhin evakuiert. Nach etwa einer Stunde wurde der Bahnhof wieder freigegeben.

"Wir prüfen derzeit alle Denkansätze", sagte ein Polizeisprecher in Dortmund. Neben einem allgemeinen kriminellen Akt und einer möglichen Vorbereitung einer Erpressung müsse auch untersucht werden, ob es sich bei der Tat um einen politisch motivierten Anschlagsversuch gehandelt habe.

Die Bombenfunde weckten Erinnerungen an einen versuchten Anschlag am Dresdner Hauptbahnhof: Am Freitag vor Pfingsten 2003 hatte nur ein Konstruktionsfehler verhindert, dass ein mit Sprengstoff gefüllter Koffer auf dem Bahnhof explodierte, der hunderte Reisende hätte töten oder verletzen können. Ende Juli 2005 wurde der Bombenleger wegen mehrfachen versuchten Mordes zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt. Als Motiv hatte der Geschäftsmann aus dem Vogtland angegeben, er habe wegen finanzieller Probleme die Deutsche Bank erpressen wollen.

jul/AP/dpa/ddp



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