Alarm in Museen: "Dürer-Attentäter" auf der Flucht

Die Polizei hat die Museen in Deutschland vor einem flüchtigen Kunstschänder gewarnt. Der Mann, der vor Jahren als "Dürer-Attentäter" Schlagzeilen gemacht hatte, ist nicht von einem Ausgang aus der Psychiatrie zurückgekehrt.

Hans-Joachim Bohlmann ist von einem Ausgang nicht zurückgekehrt
DPA

Hans-Joachim Bohlmann ist von einem Ausgang nicht zurückgekehrt

Hamburg - Hans-Joachim Bohlmann hat am Montag einen Ausgang aus der geschlossenen Psychiatrie in Hamburg-Ochsenzoll zur Flucht genutzt. Der 63-Jährige hatte in den siebziger und achtziger Jahren wertvolle Gemälde unter anderem von Albrecht Dürer mit Säure bespritzt und Schäden in dreistelliger Millionenhöhe angerichtet. "Wir haben noch keine Spur von ihm, die Warnung an die Museen ist vorsorglich", sagte ein Sprecher der Polizei am Dienstag.

"Es ist nicht wahrscheinlich, dass er wieder Kunstwerke beschädigt, aber ausschließen können wir das nicht. Ein Restrisiko bleibt. Darauf haben unsere Spezialisten auch hingewiesen", sagte der Sprecher des für die Psychiatrie in Ochsenzoll zuständigen Landesbetriebs Krankenhäuser (LBK), Siegmar Eligehausen. Bohlmann war schon einmal im Januar 1998 bei einem unbegleiteten Spaziergang im Park des Klinikgeländes untergetaucht. Nach zwei Tagen war er bei seiner freiwilligen Rückkehr in die Klinik von der Polizei gefasst worden.

Am 21. April 1988 hatte der geistesgestörte 63-Jährige in der Alten Pinakothek in München drei wertvolle Gemälde von Albrecht Dürer mit Säure bespritzt und dabei einen Schaden von rund 70 Millionen Mark angerichtet. Nach den Anschlägen auf die Dürer-Bilder in München war Bohlmann 1989 vom Landgericht München zu einer zweijährigen Haftstrafe verurteilt worden. Außerdem ordnete die Kammer die Unterbringung des Kunstschänders in einer Psychiatrie an.

Bereits 1977 hatte er zahlreiche Säureattentate auf teilweise weltberühmte Gemälde in Museen unter anderem in Hamburg, Lübeck, Hannover, Düsseldorf, Lüneburg, Essen, Bochum und Kassel verübt. Allein in Kassel hatte er drei Rembrandt-Bilder im Schätzwert von mehr als 50 Millionen Mark zum Teil schwer verätzt. 1979 war er vom Hamburger Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Als Motiv für die Taten hatten die Richter bei Bohlmann "Hass und Rachegefühle gegenüber der Allgemeinheit" ausgemacht, ihm aber keine verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt.

LBK-Sprecher Eligehausen unterstrich am Dienstag ausdrücklich, dass die gewährten Lockerungsmaßnahmen - wie der jetzt zur Flucht genutzte Ausgang zu einer betreuten Wohngruppe - auf Gerichtsentscheidungen zurückgingen. Die behandelnden Psychiater hätten auf die "ungünstige Prognose" bei dem Patienten hingewiesen und auch schon mal Vollzugslockerungen abgesetzt. 1999 habe das Hamburger Oberlandesgericht aber die Psychiatrie aufgefordert, alle Möglichkeiten für eine "Eingliederung des Untergebrachten" zu nutzen. Dabei hätten die Richter auch auf den Verhältnismäßigkeitsgrundsatz hingewiesen. Bohlmann sitzt seit März 1990 in der geschlossenen Abteilung der Ochsenzoller Psychiatrie.

"Wir sind generell gegen solche Vorfälle ausreichend geschützt, an einigen Stellen werden wir aber unseren Wachschutz jetzt noch zusätzlich verstärken", sagte der Direktor der Hamburger Kunsthalle, Uwe Schneede. Mit "irregeleiteten Personen" müsse zu jeder Zeit gerechnet werden, deshalb sei die Kunsthalle immer auf Übergriffe eingestellt.

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